Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. Januar 2014 21:31 Uhr

Rothaus-Arena

Harte Debatte ums Stadion – Gutachter im Kreuzverhör

Ist der Wolfswinkel am Freiburger Flugplatz der ideale Standort für ein neues Fußballstadion? Darüber wurde heftig gerungen - auch bei der Bürgerversammlung in der Rothaus-Arena.

  1. Christian Streich, Cheftrainer der Freiburger Bundesligamannschaft, verfolgt die Debatte – und kann dabei sogar lachen. Foto: Michael Bamberger

  2. Bürgerversammlung in der Rothaus-Arena der Messe Freiburg: In der ersten Reihe von rechts: Messechef Klaus Seilnacht, SC-Geschäftsführer Oliver Leki, SC-Vorsitzender Fritz Keller, Baubürgermeister Martin Haag und ErsterBürgermeister Otto Neideck. Foto: Michael Bamberger

  3. Bürgerversammlung in der Rothaus-Arena der Messe Freiburg. Foto: Michael Bamberger

  4. Bürgerversammlung in der Rothaus-Arena der Messe Freiburg. Foto: Michael Bamberger

  5. Bürgerversammlung in der Rothaus-Arena der Messe Freiburg. Foto: Michael Bamberger

  6. Bürgerversammlung in der Rothaus-Arena der Messe Freiburg. Foto: Michael Bamberger

  7. Bürgerversammlung in der Rothaus-Arena der Messe Freiburg. Foto: Michael Bamberger

  8. Bürgerversammlung in der Rothaus-Arena der Messe Freiburg: Keller, Leki, Salomon. Foto: Michael Bamberger

  9. Bürgerversammlung in der Rothaus-Arena der Messe Freiburg. Foto: Michael Bamberger

  10. Bürgerversammlung in der Rothaus-Arena der Messe Freiburg. Foto: Michael Bamberger

Die Bürger meldeten schon im ersten Teil der Veranstaltung Zweifel an den Ergebnissen der Sachverständigen zu Flugbetrieb und Sicherheit an. Im Lauf des Abends wurde klar: So eindeutig wie es in den Gutachten schien, wollten sich die Experten auf dem Podium nicht festlegen.

Die Rothaus-Arena ist gut gefüllt, trotzdem waren weniger Interessierte gekommen als bei der ersten Bürgerversammlung zum Stadion im Juni des vergangenen Jahres. Dem Applaus nach zu urteilen, waren die SC-Fans dieses Mal stärker vertreten. Die Stadionstandortgegner hatten aber dennoch die Oberhand im Saal.

"Den idealen Standort gibt es nicht – aber es gibt einen, der am besten geeignet ist und den haben wir gefunden", sagte eingangs Oberbürgermeister Dieter Salomon (viele weitere Zitate von der Veranstaltung finden Sie hier). Baubürgermeister Martin Haag verteidigte das in die Kritik gekommene Dialogverfahren, das er als transparent bezeichnete: "Wir haben zugehört und wir haben viel gelernt." SC-Präsident Fritz Keller bekräftigte noch einmal die Notwendigkeit einer neuen Arena – ohne die es den SC in wenigen Jahren nicht mehr geben würde.

Werbung


"Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Flugzeug während eines Spiels auf das Stadion stürzen könnte, liegt bei 1 zu 390.000.000." Herbert Lehner
Im ersten Teil ging es um Flugbetrieb und Flugsicherheit – und darum, ob mit einem Stadion auf dem Flugplatz neben dem Motorflug auch Segelflug und Fallschirmsport noch möglich sein werden (Infos in unserer interaktiven Grafik). Neu war die Ankündigung des Ersten Bürgermeisters Otto Neideck, wonach eine weitere Variante geprüft wird: Danach müsste das Stadion um 18 Meter Richtung Nordwesten zum Wolfsbuck und zum Stadtteil Mooswald hin verschoben werden. Das könnte Platz für eine Start- und Landebahn für die Segelflieger schaffen, so Neideck. Der Bürgermeister gab auf Nachfrage dem Flugplatz eine Bestandsgarantie bis mindestens zum Jahr 2034.

Ein gleichzeitiger Betrieb von Stadion und Flugplatz sei möglich, erklärte Experte Herbert Lehner. "Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Flugzeug während eines Spiels auf das Stadion stürzen könnte, liegt bei 1 zu 390.000.000. Da ist ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl wahrscheinlicher."

Gutachter im Kreuzverhör

In der Folge nahmen die Bürgerinnen und Bürger die drei anwesenden Gutachter zur Flugsicherheit sozusagen ins Kreuzverhör. Stark angezweifelt wurde im Publikum, dass das flugmeteorologische Gutachten des Deutschen Wetterdienstes mit der bestmöglichen Messgenauigkeit erfolgt ist. Diese Frage blieb offen. Karl-Heinz Krawczyk, Vorsitzender der Bürgerinitiative Pro Flugplatz, hatte nach möglichen Einschränkungen für die Organflüge gefragt. Zu einem klaren "Nein" wollte sich Gutachter Lehner nicht durchringen. Er betonte aber, dass die Organtransporte im Moment mit großen Jet-Maschinen erfolgten, die am Anfang der Landebahn aufsetzen und damit durch mögliche Luftverwirbelungen im Bereich Wolfsbuck und Stadion nicht betroffen seien.

Einen der heikelsten Punkte, hatten sich die Veranstalter des Diskussionsabends für den dritten Teil vorbehalten: Verkehr und Lärm. Vor allem letzterer Punkt trieb den Puls einiger Zuhörer zu später Stunde noch gehörig nach oben. Kristian Raue von der BI Pro Wolfswinkel führte an, dass die gefühlte Lautstärke um ein mehrfaches höher liege, als die ermittelten Werte des Experten – und griff das Lärmgutachten harsch an.

Sein Vorwurf: Es sei ein juristischer Kniff, bei der Untersuchung von einem allgemeinen und nicht von einem reinen Wohngebiet ausgegangen zu sein. Nur so seien Werte herausgekommen, die im rechtlichen Rahmen lägen. Auch handle es sich bei Europa-League-Spielen mitnichten um Veranstaltungen von herausragender Bedeutung, die unter eine Ausnahmeregelung fielen. "Die Gerichte sind da sehr restriktiv und ein SC-Stadion im Wolfswinkel daher nicht genehmigungsfähig." Als Raue anfing, juristische Abhandlungen vom Papier runterzurattern, wurde es unruhig im Publikum. Folgen konnte ihm an diesen Punkt wohl keiner mehr.

Europa-League-Spiele – Ereignisse von herausragender Bedeutung?

Raues Vorwurf, einen juristischen Kniff angewandt zu haben, widersprach Guido Kohnen ruhig aber nachdrücklich. Sein Büro hatte das Lärmgutachten erarbeitet. "Wir haben ein reines Wohngebiet auf der einen und die Uni auf der anderen Seite – und wie so oft im Leben trifft man sich in der Mitte." Hinzu komme dabei auch der Flugplatz und die Bahntrasse. Die Einstufung als allgemeines Wohngebiet sei in "harter Diskussion" mit Stadt und Rechtsexperten erfolgt.

"Am Schluss soll alles gerichtsfest sein." Martin Haag
Auch hielt Kohnen daran fest, dass es sich bei Spielen der Europa-League um Ereignisse von herausragender Bedeutung handle. Auch diesen Punkt hätten Juristen geprüft. "Und sind wir mal ehrlich: Der SC Freiburg ist nicht Bayern München, wo wir jedes Jahr internationale Spiele haben." Raue wiederum forderte Kohnen auf, seine Rechtsgutachten öffentlich zu machen – und erntete dafür Applaus von Seiten des Publikums. Baubürgermeister Martin Haag betonte, die Anmerkungen Raues ernst zu nehmen und alles prüfen zu lassen. "Am Schluss soll alles gerichtsfest sein."

Was die Verkehrsproblematik angeht, konnten die Gutachter an diesem Abend die Furcht der Anwohner vor verstopften Straßen nicht aus der Welt schaffen. Schon jetzt seien bei Großveranstaltungen wie der Plaza Culinaria die Straßen verstopft, betonten mehrere Anwohner.

Applaus auch für Vertreter der Pro-Stadion-Fraktion

Auch ein Vertreter der Pro-Stadion-Fraktion meldete sich an diesem Abend zu Wort: Matthias Günter von der Initiative Stadion in Freiburg versuchte in einer Wortmeldung, die Anwohner des Mooswinkel für den SC und seine Neubaupläne zu gewinnen: "Es wird keine Hooliganströme geben, keine Fans, die in Ihre Vorgärten pinkeln." Es gab Applaus von Befürworter den Stadions im Wolfswinkels.

Gegen 23 Uhr sagt Baubürgermeister zum Abschluss der Veranstaltung zu, die Knackpunkte prüfen zu lassen. "Und dann soll auch über die Kosten geredet werden."

Mehr zum Thema:

Autor: Uwe Mauch, Joachim Röderer, Alexandra Sillgitt