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01. Juni 2010 14:06 Uhr

Protest

Fast 1000 Einsprüche gegen Kraftwerk Atdorf

Bei Rickenbach im Hotzenwald soll ein gigantisches Pumpspeicherkraftwerk entstehen. Obwohl regenerative Energien ein positives Images haben, regt sich Widerstand. Warum das?

  1. Das Haselbachbecken bei Wehr, Modell des künstlichen Sees Foto: SW

FREIBURG. 887 Privatpersonen haben gegen die Pläne für den Bau eines neuen Pumpspeicherkraftwerkes im Hotzenwald Einwände vorgebracht. Zum Abschluss des Raumordnungsverfahrens lagen dem Regierungspräsidium 234 Stellungnahmen vor, die zum Teil von mehreren Bürgern unterschrieben waren. Hinzu kamen Stellungnahmen der Gemeinden, Kreise, Fachbehörden und Verbände. Auch eine 74 Seiten starke Stellungnahme der Bürgerinitiative Atdorf liegt vor, sie wurde nach Angaben der Initiative von mehr als 3000 Personen unterzeichnet, allerdings wurden die Unterschriftenlisten nicht eingereicht.

Angst um Natur und Trinkwasser

Das Schluchseewerk will für annähernd eine Milliarde Euro bei Rickenbach ein Wasserbecken mit einem Fassungsvermögen von neun Millionen Kubikmetern bauen. 600 Meter tiefer soll bei Wehr ein zweites Becken angelegt werden. Sobald zu viel Strom im Netz vorhanden ist, wird Wasser in das obere Becken gepumpt, übersteigt die Stromnachfrage das Angebot, wird Wasser abgelassen und damit elektrische Energie erzeugt. Mit einer installierten Leistung von 1400 Megawatt kann das neue Kraftwerk so viel Strom liefern wie ein Atomkraftwerk.

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Nach Überzeugung der Schluchseewerke ist der Bau nötig, um die enormen Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Bisher betrafen diese starken Unterschiede vor allem den Verbrauch. Durch den verstärkten Ausbau der regenerativen Energieträger Wind und Sonne schwankt auch die Stromerzeugung ganz erheblich. Um dies auszugleichen und die Stromversorgung sicherzustellen, sei ein Pumpspeicherkraftwerk nötig. Der Hotzenwald sei dafür bestens geeignet, weil es dort große Höhenunterschiede gebe.

Ist das Kraftwerk überhaupt nötig?

Ob der Bau eines solchen Kraftwerks überhaupt nötig sei, das ist eine der zentralen Fragen, mit denen sich das Regierungspräsidium beschäftigen muss. "Die Frage nach der Sinnhaftigkeit generell steht ganz oben", sagt Johannes Dreier, der das Raumordnungsverfahren leitet.

Die Bürgerinitiative, die sich gegen das Pumpspeicherkraftwerk wehrt, ist überzeugt, dass der Bau für die Versorgungssicherheit nicht erforderlich ist, dass es bessere Techniken gibt, um die Schwankungen im Netz auszugleichen. Zudem werde an weiteren technischen Innovationen gearbeitet, die solche Großvorhaben überflüssig machen. Zwei vom Schluchseewerk beauftragte Gutachter kommen zu einem anderen Schluss. Der Betreiber mehrerer Pumpspeicherwerke ist überzeugt, dass es ergänzend zu möglichen neuen Technologien die bewährte Methode braucht. In der Abwägung zwischen zwei möglichen Standorten, dem Harzberg oberhalb des Schluchsees und Atdorf, sei man zu dem Schluss gekommen, dass Atdorf besser geeignet sei.

Anwohner fürchten Lärm, Dreck und Verkehr beim Bau

Die sonstigen Einwände beziehen sich auf die Gefährdung der Trinkwasserversorgung in Rickenbach durch das riesige Wasserbecken, auf den Erhalt des Landschaftsbildes und auf Beeinträchtigungen beim Naturschutz. Nicht zuletzt fürchten die Anrainer Belastungen durch Lärm, Dreck und Verkehr während der Bauzeit.

Die Pläne und Erläuterungen füllen 14 Aktenordner, obwohl viele Details noch offen sind. "Wir betrachten das im Moment aus der Vogelperspektive. In der Planfeststellung geht es um jeden Quadratmeter Eigentum", sagt Dreier. Auch in der zweiten Stufe der Planung sind Einwände möglich. Bis Jahresende soll der Raumordnungsbeschluss ergehen.

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Autor: Franz Schmider