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13. April 2010

Ziel: Den Traubenwickler verwirren

Die jungen Ökowinzer und Winzerinnen in Ballrechten-Dottingen haben Pheromonfallen im Weinberg ausgebracht.

  1. Nicht zu fest und nicht zu locker - die Pheromon-Schläuche müssen fachmännisch um das Rebholz geschlungen werden. Ökowinzer Matthias Seywald macht es vor. Foto: Sabine Model

BALLRECHTEN-DOTTINGEN. Das Projekt "Ein Jahr im Ökoweinberg" bescherte den neugierigen acht- bis 13-jährigen Juniorwinzerinnen und -winzern in Ballrechten-Dottingen den zweiten Aktionstag in den Reben. Nach dem Rebschnitt schwärmten sie diesmal aus, um unter dem Motto "Hilfe, wo bin ich?" die Männchen des gefräßigen Traubenwicklers zu verwirren.

Auch diesmal gab es viel zu lernen. Denn darauf ist das Programm angelegt, mit dem das Umweltministerium Baden-Württemberg solche Aktivitäten zum kommunalen Umweltschutz und zur Lokalen Agenda 21 fördert. Mit Leben erfüllen das Projekt zwei erfahrene Ökowinzer. Während Klaus Benz die Veranstaltung organisierte, erläuterte Matthias Seywald den Jugendlichen die Wirkungsweise des ökologischen Verfahrens.

Alljährlich Donnerstags um diese Zeit ist in Ballrechten-Dottingen die Pheromon-Aktion aller Winzer der Gemarkung angesetzt. Zu bewältigen sind 200 Hektar Reben, die in 15 Blöcke mit je einem Gruppenleiter gegliedert werden. In anderen Gemeinden sind andere Wochentage dafür reserviert, um Winzern, die auf verschiedenen Gemarkungen Reben haben, auch dort die Teilnahme zu ermöglichen. Auf diese Weise überziehen die Weinbauern binnen weniger Tage die Markgräfler Rebfläche lückenlos mit einer für Menschen nicht wahrnehmbaren Wirkstoffwolke, die Schäden durch den Traubenwickler verhindern soll.

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Ausgebracht werden Pheromone. Diesen Duftstoff strömen die Weibchen aus, um Männchen anzulocken. Überzieht man den Rebberg mit künstlichen Pheromonen, sind die Männchen orientierungslos, die Paarung wird verhindert, und es werden keine Eier abgelegt.

Aus jedem Ei würde sonst nämlich um die Zeit der Heuernte eine kleine Schmetterlingsraupe schlüpfen, die in der ersten Generation als "Heuwurm" bezeichnet wird, und an den kleinen grünen Fruchtansätzen der Rebblüte knabbert. Das kann den Ertrag erheblich mindern. Die zweite Generation des Traubenwicklers schlüpft dann, wenn die Trauben erbsengroß und noch grün sind. Der so genannte "Sauerwurm" knabbert die Früchte an und verursacht damit Fäulnis. Das schadet der Qualität. In manchen Jahren gibt es sogar noch eine dritte Generation, die als "Süßwurm" den gleichen Schaden an den reifen Trauben anrichtet.

Um diese Entwicklungskette gar nicht in Gang kommen zu lassen, versuchen die Winzer, gleich das Entstehen einer ersten Generation zu verhindern. Der Zeitpunkt für die Pheromon-Falle wird deshalb exakt berechnet. Der Weinbauberater addiert ab Jahresbeginn täglich die erreichten Plusgrade. Liegt die Summe bei 800 bis 900 Grad, alarmiert er die Winzer. Das Pheromon muss verteilt werden, denn bei addierten 1000 Grad fliegen die ersten Traubenwickler-Motten los, die als Puppen unter der Borke der Rebstöcke überwintert haben.

Wegen der Osterferien waren die Juniorwinzer zwar nicht ganz vollzählig, dafür aber engagiert bei der Sache. "Sahen die Pheromon-Behälter nicht mal anders aus?" bemerkte ein Mädchen angesichts der dünnen braunroten Röhrchen, die in einer Schlaufe um das Rebholz geschlungen werden sollten. Matthias Seywald bestätigte, dass der Wirkstoff bis vor zwei Jahren in Plastik- Ampullen abgefüllt war. Die erhitzten sich aber so stark, dass das Pheromon zu schnell verdampfte. In den Spaghetti-Röhren halte er sich länger und gebe damit bis August Sicherheit vor dem Traubenwickler. Allerdings dürfen die Röhrchen nicht auf den Drähten hin und her rutschen, sondern müssen am Rebholz fixiert werden. Bei jeder dritten Rebzeile muss an jedem Pfahl ein Röhrchen angebracht werden. Die Abstände dürfen nicht zu groß sein.

Also machten sich die Kids mit den Pheromon-Spaghettis in Tüten und Taschen auf den Weg durch die Rebreihen. Auf dem 14,5 Hektar großen Gelände kam der eine oder andere schon mal durcheinander mit dem Zählen. Auch wenn das Traubenwickler-Verwirrspiel den Winzer viel Geld kostet – 180 Euro pro Hektar – blieb Matthias Seywald gelassen: "Lieber eine Reihe zu viel als eine zu wenig bedienen", meinte er.

Autor: Sabine Model