Gutes Benehmen lernen

Karin Steinebrunner

Von Karin Steinebrunner

Sa, 25. August 2018

Görwihl

Das Kinderferienprogramm bot erstmals einen Knigge-Kurs an / Vom Besteck bis Händedruck.

GÖRWIHL-SEGETEN. Auch Benimmregeln können spannend sein. Das konnte eine Gruppe von acht Kindern beim Ferienprogrammtermin mit Kniggetrainerin Birgit Brenner im Bürgerhaus in Segeten erleben. Die Kursleiterin wusste so lebendig zu erzählen, dass die Teilnehmer gar nicht merkten, wie lange sie auf ihren Plätzen stillsaßen und einfach nur zuhörten. Geschickt wurden sie aber auch in den Erzählfluss eingebunden, und am Ende durften sie spielerisch alles Gehörte, ob bereits bekannt oder gerade erst gelernt, noch mal selbst formulieren.

Birgit Brenner ging zunächst darauf ein, wer Knigge war, erzählte, dass er vor rund 300 Jahren gelebt hatte, nur 44 Jahre alt wurde und früh seine Eltern verlor. Geprägt durch unerfreuliche Erlebnisse, setzte er sich das Ziel, durch sein eigenes Benehmen die Gunst, die Höflichkeit und den Respekt seines Gegenübers zu erlangen und schrieb Bücher über den Umgang mit Menschen. "Jeder kann noch dazulernen", erklärte Birgit Brenner, die ihre Kurse meist für Erwachsene anbietet.

Mit Feingefühl kitzelte sie die drei wichtigsten Worte aus den Teilnehmern heraus, nämlich "bitte, danke, entschuldigung". Sie verdeutlichte, dass jeder sozusagen mit Knigge den Tag beginnen und beenden sollte, dass uns unser Benehmen mithin in jeder Situation begleitet, angefangen von der Begrüßung. Diese sollte mit einem Lächeln erfolgen, mit Augenkontakt und einem Handschlag, der "weder Waschlappen noch Kneifzange ist", wie sie bildhaft erläuterte.

Sie exerzierte mit allen Teilnehmern diese Art von Begrüßung durch, erwähnte auch die Rangfolge von Begrüßungen bei unterschiedlichen Alters- und Geschlechteraufteilungen. Ganz klar plädierte Birgit Brenner dafür, überall zu grüßen, ob auf der Straße, beim Einkauf oder im Fahrstuhl.

Die Serviette gehört auf den Schoß

Als Nächstes ging es an die Tischmanieren. "Auf den Tisch gehören nur Fingerspitzen bis Unterarm", meinte die Trainerin kategorisch. Das richtige Sitzen demonstrierte sie mit den Abständen zum Tisch und zur Stuhllehne anhand von zwei Stofftieren, vorne die Katze, hinten die Maus. Die Serviette gehöre auf den Schoß, machte sie deutlich, und zwar so gefaltet, dass die offene Seite zum Körper zeigt, um sie jederzeit zum Abwischen geöffnet zum Mund führen zu können und dann sauber wieder zurück.

Lege man beim Essen eine Pause ein, so platziere man sie rechts, wenn man mit dem Essen fertig ist, kommt sie auf die linke Seite. Auch die richtige Haltung des Bestecks und dessen Bedeutung bei unterschiedlichen Ablageformen erklärte Birgit Brenner. Formt man Messer und Gabel zum Dach, so will man eine Pause machen, überkreuzt sich das Besteck auf dem Teller, so ist das für ausgebildetes Personal ein Zeichen, dass man gerne einen Nachschlag hätte, und legt man beide Besteckteile auf "20 nach Vier", dann ist man mit dem Essen fertig.

Ungläubiges Staunen erweckte die Regel, dass man alles, was größer ist als eine Wachtel, nicht mit den Händen essen darf, also auch keine Pizza und kein Hähnchen. Allerdings gelte da in der heutigen Zeit, dass sich die Essenshaltung an Anlass und Umgebung anpassen dürfe, werde man allerdings im Rahmen eines Bewerbungsgesprächs von der Firma in ein Restaurant eingeladen, dann sollte man sich tunlichst an die Regeln halten und im Zweifelsfall sogar einen Hamburger mit Messer und Gabel essen.

Zum Schluss kamen Ausnahmen zur Sprache, wie etwa Schalentiere oder Artischocken, die mit den Fingern gegessen werden, Fisch, für den es ein spezielles Fischmesser gibt, oder Spaghetti, die zumindest der Italiener nur mit der Gabel in kleinen Mengen am Tellerrand aufdreht.