Wer liest, gewinnt immer

Anja Ihme

Von Anja Ihme

Mi, 10. Dezember 2014

Gundelfingen

Lisa Maurer ist Schulsiegerin im Vorlesewettbewerb des Gundelfinger Gymnasiums.

GUNDELFINGEN. "Herodes?? – Hat der die mickrigen Geschenke mitgebracht?", liest Francine Ginola (12) aus einem unbekannten Text bemerkenswert pointiert und ausdrucksstark. Dass sie gerne liest, erkennt man aus zehn Metern Entfernung. Rund 30 Schülerinnen und Schüler hören – ebenfalls bemerkenswert – aufmerksam zu. Und lachen an den richtigen Stellen. Am Montag ermittelte das Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG) die Siegerin des aktuellen Vorlesewettbewerbs der sechsten Klassen: Die zwölfjährige Lisa Maurer setzte sich mit ihrem selbst ausgesuchten Text aus "Wildhexe" von Lene Kaaberbøl und Bente Schlick gegen ihre gleichaltrigen Mitstreiter Francine Ginola, Philip Winckel, Maria Lai, Matthias Brutzer und Jonathan Wiese durch, die jeweils Sieger in ihrer Klasse wurden.

"Wir erleben an unserer Schule, dass das Lesen einfach nie an Faszination verliert. Es stimmt einfach nicht, dass Kinder nicht gerne lesen", so Deutschlehrerin und Jurymitglied Stefanie Moll. "Ich habe schon sehr früh angefangen zu lesen und lese jetzt meinem kleinen Bruder ganz oft vor", erklärt Lisa selbstbewusst ihren Erfolg. Und weiter: "Ich kann vor allem richtig gut lesen, wenn mir das Buch gefällt. Am liebsten Fantasy- oder Pferdegeschichten." Damit liegt sie auch voll im Trend.

"Früher haben die Jugendlichen eher die klassischen Titel gelesen, Hanni und Nanni etwa", weiß die verantwortliche Deutschlehrerin Barbara Gaydoul, die den Wettbewerb am ASG seit 32 Jahren begleitet: "Heute fesseln vor allem Fantasy-Titel oder Krimis." Lisa ist zwar sehr stolz auf den Schulsieg, findet aber das Gewinnen alleine gar nicht so wichtig: "Wenn die anderen mein Vorlesen mögen, reicht mir das eigentlich."

Dies entspricht auch dem Wunsch des Veranstalters, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels: Der Vorlesewettbewerb sei kein Leistungswettkampf, was zähle, sei: Bücher zu erleben – frei nach dem diesjährigen Motto: "Wer liest, gewinnt immer."

"So viele gute Leserinnen und Leser hatten wir noch nie", meinte Deutschlehrerin Stefanie Moll. "Alle sechs Jugendlichen waren so gut, dass wir sie neben ihren selbst ausgesuchten Texten auch noch einen weiteren unbekannten Text vorlesen lassen mussten, um unsere Entscheidung zu treffen". Zuvor hatten sich die Schüler aller sechsten Klassen den Argusaugen oder viel mehr -ohren ihrer Klassenkameraden gestellt, die dann gemeinsam mit dem Deutschlehrer den Klassensieger bestimmten. Eine siebenköpfige Jury, bestehend aus den drei Deutschlehrerinnen, der Leiterin der Mediathek, Sonja Kuhlmann, einem künstlerischen Mitarbeiter des Theaters Freiburg, Benedikt Grubel, sowie zwei kritischen Schülern des ASG, Enya Steinbrecher (17) und Vorjahressieger Cedric Greh (13), der selbst sogar zwei Runden weiterkam, entschied sich dann für Lisa: Sie habe sich am besten an die Bewertungskriterien gehalten, die in einer großen, vom Veranstalter zusammengestellten Liste festgehalten wurden.

Dabei geht es vor allem um Dinge wie: sicher und flüssig lesen, deutlich sprechen, ein angemessenes Lesetempo einhalten oder sinngemäß zu betonen. Aber auch Aspekte wie Textauswahl, Zeitplanung (vorgegeben sind drei Minuten Lesezeit), lebendiges, nuancenreiches, ausdrucksstarkes Lesen fließen in die Bewertung ein. Die sechs Klassenbesten freuten sich über ein Buch, Lisa erhielt zusätzlich ein weiteres Buch und qualifizierte sich natürlich für den Regionalentscheid in Emmendingen im Frühjahr. Außerdem hofft sie auf die Teilnahme an der Landesentscheidung in Stuttgart. Bis dahin wird sie noch viel lesen. Und dabei immer gewinnen.

Info: Der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels wird seit 1959 jährlich vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels organisiert.