"Ich nehme viel mit aus dieser Zeit"

Herbert Frey

Von Herbert Frey

Do, 13. Juli 2017

Weil am Rhein

Für Lena Möhring geht das Freiwillige Soziale Jahr bei der Sozialstation zu Ende, das sie sogar auf den Titel eines Fachmagazins brachte.

WEIL AM RHEIN. Viel mehr als nur eine Notlösung zur Überbrückung der Zeit bis zum Beginn eines Studiums war für Lena Möhring (19) das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) bei der katholischen Sozialstation, das nun Ende August ausläuft. "Ich nehme wahnsinnig viel mit aus dieser Zeit", sagt die junge Frau. Auch bei der Sozialstation war man vom Engagement der Haltingerin sehr angetan, für die nun eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gesucht wird.

Die Auswahl an Interessenten, die sich für ein FSJ bewerben, wird aus verschiedenen Gründen immer dünner. Die einen wollten sich nach der stressigen, auf acht Jahre verkürzten Gymnasialzeit nicht gleich ins nächste eng getaktete Zeitkorsett begeben, den anderen erscheine ein freiwilliger Dienste im Ausland attraktiver, vermutet Erich Schwär, der Geschäftsführer der Sozialstation.

Für Lena Möhring aber waren die drei Monate Verschnaufpause nach dem Abitur am Hebelgymnasium völlig ausreichend. Weil ihre Schwester bereits diesen Weg gewählt hatte und begeistert war, entschied auch sie sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr. Und da ihre Mutter in der Demenz WG der Villa Eckert arbeitet, die von der Sozialstation betreut wird, bewarb sie sich bei der Einrichtung.

Vorausschauendes Planen gelernt

"Es hat mir gleich wahnsinnig gefallen", schildert sie. Sofort sei sie im Team anerkannt gewesen. "Schon durch das bloße Erscheinen bei ihnen Zuhause konnte man den älteren betreuten Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern", erzählt sie begeistert. Sie erledigte für und mit den Klienten den Wocheneinkauf, übernahm Touren für die Station zu Apotheken und Ärzten. Vorausschauendes Planen war da gefragt. Inzwischen kennt sie praktisch jede Straße und natürlich sämtliche Öffnungszeiten der Apotheken und Praxen. Wenn es die Situation erforderte, half sie auch mal im Büro aus.

Lena Möhring engagierte sich zudem in der Geronto-Gruppe, in der leicht demente Senioren zweimal in der Woche betreut werden, um Angehörige zu entlasten. Dort brachte sie sich auch in die Programmgestaltung ein, etwa, indem sie Osterlieder am Klavier spielte.

Sozialstation bietet intensive Betreuung

"Wir lassen niemanden allein", sagt Gabriele Schmidt und Erich Schwär ergänzt, dass man praktisch eine "eins zu eins Betreuung" mit intensiver Praxisanleitung biete. Das, so Lena Möhring, sei auch ganz wichtig. Denn nicht immer sei der Umgang mit Senioren frei von Belastungen: "Dann tut es gut, mit den Fachkräften darüber reden zu können".

Ganz viel profitiert habe sie auch von den Bildungswochen im Schwarzwald, erzählt Lena Möhring. Die Referenten und Sozialarbeiter, die diese Zusammenkünfte von FSJ-Absolventen leiten, hätten richtig Lust, Erfahrung und Wissen zu vermitteln. Auch der Austausch der jungen Menschen untereinander sei gewinnbringend und habe ihr neue Freundschaften beschert. Wie geht man auf Menschen mit Demenz zu, ohne sich oder das Gegenüber zu erschrecken? Wann sollte man Distanz wahren, wann Nähe zulassen? Diskussionen über solche Fragen seien es gewesen, die sie in ihrer Entwicklung weitergebracht haben.

Lena Möhring hat sich auch für die Interessen ihrer Kolleginnen und Kollegen innerhalb des Dachverbandes eingesetzt und unter anderem Wünsche an die Politik mit formuliert, die dann auch in Berlin vorgetragen wurden. Als Seminarkreissprecherin zierte die Haltingerin sogar das Titelblatt eines Fachmagazins.

In der Sozialstation müssen Freiwillige im sozialen Jahr weder Altenpflegearbeit leisten noch Nacht- oder Wochenendschichten übernehmen. Dafür ist viel Autofahren angesagt, was viel Fahrpraxis und damit Fahrsicherheit mit sich bringt.

Bei der Sozialstation hofft man, am 1. September die Stelle Lena Möhrings wieder besetzen zu können. Noch liegen keine Bewerbungen vor. "Ich wüsste meine Klienten auch gerne in guten Händen", sagt Lena Möhring, die sich sicher ist, dass sie in den Semesterferien vorbeischauen wird. Sie hat sich, auch aufgrund der Erfahrungen in der Sozialstation, für ein Studium der Sozialarbeit beworben.

Die Sozialstation, die auf neun Pflege- und sieben Hauswirtschaftstouren jeden Tag 170 bis 180 Menschen betreut, investiert auch in die Ausbildung von Altenpflegekräften viel Zeit und Geld. Bereits nach einem Jahr habe man einen Abschluss als Altenpflegehelfer in der Tasche, führt Carmen Winkler, die stellvertretende Pflegedienstleiterin, aus. Neue Lehrlinge, auch Quereinsteiger, deren feste Übernahme so gut wie sicher ist, werden ständig gesucht.