"Dafür braucht es ein Konzept"

anfe

Von anfe

Mo, 05. Oktober 2015

Haus & Garten

BZ-INTERVIEW mit dem Energieberater Harald Schwieder über Einsparmöglichkeiten beim Neubau.

Gut fürs Klima und den Geldbeutel: Jeder, der einen Bau plant, kann von einer unabhängigen, qualifizierten Energieberatung profitieren. Anita Fertl hat den Energieberater Harald Schwieder rund um Einsparpotenziale in Sachen Energie befragt.

BZ: Bei welchen Themen sollten sich Bauherren zwingend an einen Energieberater wenden?
Harald Schwieder: Wenn ein Energiekonzept für einen Neubau erstellt werden soll oder auch nur einzelne Themen betreffend, zum Beispiel die Wärmeversorgung, Solarenergienutzung und vieles mehr. Wir helfen bei Fragen zu gesetzlichen Anforderungen und Fördermöglichkeiten. Weiterhin sind wir Ansprechpartner bei der energetischen Sanierung eines Gebäudes – sowohl, was einzelne Maßnahmen, aber auch die umfassende Sanierung mit allen Unterthemen betrifft.
BZ: Kann das der Bauherr nicht in Eigenleistung machen?
Schwieder: Nein, dafür braucht es ein umfassendes Konzept, das Know-how und Hintergrundwissen eines Energieberaters. Selbst Architekten und Fachplaner in einzelnen Gewerken haben nicht den ganzheitlichen Blick und können das nicht auch noch übernehmen. Heute gibt es so viele Fragen zum Thema Energie, dass es einen eigenen Sachverständigen braucht – spätestens dann, wenn man Förderung beantragt. Es gibt Anforderung vom Bund und eine Liste zugelassener Energieberater, die Qualifikationen aufweisen und sich fortbilden müssen. Nur diese Energieberater dürfen die benötigten Nachweise erstellen.
BZ: Wo liegen die größten Energieeinsparpotenziale beim Neubau?
Schwieder: Beim Passivhausstandard kann gegenüber einem Standardneubau wesentlich Energie eingespart werden durch eine sehr gute Dämmung, die Wärmebrücken ausschließt. Aber auch durch Rückgewinnung der Abluftwärme über die Lüftungsanlage und indem man über optimierte Fenster solare Gewinne erzielt. Dadurch kann der Heizwärme-Energiebedarf so weit minimiert werden, dass auf ein konventionelles Heizungssystem weitgehend verzichtet werden kann.
BZ: Mit welchen kostengünstigen Maßnahmen kann man außerdem sparen?
Schwieder: Bei der Heizungsanlage sollte in jedem Fall ein hydraulischer Abgleich durchgeführt werden – dies ist Pflicht bei KfW-geförderten Gebäuden. Bei oft genutzten Beleuchtungen sollte man möglichst LED-Lampen einsetzen.
BZ: Wie kann man Schimmelbildung vermeiden? Besteht ein Zusammenhang mit der Dämmung?
Schwieder: Im Gegensatz zur landläufigen Meinung vermindert eine vernünftig geplante Dämmung das Risiko von Schimmelbildung. Beim Abdichten des Gebäudes durch das Austauschen von Fenstern oder durch umfassende Dämmung muss allerdings auch ein funktionierendes Lüftungskonzept verwirklicht werden.
BZ: Schon heute gibt es Häuser, die mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen, im März 2015 gab es davon deutschlandweit etwa 200. Ist das die Zukunft?
Schwieder: Die EU-Richtlinie gibt vor, dass wir ab 2021 nur noch Niedrigstenergiegebäude (Nearly-Zero-Energy-Buildings) bauen dürfen. Der Weg ist also vorgezeichnet, dass die Neubauten noch weniger Energie verbrauchen dürfen. 2016 gibt es hierzu eine Verschärfung durch die Energieeinsparverordnung. Die dann noch benötigte Energie – oder sogar mehr – möglichst dezentral durch ein Blockheizkraftwerk zu erzeugen, macht durchaus Sinn. Dazu gibt es verschiedene Konzepte wie beispielsweise Passivhaus Plus oder Premium-Standard, die sich weiterentwickeln und auch immer mehr umgesetzt werden.
BZ: Mit dem Passivhaus lässt sich Energie sparen, es erfordert aber höhere Baukosten. Rentieren sich diese Investitionen langfristig?
Schwieder: Dazu gibt es Berechnungen vom Passivhaus-Institut, die dies belegen. Zu beachten ist auch, dass die Mehrkosten oft überschätzt werden. Beim Passivhaus bewegen sich diese zwischen fünf und 15 Prozent. Der Kosteneinfluss verschiedener Ausbaustandards oder von Angebotspreisschwankungen ist wesentlich größer und kann bis zu 30 Prozent betragen.