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11. August 2012

Hier pumpt das Herz des Strandbads: Viel Technik für bestes Wasser

Der Keller unter den Becken steckt voller Pumpen, Rohre, Filter, Steuerungen – und Schwimmer.

Draußen ist die Luft noch frisch, im Becken hat’s schon fast 24 Grad. Das kommt nicht von ungefähr, sondern vom Keller des Strandbads: Der steckt nämlich voller Technik: Pumpen, Rohre, Filter, Steuerungen und – natürlich – Schwimmer.

In den Katakomben zwischen den Schwimmbecken steckt die Technik des Bads: "Das ist das Herzstück", sagt Michael Lorenz. Der Betriebsleiter steht neben quietschgelben Schaltkästen, die das Ganze regeln, jede Pumpe, die zum Umwälzen gebraucht wird. Zwei große schaffen die 2000 Kubikmeter Wasser des Schwimmerbeckens in viereinhalb Stunden einmal rum. "Das läuft fünfzig-fünfzig", sagt Lorenz. Die Hälfte des Wassers schwappt über die Beckenrandrinnen, die andere durch die Bodenabläufe.

Doch bevor es in die "Technik" gelangt, wie das Strandbad-Team den rund 1000 Quadratmeter großen Bereich schlicht nennt, sind die Haarsiebe vor. In denen bleiben Blätter, Haare, Pflaster und auch schon mal eine Halskette hängen. Geld? "War auch mal drin", sagt Lorenz, "das Größte war ein 10-Euro-Schein."

Das Nichtschwimmerbecken halten acht kleine Pumpen am Laufen. Bei schlechtem Wetter kann Lorenz auch mal welche abschalten, um Strom zu sparen. Das Schwimmerbecken ist kontinuierlich in Betrieb, weil’s beheizt ist: "Da schwimmen die Leute immer." Auf der Anzeige am Schaltkasten steht, dass sie ihre Bahnen oben grade durch etwa 24 Grad warmes Wasser ziehen. Geheizt wird es von der Sonne auf dem Dach der Badgebäude, die Gasheizung wird nur an Regentagen benötigt – heute nicht.

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Beim Wasser sitzt das Strandbad direkt an der Quelle: Das liefert der eigene Brunnen, ebenfalls im Keller, was mehr als praktisch ist. "Bei der Menge, die wir verbrauchen", meint Lorenz. Je nach Besucherzahl sind das 20 000 bis 30 000 Kubikmeter im Jahr. In Waschbecken und Duschen indes läuft – wie vorgeschrieben – das aufbereitete Wasser der Stadt.

Aber auch mit dem Beckenwasser wird allerhand angestellt. Aus dem Brunnen wird es zur Entsäuerung durch eine Filteranlage mit Kies geleitet. In den Schwallwasserbehältern – das sind Becken unter den Becken – wird das Frischwasser zugeführt, wie viel, regelt ein Schwimmer der technischen Art. Sinkt dieser Pegelmesser unter ein bestimmtes Niveau, löst eine Steuerung die Zufuhr aus.

Von den Behältern geht’s durch Siebe und "Impfstellen": An denen wird das Flockungsmittel "Witty-Pool" zugeführt, welches das Wasser enthärtet und zum Beispiel Urin bindet. "Der flockt dann aus und bleibt im Filterbett hängen", sagt Lorenz. Geimpft wird auch mit Ätznatron zur Verbesserung des PH-Werts und mit Chlorgas zur Desinfektion. Die Flaschen stehen in einem separaten und verschlossenen Raum. Die Mischung regelt eine Anlage namens "Aquasurfer", zur Kontrolle messen Lorenz und seine Kollegen zweimal am Tag von Hand nach: "0,55 ist ein Traumwert." Die Anzeigen von Plansch-, Nicht- und Schwimmerbecken zeigen Werte von 0,52 bis 0,58 Milligramm Chlor pro Liter – quasi perfekt. Zwischen Mischpult, den riesigen Filtertonnen und den unzähligen dicken und dünnen Rohren steht auch eine alte Werkbank im Keller. Im Bad gibt es immer was zu tun, zwischendurch aber vor allem im Winter erledigt das Team Reparaturen, flickt Leitungen und bringt Klappen in Ordnung. "Wir machen hier schon viel selber", sagt Michael Lorenz und macht sich auf den Weg, die steile Treppe hoch – zurück an den Beckenrand.

Autor: sh