AFD-Chef

Historiker: Gauland hat sich bei einer Rede von Hitler bedient

AFP

Von AFP

Mi, 10. Oktober 2018 um 18:10 Uhr

Deutschland

In einem Zeitungsbeitrag für die FAZ soll AfD-Chef Alexander Gauland sich an eine Rede von Adolf Hitler aus dem Jahr 1933 "angeschmiegt" haben. Das werfen ihm zwei Historiker vor.

BERLIN (AFP/DPA/BZ). AfD-Chef Alexander Gauland hat in einem Zeitungsbeitrag nach Ansicht von Historikern ähnlich argumentiert wie Adolf Hitler in einer Rede. Gaulands Text in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sei "ganz offensichtlich eng an Hitlers Rede angeschmiegt", sagte der NS- und Antisemitismus-Forscher Wolfgang Benz dem Berliner "Tagesspiegel".

Gauland hatte geschrieben, eine "globalistische Klasse" gebe heute "kulturell und politisch den Takt vor". Ihre Mitglieder lebten in einer "abgehobenen Parallelgesellschaft" und zögen zum Jobwechsel von Berlin nach London oder Singapur. Ihnen gegenüber stünden alle, "für die Heimat noch immer ein Wert an sich ist und die als Erste ihre Heimat verlieren, weil es ihr Milieu ist, in das die Einwanderer strömen".

Hitler hatte 1933 vor Arbeitern gesagt: "Es ist eine kleine wurzellose internationale Clique, die die Völker gegeneinander hetzt." Es handele sich um Menschen, die "überall und nirgendwo zu Hause sind, sondern die heute in Berlin leben, morgen genauso in Brüssel sein können, übermorgen in Paris und dann wieder in Prag oder in Wien oder in London". Gemeint waren Juden. Der Historiker Michael Wolffsohn sagte dem "Tagesspiegel", es sei schlimm, dass Gauland die "Vorwürfe Hitlers nun auf die Gegner der AfD von heute überträgt".

Gauland wies die Anschuldigungen zurück. "Ich kenne keine entsprechende Passage von Adolf Hitler", sagte er dem "Tagesspiegel". Gaulands Berater Michael Klonovsky sagte, er habe mit Gauland vorab über den Beitrag gesprochen. Weder er noch Gauland hätten den Wortlaut der Rede gekannt. Klonovsky erklärte: "Ich sehe keine Parallelen außerhalb der reinen Tatsachenbeschreibung."

Die Beschreibung einer neuen globalen oder globalisierten Klasse findet sich allerdings auch bei anderen Autoren. Der Soziologe Ralf Dahrendorf schrieb bereits 2000 seinen Aufsatz "Die globale Klasse und die neue Ungleichheit". Auch der "Tagesspiegel" hat, worauf am Mittwoch ein Autor von Bildblog.de süffisant im Netz hinwies, 2016 einen Gastbeitrag veröffentlicht, in dem es geheißen habe, eine "neue globalisierte Klasse" gebe "überall kulturell und politisch den Takt vor".