Kunst in der Pfarrkirche St. Zeno

Karin Stöckl-Steinebrunner

Von Karin Stöckl-Steinebrunner

Fr, 31. August 2018

Herrischried

Ping Qui erläutert den Besuchern in Herrischried ihre Installation "Fliegen".

HERRISCHRIED (kss). Einen Abstecher nach Herrischried machte der Görwihler Kultursommer, zunächst mit der Präsentation der beiden Knochenkerzen der chinesischen Künstlerin Ping Qui in der Kapelle in Niedergebisbach, begleitet von Celloklängen Dilshod Nazarovs. Nach dem Spaziergang zur Herrischrieder Pfarrkirche St. Zeno erläuterte Ping Qui dort ihre Installation "Fliegen", und Altistin Gabriele Grund sang, begleitet an der Orgel von Thomas Urban, "Lieder im sakralen Raum".

Sie habe sich mit Pfarrer Bernhard Stahlberger alle Kirchen und Kapellen der Seelsorgeeinheit angeschaut und war begeistert von den vielen Räumen, erklärte die in China geborene und inzwischen in Berlin lebende Künstlerin. Ganz besonders angesprochen fühlte sie sich von einer Statue in der Herrischrieder Kirche, die ihre Hand mit gespreizten Fingern in Richtung der Gläubigen ausstreckt, so als wolle sie diese mit den Fingern zu sich heranziehen und in die Geborgenheit der zur Schale geöffneten Hand aufnehmen. Ping Qui nahm das Motiv der Hand auf, indem sie Paare von jeweils wie Flügel sich einerseits berührende und zugleich sich öffnende Hände formte. Die Anziehungskraft der Statuenhand verdeutlichte sie durch von den Handpaaren zu deren Hand gespannte Fäden. Damit, so die Künstlerin, verbinde sich zugleich die alte Kunst mit der aktuellen und darüber hinaus in Gestalt der Fäden die religiöse Ebene mit der des Alltäglichen.

Altistin Gabriele Grund, die am Vortag bereits als Querflötistin aufgetreten war und am Vormittag in einem Matinéekonzert für die Gäste des Oase-Mittagstischs in Görwihl Lieder zum "Gerne Wiederhören" gesungen hatte, bot ein zweiteiliges Konzertprogramm. Im ersten Teil interpretierte sie vornehmlich Ave-Maria-Vertonungen, in denen ihre ausdrucksstarke, tiefgründige Altstimme in sanften Legatobögen über der Orgelbegleitung schwebte und wohlige Wärme verbreitete.

In der zweiten Programmhälfte konnte Gabriele Grund die überaus charakteristische Färbung ihrer Altstimme noch deutlicher einsetzen, um Dramatik und Gefühlsausdruck der Kompositionen zur Geltung zu bringen. Zunächst erklangen sieben des zehn Lieder umfassenden Zyklus der "Biblischen Lieder" von Antonín Dvorák. Diesen Liedern schlossen sich Hugo Wolfs "Auf ein altes Bild" sowie Gustav Mahlers "Um Mitternacht" an.

Wolfs Komposition, eigentlich ein Klavierlied nach einem Text von Eduard Mörike, thematisiert die Abbildung des spielenden Jesuskindes auf dem Schoß seiner Mutter, aber im Wald grünt schon der Stamm des Kreuzes. Diese ambivalente Stimmung bringt das Lied meisterlich zum Ausdruck.