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11. Juli 2009

"Regenerativ versorgt"

BZ-Interview mit dem Freiburger Solararchitekten Rolf Disch

  1. Rolf Disch Foto: Privat

  2. Dischs energieeffizientes Vorzeigeprojekt: das Sonnenschiff im Freiburger Stadtteil Vauban zum Wohnen, Arbeiten, Einkaufen Foto: Ingo Schneider, BZ

er Freiburger Architekt Rolf Disch ist international bekannt für seine Solararchitektur und das Plusenergiehaus, das mehr Energie produziert, als die Bewohner verbrauchen. BZ-Redakteurin Manuela Müller sprach mit ihm über die Vereinbarkeit von Hausbau und Umweltschutz.

DBZ: Wie kann man beim Hausbau Energie sparen?
Rolf Disch: Man kann energieaufwändig bauen mit materialintensiven, komplexen Konstruktionen. Oder man wählt einfachere Konstruktionen und nutzt nachwachsende Rohstoffe. Mit Holz etwa kann mit wenig Energie die Hauskonstruktion gefertigt werden.

BZ: Wie ist es möglich, dass mit einem Haus mehr Energie erzeugt werden kann, als verbraucht wird?
Disch: Eigentlich produzieren wir die Energie nicht, sondern wir wandeln um, was uns von der Natur gegeben ist – die Sonnenenergie. Wir haben da manchmal ein Brett vor dem Kopf, weil wir das Potenzial der Sonne nicht erkennen. Die Sonne liefert jährlich 10 000 Mal mehr Energie, als wir auf der Erde an Jahresenergiebedarf haben. Beim Hausbau geht es darum, mit dieser Energie sinnvoll umzugehen.

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BZ: Wie kann ich das mit einem Haus konkret umsetzen?
Disch: Zunächst kann man das über die Hausform. Diese sollte möglichst geschlossen sein und nicht zu sehr zergliedert. Die Oberfläche soll gering gehalten werden, Wärmebrücken und Abkühlungsflächen müssen verringert werden, Fugen vermieden. Das heutige Bauen funktioniert so, dass man luftdicht mit gedämmter Außenhülle, gut isoliertem Glas und einer kontrollierten Wohnungslüftung baut.

BZ: Immer häufiger wird prophezeit, dass wir in Zukunft unsere Räume stärker werden kühlen müssen.
Disch: Wer heute baut, muss sich auf wärmere Sommer einstellen. Ein kleiner Vorgeschmack bot der Jahrhundertsommer 2003. Da sollte ich möglichst schauen, dass ich ein günstiges Raumklima bekomme ohne Klimaanlage. Wenn ich eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung und eine gut gedämmte Außenhülle habe, kann ich Räume kühl halten. Grundsätzlich muss ich aber beim Bau beachten, dass ich die Sonne draußen halte. Wenn die Häuser nach Süden orientiert werden können, kann man mit einem großen Solardach für Verschattungen sorgen. Wenn die Sonne im Winter niedriger steht, kann sie die Räume erwärmen.

BZ: Was versteht man unter Solararchitektur?
Disch: Möglichst kompakt muss ein Bauwerk sein. Weiterhin muss man sich überlegen, wie man mit dem Lauf der Sonne umgeht. Wände und Dächer können so gestellt werden, dass man möglichst viel Sonnenenergie nutzen kann. Es besteht dann die Überlegung, wie man aus dieser Energie Strom erzeugt und Wärme produziert.

BZ: Wie kann man regenerative Energien da sinnvoll einsetzen?
Disch: Das kommt auf das Konzept an, wir haben da eine breite Palette an Möglichkeiten. Eine ist das Brauchwasser, das mit relativ kleinen Flächen thermischer Kollektoren erwärmt wird. Der zweite wichtige Punkt ist die Stromumwandlung: Mit Photovoltaikmodulen wird auf den Dächern oder an der Fassade umweltfreundlicher Strom erzeugt. Dank Einspeisegesetz ist das auch rentabel. Ein Rest an Energie kann mit regenerativen Energien wie Biomasse abgedeckt werden. Das kann Holz sein, aber auch Biogas oder Pflanzenöl, das allerdings oft aufwändig in der Herstellung ist. Für mehrere Wohneinheiten ist es sinnvoll, mit einem wärmegeführten Blockheizkraftwerk Strom und Wärme zu erzeugen, so dass es eine bestmögliche Ausbeute gibt. Das Blockheizkraftwerk könnte mit Biogas betrieben werden. Eine Wärmepumpe macht aus ökologischen Gesichtspunkten Sinn, wenn die Jahresarbeitszahl über vier liegt und der Strom zu 100 Prozent regenerativ erzeugt wird.

BZ: Welche Aspekte verhelfen mir beim Hausbau noch zum sparsamen Umgang mit den Ressourcen?
Disch: Das Sparen mit dem Haushaltsstrom. Wenn man sich entscheiden würde, konsequent die energieeffizientesten Geräte im Haus zu haben, kann man die Stromkosten um 50 Prozent senken. Zusätzlich kann man am Stand-by-Betrieb sparen, oder durch energieeffiziente Beleuchtung. Außerdem kommt noch die Mobilität dazu. Wir können beispielsweise schon mit der Siedlungsplanung den Umstieg vom Auto auf Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel erleichtern.