Wer ist Elisabeth wirklich?

Enya Steinbrecher

Von Enya Steinbrecher

Mo, 19. Februar 2018

Gundelfingen

Die Gundelfinger Freilichtbühne spielt im Gasthaus Sonne in Wildtal vor vollem Haus das Kriminalstück "Die Falle".

GUNDELFINGEN. Die Gundelfinger Freilichtbühne spielt auch im Winter Theater und deshalb fand die Premiere des Kriminalstücks "Die Falle" von Robert Thomas nicht im Freien, sondern im Bürgersaal des Gasthauses Sonne im Wildtal statt. "Die Falle" war 1961 das meist aufgeführte Stück in Deutschland. Am kommenden Wochenende gibt es noch einmal zwei Aufführungen.

Die Plätze reichen nicht aus, als am Samstagabend das Publikum ins Gasthaus Sonne Platz strömt. Die Veranstalter bringen weitere Stühle. Als kurz darauf das Licht angeht, befindet sich das Publikum in einem Chalet in den französischen Alpen. Seinem einsamen Bewohner, Daniel Corban – überragend gespielt von Daniel Hey – ist vor zwei Wochen die frisch angetraute Ehefrau weggelaufen. In den Flitterwochen des jungen Paares war es zu einem Streit gekommen. Nun ist Elisabeth Corban verschwunden.

Die Polizei hat zwar die Fahndung eingeleitet, doch nimmt sie den Fall nicht sonderlich ernst. Urplötzlich steht Pfarrer Martin (Jürgen Haeussler) mit einer freudigen Nachricht in Daniels Chalet: Elisabeth Corban ist zurück. Kurz darauf steht der junge Daniel jedoch keinesfalls seiner Gattin gegenüber ...

Mit überzeugender Verzweiflung versucht Daniel Hey in der Hauptrolle den Polizeikommissar, gespielt von Jürgen Hey, von dem falschen Spiel der Kriminellen zu überzeugen – denn dass es sich bei der falschen Elisabeth um eine Kriminelle handelt, dessen ist er sich sicher.

Anita Haeussler-Häringer, die die falsche Elisabeth spielt, gelingt es, den Polizeikommissar mit Hilfe ihres Komplizen, Pfarrer Martin, immer und immer wieder von ihrer Unschuld zu überzeugen – was nicht zuletzt daran liegt, dass die falsche Elisabeth ihre Rolle mehr als gut gelernt hat. So weiß sie auf jede noch so intime Frage aus dem Leben der jungen Eheleute die richtige Antwort. Und selbst, als sie das falsche Hotel nennt, in welchem sich die Eheleute während ihrer Flitterwochen aufgehalten hatten, erscheint wie von Zauberhand der Name des Ehepaars in dessen Buchungen. Daniel Corban ist sich sicher, dass das Netz der Kriminellen weit mehr Personen umfasst, als nur die falsche Elisabeth und Pfarrer Martin.

Anita Haeussler-Häringer schafft es, mit dem schnellen Wechsel zwischen überzeugender Unschuld und hämischer Boshaftigkeit nicht nur das Publikum, sondern auch den Polizeikommissar ein ums andere Mal an der Nase herumzuführen. Der Konflikt spitzt sich zu, als zufällig der Trauzeuge des Ehepaars Corban in Daniels Chalet stolpert – ein Landstreicher und Maler, der sich damals bei der Hochzeit als Trauzeuge ein kleines Zubrot verdient hatte.

Die kriminelle Bande um die falsche Elisabeth und Pfarrer Martin jedoch schreckt auch vor Gewalt nicht zurück – und sie tut alles, um es der falschen Elisabeth möglich zu machen, den Platz ihrer Vorgängerin einzunehmen.

Unter der Regie von Jesse Coston, der mit "Die Falle" bereits das zweite Stück mit der Freilichtbühne Gundelfingen aufführte, probte das Ensemble seit Oktober. Es war das erste Mal, dass die Freilichtbühne auch im Winter spielte – aufgrund der winterlichen Wetterverhältnisse jedoch drinnen.

In weiteren Rollen zu sehen waren in dem Kriminalstück Wernfried Weber, der dem Publikum in seiner Rolle als Landstreicher "Seehecht" viele Lacher entlockte, und Abraham Avedikian, der den bestechlichen Krankenpfleger Berton spielte und der aufgrund seiner Ehrlosigkeit auf der Bühne kein Sympathieträger sein konnte.

Das Theaterstück "Die Falle" wird noch einmal am Freitag, 23., und am Samstag, 24. Februar, jeweils um 20 Uhr in der Sonne im Wildtal aufgeführt.