Mehr Züge, Busse und Jugendtreffs

Sebastian Heilemann

Von Sebastian Heilemann

Do, 20. März 2014

Gutach im Breisgau

Im Jugendforum Zweitälerland diskutierten Jugendliche untereinander und mit Politikern über die Zukunft ihrer Gemeinden.

ELZTAL. Jugend ist die Zukunft: Im Jugendforum Zweitälerland stellten sich Bürgermeister und Gemeinderäte den Fragen und Problemen Jugendlicher aus ihren Gemeinden. Im Mittelpunkt standen die Themen Mobilität und Freizeitangebote.

30 Jugendliche haben am Freitag im Bürgersaal in Bleibach die Köpfe zusammengesteckt und beraten, wo der Schuh drückt. Das Besondere: Die Bürgermeister und einige Stadträte saßen zum Abschluss des Workshoptages mit in der Runde und nahmen Stellung zu den Anliegen. Am Vormittag hatten die Schüler in Gruppen die Probleme ihrer jeweiligen Gemeinde zusammengetragen. Wichtig war vor allem das eingeschränkte Angebot des öffentlichen Nahverkehrs, fehlende Treffpunkte für Jugendliche in den Gemeinden und Internetverbindungen.

Das Jugendforum Zweitälerland ist Teil eines mehrstufigen Projektes, dass von dem europäischen Förderprogramm "Leader" mitfinanziert wird. Die Jugendlichen kommen aus Biederbach, Gutach, Elzach, Simonswald und Winden.

Im Januar gab es in allen Schulen Gespräche und Politikworkshops, um Jugendliche auf das Thema kommunale Politik vorzubereiten. Zum Beispiel wurde eine Gemeinderatssitzung nachgespielt, um die Jugendlichen mit dem Thema vertraut zu machen. "Mit den Schulworkshops wurden um die 420 Schüler erreicht, fast 600 Jugendliche haben sich bei der Umfrage beteiligt", sagt Udo Wenzl vom Institut für angewandte Sozialforschung, der das Projekt betreut. "Ich bin sehr zufrieden, und freue mich, mit welcher Intensität und welchem Engagement die Jugendlichen in einzelnen Themen eingestiegen sind", sagte Wenzl. Vorab hatte er allerdings auf deutlich mehr Teilnehmer gehofft.

Der 16-jährige Nicolai Katalenic sieht das Projekt als Chance und lobt die gute Organisation. Er nahm teil, "um einfach mitreden zu können. Ich komme aus Siegelau. Da gibt es an Ferientagen nur drei Busse, das ist einfach schlecht für Jugendliche. Und ein Jugendzentrum fehlt auch." Für Nicolai ist es wichtig, dass die Jugendlichen längerfristig mitreden dürfen. "Wir wollen halt nicht, dass wir nur einmal so ein Treffen machen, damit die Bürgermeister alibimäßig sagen können, dass sie sich mal mit Jugendlichen beschäftigt haben". Wahrscheinlich gehört Nicolai auch deswegen zu den ersten, die sich für den Rat der Jugend eintragen. Der Jugendrat soll die Ergebnisse des Forums für eine Präsentation zusammentragen und später allen Gemeinderäten und Bürgermeistern vorstellen. Am Ende des Tages stehen dort 15 Namen auf der Liste.

Nicht nur Bürgermeister und Stadträte informierten sich bei den Jugendlichen über deren Wünsche. Auch Landratsvertreter Hinrich Ohlenroth, die Landtagsabgeordneten Sabine Wölfle (SPD) und Alexander Schoch (Grüne), Bundestagsabgeordneter Johannes Fechner (SPD) und Tilman Bollacher, der das Leader-Programm betreut, suchten das Gespräch. Fechner: "Es macht Spaß, wenn man sich mit vielen anderen dafür einsetzen kann, dass viele Dinge besser werden. Lasst euch von den Älteren nichts vormachen, die kochen auch nur mit Wasser."

Die Bürgermeister zogen eine positive Bilanz des Tages und forderten die Jugendlichen auf, sich weiterhin zu engagieren. "Ihr habt die Möglichkeit, eure Zukunft mitzugestalten", sagte Urban Singler, Bürgermeister von Gutach. "Es war toll, mit euch zusammenzuarbeiten und ich denke, dass das Ergebnis des heutigen Tages für sich spricht."

Info: Auch Jugendliche, die nicht teilnahmen, können mitdiskutieren. Auf Facebook wurde eine Gruppe eingerichtet, in der jeder Fragen und Anregungen einbringen kann. Dazu schickt man eine Facebooknachricht an facebook.com/erik.fluegge.