"Wir können alle viel voneinander lernen"

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Mi, 22. Februar 2017

Elsass

BZ-INTERVIEW mit dem TEB-Präsidenten Jean-Marc Deichtmann zum Projekt einer Kooperation der vier Eurodistricte am Oberrhein.

HUNINGUE. Erstmals treffen sich in dieser Woche Vertreter der vier Eurodistricte am Oberrhein, um ein gemeinsames Projekt zum Thema "Zivilgesellschaft" zu lancieren. Annette Mahro wollte von Jean-Marc Deichtmann, dem Maire von Huningue und aktuellen Präsidenten des Trinationalen Eurodistricts Basel (TEB), wissen, wie die vier Partner voneinander profitieren können.

BZ: Monsieur Deichtmann, was bringen Sie aus Ihrem Eurodistrict mit nach Straßburg?

Deichtmann: Ich bringe als Erstes eine andere Sicht auf die Dinge, aber auch eine andere Problematik mit, denn die anderen Eurodistricte arbeiten zwischen zwei Ländern, während wir ja zu dritt sind. Das kann natürlich Vorteile haben, macht vieles aber auch komplizierter, zumal die Schweiz ja kein EU-Mitglied ist. Aber unsere Nachbarn im Süden haben Lust, mit uns zu arbeiten und sie sind natürlich auch äußerst interessante Partner.

BZ: Welche Besonderheiten steuert der TEB bei, von denen die anderen profitieren könnten und wie steht es umgekehrt?

Deichtmann: Wir können alle viel voneinander lernen, zumal wir dieselben Ziele haben. Wir wollen alle, dass die Leute zusammenkommen, dass sie sich besser kennenlernen, etwas miteinander machen können und da ist es natürlich sehr interessant zu sehen, wie das geht in Straßburg, in Freiburg und wir können ja auch zeigen, was wir bei uns schon gemacht haben, was geklappt und was vielleicht weniger geklappt hat.

BZ: Gibt es da Beispiele von Ihrer Seite?

Deichtmann: Gut war von Anfang an, dass man überhaupt miteinander gesprochen hat und dass man einander – als Voraussetzung dafür – besser kennengelernt hat. Darüber Projekte zu entwickeln, das braucht natürlich Zeit. Der TEB begeht ja 2017 sein zehnjähriges Bestehen, was wir am 23. und 24. März in Huningue, in Lörrach und Basel feiern wollen. Und wenn Sie mich nach einem konkreten Beispiel fragen, nenne ich die Mobilität. Dabei ging es zuerst darum, die verschiedenen Organismen überhaupt miteinander in Kontakt zu bringen. Daran schließt sich das Projekt eines Mobilitätsportals an, in dem man sich informieren kann, wie komme ich etwa von Blotzheim nach Lörrach oder umgekehrt nach Basel und weiter bis Mulhouse. In Planung ist der nächste Schritt einer Tarifkooperation.

BZ: Bisher gibt es beides aber noch nicht.

Deichtmann: Das ist richtig, aber wir sind sehr nahe daran. Ich denke, nächstes Jahr haben wir dieses Portal und vielleicht bis in zwei oder drei Jahren auch beispielsweise eine in allen drei Ländern gültige Tageskarte.

BZ: Bei der jetzt lancierten Zusammenarbeit soll es um das Thema "Zivilgesellschaft" und hier insbesondere um die Mikro- und Begegnungsprojekte gehen. Was ist da bisher im TEB passiert?

Deichtmann: Das ist ja nicht dasselbe. Der Unterschied zwischen den Mikroprojekten und unseren "Fonds de rencontre" ist, dass sie viel einfacher umzusetzen und auf jeweils 5000 Euro an Zuschüssen beschränkt sind. Bei den Interreg-finanzierten Mikroprojekten ist der Rahmen viel größer und unser Interesse ist es jetzt, zu viert den hier sehr viel höheren administrativen Aufwand gemeinsam zu schultern. Die Begegnungsprojekte, von denen wir bisher insgesamt 19 hatten, gab es meines Wissens aber nur bei uns. Ein sehr schönes Beispiel war etwa die Begegnung in Huningue für die Fußball-Europameisterschaft im Juni 2016. Da haben Schweizer, Franzosen und Deutsche miteinander ein Spiel zwischen der Schweiz und Frankreich gesehen. Dass da alle dabei waren, fand ich toll.



Jean-Marc Deichtmann (58) ist seit 2008 Maire von Huningue und wurde 2014 für weitere sechs Jahre wiedergewählt. Von Beruf ist er Grundschullehrer. TEB-Präsident ist Deichtmann für die Zeit 2015-2017.