Mit dem Motorrad zum Gottesdienst – danach zur Wehr

Annika Sindlinger

Von Annika Sindlinger

Mi, 12. September 2018

Herbolzheim

Zum dritten Mal begann der Tag der offenen Tür der Wagenstadter Feuerwehr mit einem besonderen Gottesdienst.

HERBOLZHEIM-WAGENSTADT. Der Weg zum Dorfplatz in Wagenstadt ist am Sonntagmorgen links und rechts von Motorrädern gesäumt. Biker stehen um die Maschinen herum und fachsimpeln. Sie sprechen darüber, ob an ihren Motorrädern alles so funktioniert, wie es soll, und ob sie gut bis Wagenstadt durchgekommen sind. Auf dem Dorfplatz sind Tische und Bänke aufgebaut. Grund für all das ist der ökumenische Motorradgottesdienst, zu dem der Motorradclub Mopedli gemeinsam mit der Wagenstädter Feuerwehrabteilung eingeladen hatte.

Pfarrer Botho Jenne und Diakon Herbert Kausch, beide leidenschaftliche Motorradfahrer, gestalteten den Gottesdienst. Als Thema hatten sie sich passend zum Kontext für "You never know what’s behind the next corner" ("Du weißt nie, was dich hinter der nächsten Kurve erwartet") entschieden. Vor dem Gottesdienst wechselten beide ihre Kleidung: Über Jeans und Motorradclub-Shirts zogen sie ihre liturgischen Gewänder.

"Ganz schnell ist alles anders. Wir als Motorradfahrer kennen das. Hindernisse auf der Straße wie Rollsplit, Kuhfladen oder andere Verkehrsteilnehmer wie Traktoren mit Anhängern können für uns zur Gefahr werden", sagte Jenne. Er erzählt von Vorfällen aus seiner Vergangenheit wie zum Beispiel einem Beinahe-Unfall mit einer Rollerfahrerin.

"Manchmal fehlt nicht viel. Manchmal reicht ein kleiner Augenblick und plötzlich ist alles anders. Ich habe gelernt dankbar zu sein", sagt Jenne. "Leider geht es aber nicht immer so glimpflich ab und man hört immer wieder von Unfällen. Dann muss man die neue Situation schnell annehmen und kämpfen", macht er deutlich. Auch Herbert Kausch erzählt von seinen Erfahrungen als Motorradfahrer. "Es gibt Dinge, die man nicht unter Kontrolle hat. Man muss auch lernen zu verzeihen und sich entschuldigen können, wenn man etwas falsch gemacht hat", sagt Kausch. "Nur so kann man Frieden mit sich und seinen Nächsten finden", betont er.

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von Herbert Kausch (Gitarre), Botho Jenne (Posaune) und Sieglinde Jennes (Cajón). Im Anschluss segnete Kausch die Motorräder der Gottesdienstbesucher. Der Gottesdienst war sehr gut besucht. Neben Motorradfahrern aus der Region waren auch zahlreiche Wagenstädter zu Fuß oder mit dem Fahrrad gekommen.

"Ich finde es schön, dass der Gottesdienst unter freiem Himmel stattgefunden hat. Die Atmosphäre war toll", sagt Monika Greco aus Kappel-Grafenhausen. Sie hatte durch Freunde vom Motorradclub Kappel-Grafenhausen vom Gottesdienst erfahren und war mit ihrem Mann und ihrer französischen Bulldogge "Franziska" im Beiwagen nach Wagenstadt gekommen. "Die beiden Pfarrer haben es super cool gemacht", so Greco. Auch ihre Schwägerin Melitta Denes war gekommen – aber mit dem Auto. "Ich wollte sehen, wie so ein Gottesdienst ist", sagt sie.

Einmal hinters Steuer eines Löschfahrzeuges sitzen

Der Gottesdienst markierte den Auftakt zum Tag der offenen Tür der Feuerwehrabteilung. Brände, Straßenverunreinigungen, Verkehrsunfälle und Personensuchen: Die Feuerwehr hat verschiedene Einsatzbereiche. Wie die Arbeit einer Feuerwehr aussieht, konnten Interessierte am Sonntag erfahren. Rund 400 Besucher genossen den Sonnenschein auf dem Dorfplatz bei buntem Programm und Bewirtung.

Besucher konnten das Gerätehaus der Feuerwehr sowie deren Löschfahrzeug vom Typ LF 16 TS, Baujahr 1984, besichtigen. Dabei konnten sie sich die Technik näher anschauen und sie sich von den Mitgliedern der Feuerwehr erklären lassen. Wer wollte, konnte sich außerdem hinter das Lenkrad des Löschfahrzeugs setzen und ausprobieren, wie sich das anfühlt.

"Für uns ist ein solches Fest jedes Jahr ein großer organisatorischer Aufwand", erklärte Abteilungskommandant Roland Lang. "Wir wollen durch den Tag der offenen Tür die Bevölkerung über unsere Arbeit informieren und Mitglieder werben", sagte er. "Wir suchen immer Mitglieder für die Jugendfeuerwehr und für die Aktiven. Nur bei der Kinderfeuerwehr sind wir gut aufgestellt", so der Abteilungskommandant.

Musikalisch umrahmt wurde der Tag der offenen Tür vom Musikverein Wagenstadt unter der Leitung von Wolfgang Schaudt. Für Kinder gab es eine Spielstation, bei der sie mit einem Wasserstrahl auf ein Haus zielen und kleine Türchen treffen mussten. Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr hatten die Aktion organisiert.

"Wir haben Glück mit dem Wetter und der Dorfplatz neben dem Gerätehaus eignet sich sehr gut für ein Fest im Freien", resümierte Lang. Die Bewirtung übernahmen die 19 Mitglieder der Abteilung sowie deren Angehörige.