Kandertal/Wiesental

Schwarzwaldverein stellt sich gegen Windparks – und will notfalls klagen

Nicolai Kapitz

Von Nicolai Kapitz

Di, 05. Juni 2018 um 18:49 Uhr

Häg-Ehrsberg

Der Schwarzwaldverein bezieht Stellung zu den geplanten Windparks zwischen Kandertal und Wiesental. Der Verein sorgt sich um Landschaftsbild, Tourismus und Wanderwege und will notfalls vor Gericht ziehen.

Jetzt schaltet sich der Schwarzwaldverein in die Windkraft-Problematik ein: Bei einem Vor-Ort-Termin in Häg-Ehrsberg mit Blick auf den Höhenzug des Zeller Blauen haben Vizepräsident Peter Wehrle und weitere Vertreter des Schwarzwaldvereins Position gegen den Bau der geplanten Windparks am Zeller Blauen und auf dem Höhenrücken des Wasen-Hohe Stückbäume zwischen Kandertal und Kleinem Wiesental bezogen. Der Schwarzwaldverein sorgt sich um die Schönheit der Landschaft, um den Tourismus und um seine Wanderwege. Zur Not will er klagen.

"Wanderer schätzen den unverstellten Blick bis hinüber zu den Alpen." Peter Lutz
Peter Wehrle, Karlheinz Abt (Naturschutzwart im Bezirk Markgräflerland), Peter Lutz (Naturschutzreferent des Schwarzwaldvereins) und Rudi Maier, Vorsitzender des Bezirks Markgräflerland, hatten sich einen passenden Aussichtspunkt für den Pressetermin ausgesucht. Dort wo die Gemeindestraße von Ehrsberg am Steilhang entlang in Richtung Stadel und Klopfsäge führt, gibt es einen kleinen Steinbruch, dort haben ein paar Autos Platz. Und dort oben breitet sich dem Betrachter der gesamte Höhenzug vom Zeller Blauen bis zum Belchen ohne Einschränkung aus.

"Man muss sich mal vorstellen, wie das aussieht, wenn dort oben sieben oder neun Windkraftanlagen stehen", sagte Peter Wehrle beim Termin auf eben jenem kleinen Parkplatz. "Wir haben mit den Plänen so unsere Probleme." Und das hat Gründe. "Gerade die Landschaft im Wiesental bietet noch unverstellte Natur", erklärte Wehrle. "Wir möchten verhindern, dass hier auch noch die letzten Höhenzüge mit Windrädern bebaut werden. Dieses Landschaftsbild muss uns etwas wert sein."

Der Schwarzwaldverein vertritt in erster Linie Wanderer, darunter natürlich zahlreiche Touristen. "Wanderer schätzen den unverstellten Blick bis hinüber zu den Alpen", erklärte Naturschutzreferent Peter Lutz. "Wenn auf diesem Höhenzug eine Reihe von bis zu neun Windrädern gebaut wird, ist es damit vorbei." Der Schwarzwaldverein, so betonen die Vertreter, habe damit schon im ganzen Schwarzwald Erfahrungen gesammelt: "Das ganze Ausmaß wird einem erst klar, wenn die Anlagen stehen. Und dann ist es zu spät", sagte Peter Lutz. "Wir dürfen nicht erst dann tätig werden, wenn wir die Bagger sehen", ergänzte Peter Wehrle. Die negativen Auswirkungen eines Windparks bekämen, so die Vereinsvertreter, nicht zuletzt die Tourismus- und Gastronomiebranche zu spüren.

Doch damit nicht genug: "Die Windkraftanlagen und vor allem die Bauarbeiten hinterlassen Narben in der Natur", erklärte Bezirksvorsitzender Rudi Maier. Alleine für das Fundament müssten riesige Flächen gerodet werden, was für immer sichtbar bleibe. Dasselbe gelte für die Bereiche, in denen Maschinenwege angelegt werden müssen. In Sachen Wege sorgt sich der Schwarzwaldverein ebenfalls: Am Zeller Blauen verläuft genau auf dem Höhenzug ein ausgewiesener Wanderweg, der sogenannte Grenzweg. Auch die Zufahrt zu den Windpark-Baustellen und später einmal zu den Anlagen ist auf dem Höhenzug geplant. "Die Wanderer schätzen unsere Premium-Wanderwege", erklärte Peter Wehrle, der Verein setze auf bequeme, gut beschilderte und beinahe ausschließlich für Fußgänger nutzbare Wege. "Aber wenn da eine halbe Autobahn durch den Wald führt, will dort keiner mehr wandern."

Als letztes Mittel will der Verein vor Gericht ziehen

Der Schwarzwaldverein mit seinen rund 60.000 Mitgliedern und 220 Ortsgruppen habe sich aus diesen Gründen entschieden, sich gegen die Windpark-Pläne zur Wehr zu setzen. Wehrle und der Schwarzwaldverein sprechen ganz explizit nicht nur den von der EWS Energie GmbH aus Schönau geplanten Park am Zeller Blauen an, es geht ebenso um den geplanten Windpark zwischen oberem Kandertal und Kleinem Wiesental auf dem Rücken von Wasen und Hohe Stückbäume. Hier projektiert die Windkraft Schonach GmbH einen Windpark mit bis zu fünf Anlagen zwischen Wies, Malsburg-Marzell, Sallneck und Endenburg.

Der Schwarzwaldverein will sich nun in den weiteren Verfahren aktiv einschalten. Bereits beim sogenannten Scoping-Termin am Landratsamt vor einigen Tagen war der Verein präsent und durfte als Träger öffentlicher Belange auch seine Position vorstellen. Nun sei es an der Zeit, sich darüber hinaus Gehör zu verschaffen. "Wir hoffen, dass wir als Organisation ein gewisses Gewicht haben", sagt Peter Wehrle. Zur Not möchte der Schwarzwaldverein auch den juristischen Weg nicht ausschließen.

Karlheinz Abt, Naturschutzwart im Bezirk Markgräflerland, erklärte, dass zumindest der Höhenzug am Wasen im Landschaftsschutzgebiet Hochblauen liege. Dies sei vor allem deshalb wichtig, weil im Mittleren Schwarzwald gerade eine Klage läuft: Bei Oppenau im Renchtal sollte durch einen Investor eine Windkraftanlage in einem solchen Landschaftsschutzgebiet errichtet werden, was vom Landratsamt Ortenaukreis mit Verweis auf dieses Landschaftsschutzgebiet zwar nicht genehmigt, vom Regierungspräsidium dann aber doch durchgewunken worden sei. Dagegen klagt der Schwarzwaldverein zurzeit, das Verfahren läuft. "Wir hoffen, dass wir uns da durchsetzen und einen Präzedenzfall schaffen", erklärte Peter Lutz.

Mit dem Argument Landschaftsschutzgebiet ließe sich, so Karlheinz Abt, zumindest am Wasen etwas gegen die Pläne ausrichten. "Auch am Zeller Blauen würde ich nicht ausschließen, dass wir wegen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes klagen können", so Abt. "Denn auch hier wird ohne Not ein ganzer Höhenzug mit Industrieanlagen vollgebastelt." Peter Wehrle betonte indes, dass der Schwarzwaldverein nicht grundsätzlich gegen den Bau von Windkraftanlagen sei. "Wir stehen zur Energiewende. Aber Windkraft soll dort genutzt werden, wo es Sinn macht. Hier im Schwarzwald ist es irgendwann auch mal genug."