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13. September 2017 17:32 Uhr

Kunst im Bürgerpark

Holzbildhauer in Kenzingen lassen sich vom Wetter nicht abschrecken

Sie sägen, leimen und hobeln, die Künstler, die am Holzbild hauersymposium im "Alten Grün" in Kenzingen teilnehmen. Die BZ hat ihnen bei der Arbeit über die Schultern geschaut.

  1. Georg Janthur sägt Figuren in Holzstämme. Foto: Lena Marie Jörger

  2. Zu den Figuren haben ihn Kenzinger Bürger inspiriert, die er in sein Skizzenbuch gezeichnet hat. Foto: Lena Marie Jörger

  3. Roger Löcherbach beklebt einen Teil seiner Skulptur mit Blattgold. Foto: Lena Marie Jörger

  4. Michael Lubasch bei der Arbeit Foto: Lena Marie Jörger

  5. Peer Oliver Nau hat einen überdimensional großen Mops angefertigt. Foto: Lena Marie Jörger

Bis Sonntag haben die Teilnehmer Zeit, ihre Werke zum Thema "Beste Freunde" zu vollenden. Das Wetter könnte manchem Teilnehmer einen Strich durch die Rechnung machen. Am Mittwoch zeigten sich dennoch alle Künstler zuversichtlich.

Schon von Weitem ist das laute Knattern der Kettensägen zu hören. Darunter mischt sich ab und an das vergleichsweise sanfte Summen von Schleifgeräten. Mit Ohrenschützern und einer dicken Wollmütze auf dem Kopf bearbeitet Peer Oliver Nau seine Skulptur, einen überdimensional großen Mops. "Den will ich heute noch fertig machen", erklärt er, nachdem er die Ohrenschützer heruntergenommen hat. "Ich habe mir dafür extra ein Mopsbuch gekauft", sagt er schmunzelnd und geht zu seinem dunkelroten VW-Bus, um es zu holen. Neben dem Bildband und jeder Menge Werkzeuge, Farbe und Kleber hat er in dem Auto auch einige seiner Skulpturen mitgebracht. Bei schönem Wetter hätte er sie neben seinen Arbeitsplatz gestellt. An dem Tag bleiben sie im Bus. "Ein paar Grad mehr wären schon schön", sagt Nau und blickt in den wolkenverhangenen Himmel.

Eine Gruppe Kindergartenkinder aus Kenzingen hat sich vom Wetter nicht abschrecken lassen. Drei Erzieherinnen sind mit den Fünf- bis Sechsjährigen in den Bürgerpark gekommen, um den Künstlern zuzuschauen. "Mir gefällt der Hund am besten", sagt ein Junge. "Ich finde alles schön", sagt ein Mädchen schnell. Gerade steht die Gruppe neben dem Arbeitsplatz von Michael Lubasch. "Ich hatte mir etwas viel vorgenommen", erklärt der Künstler, "jetzt mache ich nur sechs statt acht Figuren." Auf große Douglasienstücke zeichnet er zunächst deren Umrisse, bevor er sie aussägt. Über das große Interesse der Bürger freue er sich sehr. "Auch der Austausch mit den Kollegen ist schön", so Lubasch. Kurz darauf greift er wieder zur Kettensäge.

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Wetter tut der Stimmung keinen Abbruch

Deutlich ruhiger geht es bei Roger Löcherbach zu. Er hat sich für die Arbeit an seiner Skulptur eine Art Podest aus Europaletten und Holzplatten gebaut. Darauf steht er und beklebt eine Holzkugel, die zwei Figuren auf den Köpfen balancieren, mit Blattgold. "Das muss ich heute machen, weil es morgen wahrscheinlich regnen wird", erklärt er, während er ein weiteres Blatt auf das Holz legt und mit den Fingern festdrückt. Der Stimmung tue das Wetter aber keinen Abbruch. "Das Symposium macht einfach wieder Spaß", so Löcherbach.

Ebenfalls ruhig arbeitet Branko Bazina aus Kenzingens Partnerstadt Vinkovci in Kroatien an seiner Marienstatue. Sie solle die Freundschaft zu Maria ausdrücken, erklärt er. Er schleift gerade das Holz ab. Ein Besucher steht neben ihm und schaut zu.

Wenige Meter weiter fliegen die Späne. Simon Klaus, mit 26 Jahren der jüngste Teilnehmer, arbeitet gerade an seinem Boot, das er aus einem Stamm herausarbeitet. "Anfangs war ich nicht so zufrieden, weil ein Teil des Stamms krumm war", sagt er. Den habe er dann aber einfach abgesägt. Nun kümmere er sich erst mal um die Außenform des Bootes, danach wolle er es aushöhlen. "So dünn wie möglich, um richtig an die Grenzen des Holzes zu gehen", erklärt er. Behutsam setzt er seine Ohrenschützer auf, zieht seine Schutzbrille über und wirft die Kettensäge wieder an. Sofort fallen die nächsten Späne zu Boden.

Künstler tauschen sich aus

Auch bei Susanne Paucker, die ihren Arbeitsplatz unter einem grünen Pavillon aufgebaut hat, wirbelt der an dem Morgen kräftige Wind feine Holzspäne durch die Luft. "Ich bin gerade bei den Vorarbeiten", sagt die einzige Frau im Teilnehmerfeld. Mit einem Stift und einer Schablone zeichnet sie die Umrisse eines Männchens auf ein quadratisches Holzbrett, das sie aus mehreren einzelnen Brettern zusammengeleimt hat. "Ich hoffe, das Wetter spielt mit", sagt sie, schließlich wolle sie die Figuren auch noch lackieren, bevor sie sie wie Puzzleteile zusammensetze. Zur Unterstützung hat sie ihren Lebensgefährten Franco Daga aus Italien mitgebracht. Er sägt ihr gegenüber gerade ein weiteres Männchen aus. "Alleine hätte ich mir ein anderes Projekt überlegen müssen", sagt Susanne Paucker.

"Bei mir läuft bisher alles gut", sagt Georg Janthur. Hinter ihm liegen zehn Holzstämme. Am jeweils oberen Ende sägt Janthur kleine Figuren heraus – mit der Kettensäge. Fünf sind bisher fertig und warten darauf, bemalt zu werden. Am Symposium gefalle ihm vor allem der Austausch mit den anderen Künstlern. "Wir sitzen meist auch abends noch zusammen", sagt er. Für seine Figuren habe er sich in Kenzingen inspirieren lassen. "Ich habe Personen, die ich hier gesehen habe, zum Beispiel auf der Straße oder bei der Vernissage am Montag, in mein Skizzenbuch gezeichnet", erklärt er. Er zieht das Buch hervor und blättert es durch. "Der eine oder andere mag sich in meinen Figuren wiedererkennen", sagt er, lacht und ergänzt: "Oder auch nicht."
Termine

Am Samstag, 16. September, findet von 21 bis 22 Uhr die Licht- und Ton-Veranstaltung "Bäume im Licht" statt. Die Finissage am Sonntag, 17. September, beginnt um 11.30 Uhr.

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Autor: Lena Marie Jörger