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10. Juli 2010

"Schach ist einfach ein tolles Spiel"

BZ-INTERVIEW mit Wolfgang Hug, Vorsitzender des Schachclubs Horben, der jetzt auch Unterricht für Schüler aus Freiburg anbietet.

  1. Wolfgang Hug Foto: Tanja Bury

  2. Welche Spielzüge führen zum Schachmatt? Analytisches Denken ist beim Schach gefragt. Foto: dpa

HORBEN. König, Dame, Turm, Läufer, Springer und Bauer: Rund 50 Kinder werden sich heute den Schachfiguren widmen, wenn der Schachclub Horben sein Jugendturnier im Bürgersaal austrägt. Die Nachwuchsarbeit läuft gut. So gut sogar, dass die Horbener dem Nachwuchs auch in Freiburg Training anbieten wollen und dafür geeignete Räume suchen. Warum erzählte Vereinsvorsitzender Wolfgang Hug BZ-Redakteurin Tanja Bury.

BZ: 50 Kinder beim Schachturnier in Horben – wie erklärt sich diese hohe Zahl?
Hug: Sie erklärt sich durch das Modell "Schule und Schach", dass der Horbener Schachclub schon seit 20 Jahren betreibt. Wir bieten in der Grundschule Horben Schachunterricht für alle Klassen an. Als wir vor zwei Jahrzehnten damit begonnen haben, gab es mit uns gerade mal vier Vereine in ganz Baden-Württemberg, die Schach-AGs gegeben haben. Jetzt sind es 50. Durch die Kooperation mit der Schule gewinnen wir Nachwuchs und stoßen auf Talente, die wichtig für unsere aktiven Mannschaften sind. Der Schachclub Horben legt Wert darauf, Talente aus den eigenen Reihen zu haben. Wir füllen unsere Teams nicht – wie andere Vereine – mit bezahlten Spielern auf, die Startgeld verlangen. So haben wir es als Verein aus einem kleinen Dorf geschafft, zwei Jahre in der Oberliga, der dritthöchsten Spielklasse im Schach, vertreten zu sein. Jetzt spielen wir immerhin noch Verbandsliga. Von den 50 Kindern, die heute in Horben spielen, sind 30 bereits Mitglieder in unserem Verein, 20 kommen aus Freiburg.

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BZ: Freiburg hat auch Schachclubs, wie kommt’s, dass der Nachwuchs aus der Stadt zum Schachspielen aufs Land geht?
Hug: Auch hier ist die Kooperation mit Schulen das Geheimnis. Unser Vereinsmitglied und Schachtrainer Min Yung Mönnig gibt seit kurzer Zeit einmal die Woche Schachunterricht für Freiburger Schüler, beispielsweise an der Karoline-Kaspar-Schule im Vauban. Die Freiburger Vereine machen das nicht. Unter den Kindern sind echte Talente. Sie und ihre Eltern haben großes Interesse daran, das Training außerhalb des Schulbetriebs weiter auszubauen und eine Art Talentschmiede einzurichten. Da sagen wir natürlich nicht nein. Aber dafür brauchen wir einen zentralen Raum im Freiburg.
BZ: Warum das, herrscht in Horben Platznot?
Hug: Nein. Wir haben im Vereinshaus genügend Platz. Das Problem ist ein anderes: Wie wollen die Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren nach Horben kommen? Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist schlecht und der Weg aus manchem Freiburger Stadtteil weit. Im Winter wären die Kinder im Dunkeln unterwegs. Und es ist schwierig, Eltern zu finden, die entweder zwei Mal nach Horben fahren oder während des Trainings dort bleiben. Deshalb suchen wir einen zentral gelegenen Raum, in dem wir unser Training abhalten können. Natürlich bezahlen wir dafür.
BZ: Böte sich da nicht eine Kooperation mit einem Freiburger Club oder den Schachfreunden aus Merzhausen an?
Hug: Wir verstehen uns alle gut, aber wir sind nun mal verschiedene Vereine mit unterschiedlichen Auslegungen. Deshalb ist uns ein eigener Raum lieber.
BZ: Sie wollen mit diesem Engagement in Freiburg gute Spieler gewinnen. Wo bleibt das Vereinsleben?
Hug: Das wird nicht vergessen. Uns war und ist es wichtig, dass sich die Kinder und ihre Eltern in den Verein einfügen. Sie müssen Mitglied bei uns werden. Wir legen Wert darauf, dass sie bei Festen und Ausflügen mit dabei sind und mit anpacken. Wir wollen nicht nur die Begeisterung für das Schachspiel wecken, sondern auch sozialen Kompetenzen stärken.
BZ: Apropos soziale Kompetenzen. Schachspieler stellt man sich oft als zurückgezogen lebende Gesellen vor, die mehr Kontakt zu ihrem Schachcomputer als zu ihren Mitmenschen haben. Stimmt das?
Hug: Auf keinen Fall. Aber natürlich trifft man bei Turnieren auch mal auf solche Einzelgänger.
BZ: Wie sind denn Ihre Schachspieler?
Hug: Unsere Mitglieder sind aufgeschlossen und oft auch noch in anderen Vereinen aktiv. Unser Nachwuchs ist pfiffig. Meist sind die Kinder auch in der Schule – vor allem in Mathe – gut. Und sie sind sportlich. Das alte Klischee, dass jeder, der zu faul zum Laufen ist, Schachspieler wird, stimmt nicht. Ebenso wenig ist richtig, dass Jungs die besseren Schachspieler sind. Die Mädchen sind genau so gut.
BZ: Beim Fußballtraining ist klar, wie es abläuft. Aber wie muss man sich Schachtraining vorstellen?
Hug: Wir üben verschiedene Spielzüge. Es geht um die Eröffnung, den Mittelteil und das Endspiel einer Partie. Dabei ist immer die Matt-Stellung das Ziel. Man will nicht nur mit den Figuren hin- und herfahren, sondern taktische Züge machen. Analytisches Denken und Konzentration kann man beim Schach lernen.
BZ: Außer Taktik und Strategie: Was bedeutet Schach für Sie?
Hug: Für mich ist es Entspannung und Erfolgserlebnis– einfach ein tolles Spiel.

SCHACHCLUB HORBEN

Der Schachclub Horben wurde 1966 gegründet und zählt heute 74 Mitglieder – ohne die Kinder, die er im Rahmen des Modells "Schule und Schach" unterrichtet. Zum Verein gehört auch eine Theatergruppe, die zwei Mal im Jahr auftritt. Kontakt: Wolfgang Hug, Mühleweg 5, Horben, 0761/29861.  

Autor: tab

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