"Wenn es reicht, dann reicht es"

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Fr, 06. April 2018

Landesliga Nord

NACHGEFRAGT: Der sportliche Erfolg hat die HSG Ortenau Süd überrascht / Trainer Mirko Reith geht damit routiniert um.

HANDBALL Landesliga Nord. "Die Entwicklung der Mannschaft steht im Fokus", hatte Mirko Reith noch vor der Saison gesagt. Ein Platz im gesicherten Mittelfeld war als Ziel formuliert worden. Doch nun sehen sich die HSG Ortenau Süd und ihr neuer Trainer mit einer ganz besonderen Herausforderung und einer unerwartet positiven Lage konfrontiert: Die Meisterschaft und der direkte Aufstieg in die Südbadenliga sind möglich.

"Platz zwei und die Relegation sind fast schon sicher", kann Mirko Reith angesichts des Tabellenbildes sagen. Der sportliche Wettbewerb um den Platz an der Sonne wird offenbar nur noch von zwei Teams bestritten: von eben jener HSG Ortenau Süd und dem SV Ohlsbach. Nach 21 von 26 Saisonspielen hat die HSG mit 34:8 Punkten einen Zähler Vorsprung vor dem Verfolger aus Ohlsbach. Auf Rang drei folgt der TuS Ottenheim mit einer Bilanz von 27:15 – zu weit weg vom Spitzenduo.

Mit solch einem Saisonverlauf hat keiner gerechnet

Nun ist Mirko Reith, der 43 Jahre alte Meißenheimer, in seiner ersten Saison bei der HSG in der vergleichsweise angenehmen Lage den sportlichen Erfolg zu erklären und einzuordnen. "Die Mannschaft war in der vergangenen Runde Vierter. Wir wollten natürlich eine gute Rolle spielen, aber dass es so gut läuft, damit hat keiner gerechnet. Wir haben eine gute Vorbereitung bestritten, und uns dann in einen Lauf hineingespielt."

Hilfreich war, dass das Team ohne Druck auftreten durfte, mithin nichts zu verlieren hatte. Das Motto des Trainers: "Wir schauen einfach mal". Ein Stück jener Gelassenheit hat Reith, der gelernte Schreiner, der im Verkauf einer Holzhandlung arbeitet, sich durch seine sportliche Vita erworben. Sie ist reich an Erfahrungen. SG Hugsweier/Lahr, TuS Helmlingen, TV Willstätt, TuS Ringsheim und TuS Großweier hießen seine Stationen als aktiver Handballer. Als Trainer wirkte er bei TuS Schuttern, SV Ohlsbach und SV Zunsweier. Vor seinem Engagement bei der HSG war er Co-Trainer beim TuS Ottenheim.

"Wenn man oben steht, dann hat man sich das auch verdient oder erarbeitet", sagt der Übungsleiter. Dass das Team praktisch verletzungsfrei durch die Vorrunde kam, habe gewiss auch eine Rolle gespielt. Dass die HSG als Tabellenführer nun naturgemäß gejagt wird, nimmt die Mannschaft nach des Trainers Beobachtung gelassen. "Wenn wir am Schluss oben stehen, dann freut es uns."

Käme der Aufstieg zu früh? "Wir haben ein paar junge Spieler, die noch einen Schritt nach vorne machen können. Für die, die aus der A-Jugend kommen, findet er etwas zu früh statt", so Reith. "Es gibt vier, fünf gestandene Spieler, die sagen, die Südbadenliga würde ihnen Spaß machen. Aber die wissen auch, was auf uns zukommt. Einfach wird es auf keinen Fall." Was sagt das Umfeld der HSG? "Da gibt es überhaupt keinen Druck. Wenn es reicht, dann reicht es. Man kann den Spielern nicht verwehren, aufzusteigen. Man weiß sowieso nicht, ob man die Chancen in den nächsten Jahren nochmal bekommt."

Das Team besitzt einen guten Altersdurchschnitt

Er baut auf ein Team, das "einen guten Altersdurchschnitt" besitzt. Zu den "Alten", jenen Spielern zwischen 28 und 32 Lenzen, gehören Johannes Betzler, Oliver Fimm, Stephan Richini und Wito Göpper, "die anderen sind fast alle unter 22." Mit ihnen realisiert er seine Idee vom Handball. Sie fußt auf einer stabilen Abwehr und einer zügigen ersten und zweiten Phase. Im aufgebauten Angriff will Reith "eine gewisse Linie spielen."

Den Rahmen für die sportliche Entwicklung bietet die HSG, die sich aus TV Seelbach, TV Sulz und GSV Mietersheim zusammensetzt und in ihrer dritten Saison existiert. Wie nimmt der Meißenheimer Reith, der vor allem den Männerbereich überblickt, diese besondere Konstruktion wahr? "In menschlicher Hinsicht ist das wie ein Verein. Die Kinderkrankheiten sind in den ersten beiden Jahren abgebaut worden." Heimspiele finden in Sulz, Seelbach und der Lahrer Rheintalhalle statt. Für Reith macht das keinen Unterschied. "Ich habe das Gefühl, Heimspiel ist Heimspiel – bei allen Spielen, egal in welcher Halle."

Am Sonntag (17 Uhr) steht die HSG in beim TuS Oppenau vor einer diffizilen Aufgabe. Nicht dabei sind der verletzte Timo Oschwald und der angeschlagene Aaron Meister.