Mit Liedern rund um die Welt

Karin Heiß

Von Karin Heiß

Fr, 28. April 2017

Gutach im Breisgau

Konzert der MGV-Chorgemeinschaft Bleibach mit Chören aus Bahlingen, Gutach, Winden und Freiburg-Zähringen.

GUTACH. Wie vielseitig Chorgesang ist, ließ sich beim Freundschaftssingen, welches die MGV-Chorgemeinschaft Bleibach unter dem Motto "Mit Liedern um die Welt" veranstaltete, ausmachen. Und das war nicht nur wegen der diversen Gastchöre und der Solistin Jana Hruby (Sopran) aus Dresden, die dazu geladen waren, gegeben: Jeder einzelne Chor präsentierte eine erstaunliche Bandbreite und zeigte sich stilsicher bei seinen Vorträgen. Mit dem so inszenierten Spannungsbogen verging der lange Konzertabend im Nu.

Das große Publikum fühlte sich wohl und zollte den Vorträgen durchweg viel Applaus. Einige Highlights lösten besondere Begeisterung aus. Zudem nutzte der MGV-Vorsitzende Paul Seeger den schönen Rahmen der Veranstaltung, um mehrere langjährige Sängerinnen und Sänger zu ehren. Wegen Erkrankung des Dirigenten Wolfgang Albrecht übernahm es der Chorleiter Heiko Mazurek vom Männergesangverein Silberbrunnen-Eintracht Bahlingen, die gastgebende MGV-Chorgemeinschaft Bleibach zu dirigieren.

Diese eröffnete das musikalische Programm a capella mit dem "Lied zum Glück" (Johannes Kalpers) und – begleitet von Larissa Alimova aus Freiburg am Klavier – mehreren Volksweisen, unter anderem aus Hawaii, Bolivien und Georgien. Die Chorgemeinschaft schien mit ihrem Ersatzdirigenten gut zurecht zu kommen. Man hatte das Gefühl, dass von Stück zu Stück die erste Anspannung oder Unsicherheit abfiel. Die Chorgemeinschaft glänzte gesanglich in gewohnt überzeugender Manier. Bei "Suliko" (arrangiert von Wolfgang Albrecht) begleitete Chormitglied Kurt Beckmann auf seinem Akkordeon. Das Thema Frühling klang hier schon deutlich an und tat das im Verlauf des Abends immer wieder mal. Erst verträumt, dann zusehends flott und unterhaltsam kam der Chor "La Musica" aus Gutach im ersten Konzertteil daher. Der bekannte Schlager "Im Wagen vor mir" wurde mit einem kleinen Schauspiel gewürzt, was das Publikum mit Lachen und Beifall honorierte. Anspruchsvoll und sehr konzentriert zeigte sich "La Musica" unter der Leitung seines Dirigenten Hermann Schill dann im zweiten Teil. "Abendstille in den Bergen" (Pasquale Thibaut) ließ es auch im Saal mucksmäuschen still werden. Zwei weitere besonnene Stücke wurden mit starkem Ausdruck dargeboten.

An dem mangelt es den Windener Chorsängern ebenfalls nicht. Sie sind, jeder für sich, mit dem Talent zum Singen ausgestattet. Da kann ihr musikalischer Leiter Bernhard Moncado, der sie auch am Klavier begleitet, viel rausholen und herumexperimentieren. Spaß macht es, ihnen zuzuhören, ob als Hauptchor oder Doppel-Quartett aufgestellt. Im Chor glänzten die Sänger unter anderem mit der slowenischen Volksweise "Freude am Leben" und dann mit Schlagern, in diesem Fall bei "Best of Udo Jürgens". Das Doppel-Quartett brachte "Paris" (Wise Guys) und zwei flotte Stücke von Milton Ager ("Wochenend’ und Sonnenschein" sowie "Alles hat seine Zeit") zu Gehör und versprühte damit viel gute Laune.

Wieder sehr konzentriert wurde die Atmosphäre bei den Stücken von Franz Schubert (Bacchus und "Die Nacht"), mit denen der MGV Silberbrunnen-Eintracht Bahlingen die Zuhörer errfreute und deutlich machte: Man kann mit Kraft und Schwung seiner Liebe Ausdruck verleihen. Und dies galt gesanglich in mehreren Liedern dem Wein und Wien.

Nun ging es über zum letzten Chor im befreundeten Reigen, dem MGV Liederkranz aus Freiburg-Zähringen. Dessen Repertoire trägt die Handschrift des jungen Dirigenten Florian Bischof. War das im ersten Teil eventuell noch nicht so eindeutig auszumachen, wenngleich Stücke von "Ich küsse ihre Hand, Madame" (Willi Parten) bis "Butterfly" schon humoristischen Charme verbreiteten, so dann aber gewiss im zweiten: Da brachten die Sänger zwei Lieder von den Toten Hosen, "Altes Fieber" und "An Tagen wie diesen", beeindruckend zu Gehör. Das Publikum war begeistert. Mit "Der kleine Teddybär" (Thomas Fillep) setzten sie noch ein lustiges i-Tüpfelchen drauf.

Der Star des Abends war Jana Hruby aus Dresden. Die von renommierten Opernhäusern, Theatern und Orchestern vielfach engagierte Sängerin ist in Bleibach keine Unbekannte. Ihr glasklarer Sopran, der unglaubliche Höhen erschwingen kann, trug erneut Gänsehauteffekte in sich. Als Solo-Vorträge ausgesucht hatte Hruby sich für diesen Abend zwei Lieder aus der Operette "Csardasfürstin" (Emmerich Kálmán) und etwas leichtere Kost mit "Was eine Frau im Frühling träumt" (Walter Kollo). Den Blicken der Zuhörer war die Faszination anzusehen, welche die Stimme dieser Sängerin auf sie ausübte. Für das Duett mit Paul Seeger (Tenor) waren "Dein ist mein ganzes Herz" (Franz Lehar) sowie der Olympia-Song von 2002, "Amigos para sempre" (Andrew Lloydd Webber), die richtige Wahl. Ein würdiger, erhabener Abschluss für einen gelungenen Chor-Konzertabend. Nochmals erscholl großer Applaus. Die Bewirtung hatte an diesem Abend die Bleibacher Narrenzunft Leimedeyfel übernommen.