Strom von Balkon oder Terrasse

dpa

Von dpa

Mo, 19. Februar 2018

Haus & Garten

Fragen und Antworten rund um sogenannte Mini-Solarmodule, die nun auch in Deutschland erlaubt sind.

Wo im Sommer die Sonne das Gesicht bräunt, lässt sich auch Strom produzieren: Für Balkone und Terrassen gibt es günstige Mini-Solaranlagen, die Sonnenenergie einfangen. Lange waren diese in Deutschland nicht erlaubt, das hat sich aber inzwischen geändert.

Was ist eine Mini-Solaranlage?
Das sind steckbare Solaranlagen, die sich leicht auf- und abbauen lassen. Sie eignen sich dadurch für den Einsatz auf Balkon und Terrasse – und sind ideal für Mieter. Die Anlagen lassen sich bei einem Umzug auch einfach mitnehmen.

Wie funktioniert die Solaranlage auf dem Balkon?
Die Module werden mit einem Wechselrichter verkauft. "Im Solarmodul wird die Sonnenenergie in Gleichstrom umgewandelt", erklärt Marcus Vietzke von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS). Der Gleichstrom wird wiederum im Wechselrichter zu Wechselstrom, der in das Wohnungs- oder Hausnetz eingespeist wird. Die Geräte in diesem Netz benutzen vorrangig den Sonnenstrom, danach erst den Netzstrom. Somit lassen sich Stromkosten sparen.

Wie viel Strom erzeugen diese Solaranlagen?
Eine typische Anlage besteht aus ein bis zwei Modulen. Die kleinsten Vertreter haben eine Leistung von circa 150 Watt, die größten von 600 Watt. "Mit 600 Watt lassen sich in Süddeutschland bis zu 660 Kilowattstunden pro Jahr erzeugen. Dies entspricht 20 Prozent des Stromverbrauchs des deutschen Durchschnittshaushalts", sagt DGS-Experte Marcus Vietzke. In weitgehend energieoptimierten Haushalten sind Mini-Solarkraftwerke damit eine effiziente Möglichkeit, den Strombezug spürbar zu senken. "Schon bei einem 150-Watt-Modell lassen sich auf Südbalkonen rund fünf Prozent an Einsparung erzielen", schätzt Michael Friedrich, Pressesprecher von Greenpeace Energy in Hamburg.

In welchen Zeiträumen amortisiert sich so eine Anlage?
Vietzke macht eine Beispielrechnung auf: Eine steckbare Solaranlage mit 270 Watt inklusive Zubehör und Lieferung gebe es bei seriösen Händlern für rund 470 Euro. Im besten Fall produziert das Gerät jährlich 300 Kilowattstunden Strom für je 7 Cent und vermeidet den Bezug von Netzstrom für 29 Cent pro Kilowattstunde. Das kann bei aktuellen Strompreisen 87 Euro pro Jahr Ersparnis bedeuten. Das Gerät würde sich auf Basis dieser Rechnung nach fünf Jahren amortisiert haben. Wenn sich die Strompreisentwicklung der vergangenen 25 Jahre fortsetzt, mache das 2326 Euro Gewinn. Dies entspricht einem effektiven Jahreszins von 6,6 Prozent.

Wo lässt sich die steckbare Solaranlage anschließen?
Im Prinzip lasst sich das Gerät an eine Steckdose hängen, und gemäß der Norm DIN VDE 0100-551-1, die voraussichtlich im kommenden Jahr in Kraft tritt, darf es in jeden Stromkreis angeschlossen werden. Für einen normgerechten Anschluss muss dieser Stromkreis aber eine spezielle Einspeisesteckdose aufweisen, die mit der maximalen Anschlussleistung gekennzeichnet ist. "Hersteller können aber auch Geräte anbieten, die an vorhandene Steckdosen angeschlossen werden", sagt Vietzke.

Welche Voraussetzungen sind nötig?
"Es ist verboten, Zähler rückwärts laufen zu lassen", betont Alexander Nollau vom Verband Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE). Das würde aber passieren, wenn mehr Energie eingespeist als verbraucht wird. "Deshalb ist man rechtlich auf der sicheren Seite, wenn der Zähler eine Rücklaufsperre hat." Ist diese nicht vorhanden, sollte der Zähler vom Messstellenbetreiber getauscht werden. In den meisten Fällen ist dies der Netzbetreiber.

Gibt es technische Risiken beim Einspeisen ins öffentliche Stromnetz?
Die kleinen Anlagen sind so dimensioniert, dass kaum Strom in das öffentliche Netz gelangt, sondern im Haus verbraucht wird. "Für einzelne Fälle wäre das Einspeisen sicher unproblematisch", sagt Nollau. Es gibt in Deutschland aber mehr als 700 Netzbetreiber, und man bekommt bisher unterschiedliche Auskünfte von ihnen: Das Spektrum reicht vom kostenlosen Zähleraustausch bis zur Behauptung, die Geräte seien illegal und gefährlich. "Einige Netzbetreiber argumentieren, dass Risiken bestehen, wenn Hunderttausende Kunden gleichzeitig Strom in die Netze geben", berichtet VDE-Vertreter Nollau.

Besteht Brandgefahr oder Gefahr durch Überspannungsschäden?
Nein, betont Vietzke. Der Experte bezieht sich auf Untersuchungen, nach denen mit 600 Watt aus zwei Solarmodulen nicht genug Energie zugeführt wird, um eine fehlerfreie Elektroinstallation zu überlasten. Dies zeigen auch Erfahrungen mit rund 250 000 steckbaren Solargeräten in anderen europäischen Ländern.