"Das war der erste Schritt"

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Mo, 30. April 2018

Landesliga Nord

Die HSG Ortenau Süd hält den Verfolger in der brechend vollen Brumatthalle unter dramatischen Umständen auf Distanz.

HANDBALL Landesliga Nord: SV Ohlsbach – HSG Ortenau Süd 25:25 (14:14). Am Samstag fiel die Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft. Nicht mehr und nicht weniger. Nach dem Remis beim direkten Verfolger führt die HSG die Tabelle einen Spieltag vor Saisonschluss weiter mit einem Punkt an und hat es selbst in der Hand, mit einem Erfolg zu Hause gegen die TS Ottersweier den Titel und den Aufstieg in die Südbadenliga klar zu machen. Es war ein intensives Match in der Brumatthalle. Die Kulisse war beeindruckend. Ebenso die Leistungen beider Abwehrreihen. Leidenschaft und Emotionen prägten die Partie, die hin und her wogte.

Der Hexenkessel
Sieben, acht Minuten nach Schlusspfiff wurde es plötzlich merkwürdig ruhig in der Halle. Es war wie ein kollektives Atemholen, wie ein Innehalten im rauschhaften Taumel des Topspiels. Alle hatten alles gegeben. Dann wurde es wieder laut. "Mega", sagte Wito Göpper, der siebenfache Torwerfer der Gäste, und meinte die Atmosphäre. "Das spornt nochmal zusätzlich an." Niemand, der dabei war, blieb unbeeindruckt. Die Partie lieferte den Beweis, dass der Handball in der Region lebt. Er mobilisiert und emotionalisiert. Die Ohlsbacher hatten das Spitzenspiel aufwendig inszeniert: Luftballons, Banner, geschminkte Fans in Blau und Weiß, vor dem Hallenfenster Bengalos. Und auf der Bühne wartete eine 50-köpfige Fangruppe hinter dem geschlossenen Vorhang, der kurz vor Spielbeginn aufgezogen wurde. Er war angerichtet. Dazu kamen rund 130 Fans der HSG, die sich in einem Teil der Halle zusammengefunden hatten. Ein Hexenkessel. Offiziell waren 550 Fans gezählt worden, man darf getrost annehmen, dass es ein paar mehr waren. Bei Spielbeginn kam niemand mehr hinein.

Die Partie
Wie schmal der Grat zwischen Motivation und Übermotivation war, zeigten die Ohlsbacher in der Anfangsphase, die den Ton setzte. Nach knapp sieben Minuten hatten sie bereits drei Zwei-Minutenstrafen kassiert. "Das war ein richtiges Kampfspiel", stellte HSG-Werfer Oliver Fimm hinterher fest. Geprägt wurde es von der Lust am Körperkontakt in der Defensive. "Zwei Abwehrreihen auf Topniveau" hatte nicht nur Gästetrainer Mirko Reith gesehen. Max Echle wurde dabei, wenig überraschen, zu einer zentralen Figur. Er ist Herz und Hirn beim SVO. Seine Ideen und raffinierten Kreisanspiele zu unterbinden, konnte nicht gelingen. "Er ist der beste Mittelmann der Liga", sagte Göpper. Reith sinnierte hernach: "Vielleicht hätten wir ihn früher herausnehmen müssen." Es ging eng zu in der Halle, im doppelten Wortsinn. Niemals gelang es einer Mannschaft, mit mehr als zwei Treffern davonzuziehen. Es gab Schlüsselszenen. Zum Beispiel jene beim 23:22, als noch rund sieben Minuten auf der Uhr waren. Erst verwarf der Ohlsbacher Marvin Lehmann vom Siebenmeterstrich, dann vergab Göpper auf der anderen Seite zwei Strafwürfe in Folge. Die HSG nutzte beim 23:23 eine Überzahl nicht, musste sogar zwei Tore des SVO hinnehmen, der beim 25:23 zweieinhalb Minuten vor dem Ende am Triumph schnupperte. Doch Aaron Bolz traf noch zweimal ins Netz. Vor dem letzten Treffer hatte Reith bei 59:35 Minuten noch einmal eine Auszeit genommen. Die Rechnung ging auf. Ein finaler Freiwurf von Echle strich bei abgelaufener Zeit aber knapp übers Tor.

Das Fazit
"Kleinigkeiten haben das Ding entschieden", räumte Reith ein. "Mit dem Unentschieden können wir besser leben als die Ohlsbacher, die ebenso wie wir toll gekämpft haben." Die enttäuschten Blau-Weißen müssen jetzt hoffen, dass die HSG im Saisonfinale patzt. Doch beim Schlusspfiff waren Zweifel erstmal kein Thema. Da brüllten die Rot-Weißen ihre Freude heraus, als hätten sie die Meisterschaft schon gewonnen. "Jetzt wollen wir daheim das Ding vollends zumachen, damit wir keine Relegation spielen müssen, erklärte Coach Reith. Auch Göpper sagte: "Jetzt können wir es daheim klar machen nächste Woche." Ein bisschen nachdenklicher klangen Fimms Aussagen mit ein paar Minuten Abstand. "Das war Schritt eins, Schritt zwei kommt nächste Woche gegen Ottersweier. Aber das wird ein dicker Brocken, da müssen wir nochmal alles geben."

SV Ohlsbach: Knuth, Doninger; Göppert 1, Reinke, Lehmann 7, F. Bruder, Kurz 3, Jörger, Lang, Richter 5, Echle 5, Huber 4, Armbruster, L. Bruder. HSG Ortenau Süd: Richini, Glatz; Betzler 4, Fimm 2, D. Herzog, Leufke 2, Göpper 7/4, Schilli, Peter 1, Wilhelm 1, Meister, Ruf, Bolz 6, N. Herzog 2. Spiel-Film: 3:4 (7.), 7:5 (16.), 10:10 (24.), 14:14 – 18:19 (43.), 21:19 (49.), 23:22 (53.), 25:23 (58.), 25:25.