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15. Mai 2012

"Alle hatten ihren Spaß"

Erstmals fand in Herbolzheim eine Koffer- und Fundsachenversteigerung der Lufthansa statt.

  1. Großer Andrang herrschte bei der Kofferauktion am Samstag in Herbolzheim. Foto: Thilo Bergmann

HERBOLZHEIM. Am Samstag versteigerte Martin Clesle vom Auktionshaus Clesle nicht abgeholte Koffer und Fundsachen der Lufthansa AG Frankfurt in der Breisgauhalle Herbolzheim. 385 Positionen, rund 230 Bieter und insgesamt 500 Gäste: Ein Heimspiel für den 51-jährigen Auktionator aus Herbolzheim.

Das Interesse ist groß, und ehe um zwölf Uhr die Auktion beginnt, lässt Clesle einen eigens komponierten Werbesong spielen, der auch als Spot im Radio lief. Die Positionen dürfen zwei Stunden lang begutachtet werden, elektronische Geräte sind auf Werkseinstellung zurückgesetzt und der Inhalt der Koffer dem Auktionshaus unbekannt – allerdings ungefährlich und legal, was durch Zoll und Lufthansa-Mitarbeiter garantiert wird.

Dann kann es losgehen. Eine kleine Tasche für zehn Euro wird angeboten und Clesle muss ein bisschen fordern, ehe sie für 16 Euro plus etwa 20 Prozent Gebühren mit viel Applaus den Besitzer wechselt. Schon flüssiger aber kein bisschen weniger unterhaltsam geht es bei Position Nummer Drei weiter: Ein rosa Teddybär in Übergröße, von Auktionator Martin Clesle liebevoll "Bärli" genannt, steht zur Versteigerung. Startpreis: 10 Euro. Zunächst hält sich das Interesse in Grenzen. Dann winkt jemand in der Halle mit seiner gelben Bieternummer. Auf der anderen Seite steigt jemand darauf ein und nach wenigen Sekunden heißt es: Zum ersten, zum Zweiten und zum Dritten, verkauft! Wieder 16 Euro und Bärli ist weg. Verschlossene Koffer wechseln für 40 bis über 100 Euro den Besitzer, eine Markentasche gar für 300 Euro.

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Die rund 230 Bieter zeigen reges Interesse, Auktionator Clesle läuft zur Höchstform auf und treibt die Preise nach oben. Manch einer nimmt die Hand mit Bieternummer gar nicht mehr runter, bis das persönliche Preislimit erreicht ist.

Unter den rund 500 Menschen in der Halle sind viele junge Familien. Das Interesse an den Gegenständen ist groß, das Angebot vielfältig: Ein Spielzeug-Lichtschwert, Sonnenschirme, Tablet-Computer, Rollstühle, Krücken und Kinderwagen sind ebenso im Sortiment, wie zahlreiche Koffer und von der Lufthansa gepackte Kisten mit eindeutigem oder unbekanntem Inhalt. Letztere nehmen dann als Überraschungs-, Hut- Schal- oder Bücherkiste an der Versteigerung teil.

Ein Hauch von ebay liegt in der Luft und man spürt förmlich die Freude und das Kalkül der Bieterinnen und Bieter. Für Maher Abdin aus Weisweil ist es ein "großer Spaß", an der Versteigerung teilzunehmen. Der Familienvater hat Spielzeug, Koffer und sogar einen Rollator ersteigert. Ein Freiburger Paar öffnet noch auf dem Parkplatz ihr Überraschungspaket: Shampoo, Spielzeugautos, Sonnenbrille, Kopfhörer und ein Bärenkopf aus Stein kommen zum Vorschein. Das Paar lacht und packt die Sachen zusammen. Auch für Sie standen Neugierde und Spaß an erster Stelle.

Bieter Markus Heinrich aus Ettenheim hat sein ganz eigenes System. Er schaut sich die Koffer im Vorfeld an und versucht dann, auch mit Hilfe des Internets deren Inhalt oder Wert zu bestimmen. Bei der letzten Versteigerung hat er so die komplette Uniform eines US-Soldaten ersteigert, erzählt er.

Nach 385 Positionen und nach über vier Stunden Dauerreden ist Clesle fertig und erst einmal sprachlos. An der Kasse bildet sich eine lange Schlange der restlichen Bieter, manche fahren ihre Koffer in Kinderwagen davon. Clesle ist zufrieden: "Alle hatten ihren Spaß, Herbolzheim war ein sehr gutes Publikum."

Autor: Thilo Bergmann