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18. Oktober 2016

Jubiläum mit außerirdischer Musik

Das Verbandsblasorchester führte sein Publikum unter tosendem Applaus musikalisch durch Träume, Sieg und Tod bis ins Paradies.

  1. Blicken stolz auf „ihr“ grandioses Orchester - die prägenden Dirigenten Helmut Hubov, Hans-Peter Blaser und Bernhard Volk (von links). Foto: Model

  2. Foto: Sabine Model

HEITERSHEIM. Musik ist ein schillernder Spiegel des Lebens. Die ambitionierten Musikerinnen und Musiker des Sinfonischen Verbandsblasorchesters Markgräflerland (VBO) belegten das in ihrem Jubiläumskonzert in der Malteserhalle eindrucksvoll. 25 Jahre feilten sie an Präzision und Perfektion. Während die Instrumentalisten wechselten, prägten drei Dirigenten die Entwicklung maßgeblich. Helmut Hubov, Hans-Peter Blaser und Bernhard Volk ließen deshalb das Orchester bei ausgewählten Stücken über sich hinauswachsen.

Überbordender Jubiläumsjubel durchflutete das furiose Eröffnungsstück "Joyride", in dem der 12-jährige Komponist Michael Markowski die "Ode an die Freude" von Beethoven mit modernen Elementen von John Adams mischte. Kraftvoll, lebhaft und originell standen Tradition und Zeitgeist im Einklang. Sinnbild für die Philosophie des Orchesters, das seit 13 Jahren unter der erfolgreichen Leitung des renommierten Dirigenten Helmut Hubov steht. Doch auch traurige Momente gab es im Laufe der Zeit. "Gone" war da genau das richtige Stück, um dieser zu gedenken. Scott McAllister komponierte es, nachdem ein Autounfall 1994 seine Klarinettisten-Karriere abrupt beendete. Die meditative, andächtige Musik ließ den Schmerz des Verlustes erahnen, ermutigte aber durch sanfte, sukzessive Einbindung aller Register, sich auf den Prozess des Heilens einzulassen. Immer höher hinaus strebt nicht nur das VBO, sondern auch der Mensch mit seinem Traum vom Fliegen. Mit der Fanfare und Ouvertüre "To walk with wings" von Julie Giroux schwangen sich die Musiker leicht schwebend in die Luft, nahmen dann aber mit Pauken und Trompeten Fahrt auf, um ins All durchzustarten, sämtliche Kräfte und Facetten mobilisierend.

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Für ihre Unabhängigkeit kämpften serbische Soldaten gegen türkische Truppen. Den Kriegsverlauf bis zum Sieg vertonte Peter Tschaikowsky 1876 aus Sympathie zu den Serben im "Slawischen Marsch". Im mäßigen Tempo verinnerlicht der Trauermarsch vier slawische Volkslieder und als Zeichen der Verbundenheit mit Russland die Zarenhymne. Hans-Peter Basler, VBO-Dirigent von 1997 bis 2003, hatte den Weg vom Thuner See auf sich genommen und eine eigene Bearbeitung des Werkes einstudiert. Mit seinem zweiten Stück wählte Basler eine Programmmusik, die einen Abriss von Glanzzeiten und Tiefpunkten in der 200-jährigen Geschichte Valencias dokumentiert. Das sinfonische Gedicht "Luces y Sombras" widmet sich kontrastreich dem Wechsel von "Licht und Schatten" mit leuchtenden Querflöten-Effekten, quirligen und festlichen Phasen sowie mitreißenden Wirbelstürmen der Schlagzeuger bis zuletzt.

Für seinen Auftritt hatte sich Gründungsdirigent Bernhard Volk "The Divine Comedy" von Robert W. Smith ausgesucht. Der Direktor zahlreicher Musical-Produktionen inszenierte die viersätzige Sinfonie mit einer unvergleichlichen Höllen-Vision. Basierend auf dem Dante-Epos "Die göttliche Komödie", führen enorme Crescendi, heftige Perkussion und sich türmende Klangblöcke die Zuhörer ins Inferno. Wütende, wiederkehrende Figuren und Rhythmen der Flöten, Klarinetten und Saxophone jagen Schrecken ein. Ketten rasseln. Eine Peitsche knallt. Die Akteure mimen stampfende Schritte. Leidvolles Stöhnen. Mit einem gewaltigen Erdbeben kündigt sich das Fegefeuer an. Donnergrollen. Es erheben sich Gesänge "Gloria in Excelsis Deo". Sopran-Saxophon-Soli erklingen bis der schleppende Seelengang verblasst. Schnelle Hornmotive und Posaunen-Glissandi begleiten die Himmelfahrt. Trompetensoli und dramatische Dynamik zeichnen den Weg. Dann das Paradies. Voller Emotionen, Melodien, Harmonien. Immer wieder wird das erlösende "Ah" und ein "Halleluja", vom Chor der Musiker angestimmt. Ein akzentuiertes Pauken-Solo mit anhaltendem Ton rollt ins triumphierende Licht. Erleichterung bei Spielern und Publikum. Die Ausnahmeleistung wird mit stehenden Ovationen honoriert.

Die Zugabe "Viva el Litro" von Mertens im rasanten Bigband-Sound ließ die Register nochmals mit diversen virtuosen Strukturen arabischen Ursprungs brillieren. Frenetischer Beifall folgte und umfassender Dank an alle, die dieses einzigartige Hörerlebnis ermöglichten.

Autor: Sabine Model