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26. September 2010 20:31 Uhr

Immer diese Schlüsselszenen: SC Freiburg verliert in Wolfsburg

In einer völlig konfusen Situation trifft Papiss Cissé, der Torjäger des SC Freiburg – in einer ganz banalen trifft er nicht: Das war mitentscheidend dafür, dass der SC Freiburg beim VfL Wolfsburg mit 1:2 den Kürzeren zog.

  1. Die Entscheidung: Grafite (rechts) gewinnt das Kopfballduell gegen Heiko Butscher und erzielt das 2:1. Foto: dpa

WOLFSBURG. Zwei Freistöße des Spielmachers Diego, zwei Kopfballtore seines Kollegen Grafite: Im Wesentlichen hat der VfL Wolfsburg aufgrund seiner souverän ausgeführten Standards am Sonntag gegen den SC Freiburg mit 2:1 gewonnen, aber auch wegen Cissés Aussetzer. Nicht immer gibt es in einem Fußballspiel so eindeutige Schlüsselszenen.

Wolfsburg und das 4-4-2-System

Die erste findet in der 25. Minute statt. Diego macht das, was er auch in mittelprächtiger Form sehr gut kann: Er schießt einen Freistoß, Stürmer Grafite wartet, setzt sich im Zweikampf gegen Schuster sehr robust durch, köpft, der nasse Ball springt auf und rutscht Freiburgs zurückgekehrtem Stammtorhüter Simon Pouplin durch, der dabei sehr unglücklich aussieht. Das eigentlich Interessante an der Szene aber ist, dass Wolfsburgs Trainer Steve McClaren sich erst gar nicht über die Führung seiner Mannschaft freuen kann. "Ich habe ehrlich gestanden auf den Pfiff gewartet", wird er später sagen. Auch Grafite gibt nach der Partie zu, dass seine Vorgehensweise ein klares Foul war, "aber ich hatte Glück". Und der Sportclub auch, nämlich zwei Minuten später, als Pouplin aus dem Tor kommt, den Ball aber nicht zu fassen kriegt und sich danach gerade noch so auf Simon Kjaers Nachschuss werfen kann.

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Eigentlich sind die Gäste gut ins Spiel gekommen. Robin Dutt hat seine Mannschaft im Vergleich zum unglücklichen 1:2 gegen Schalke auf drei Positionen verändert. Neben Pouplin rückten Anton Putsila und Kisho Yano in die Startelf, wobei der Japaner als zweiter Stürmer neben Cissé agierte. Dutt wollte damit der Tatsache Rechnung tragen, dass die Wolfsburger zuletzt sehr erfolgreich auf ein 4-4-2 umgestellt hatten und der SC mit vielen langen Bällen auf Grafite und seinen genialen Sturmpartner Dzeko rechnen musste.

Das Spiel in die Spitze klappt selten in Vollendung

Den Ausgleich nach einer guten halben Stunde haben sich die Freiburger verdient. "Wir haben nicht viel falsch gemacht", findet Außenverteidiger Felix Bastians. Aus dem Spiel heraus gelangen die Wolfsburger in der Tat nur zu wenigen Chancen, die Stürmer sehen sich oft von drei Gegenspielern umzingelt, sind auf Standards angewiesen, um Torgefährlichkeit zu entwickeln. Die Tatsache, dass sowohl Diego als auch Grafite und Dzeko es sich in der Regel in der gegnerischen Hälfte gemütlich machen, oder – wie es Bastians formulierte – "ausgeruht rumstehen und wenn sie angreifen, geht die Post ab", gibt den Freiburgern zwar immer wieder den Raum. Das Spiel in die Spitze klappt aber selten in Vollendung. Anfangs zielte Yano einmal aus der Drehung vorbei, doch so sehr er sich bemüht, fehlt ihm gelegentlich die Anbindung. Oft steht er da und schüttelt frustriert den Kopf. Barth köpft einmal am Tor vorbei, doch erst in der 36. Minute passiert das, was man in aller Kürze als chaotische Situation im VfL-Strafraum mit einer Dreifach-Chance für Freiburg beschreiben kann. Auch in der zehnten Wiederholung gibt’s da immer noch was Neues zu entdecken. Am Ende von "60 Sekunden Forechecking" (Dutt) oder "ein bisschen Durcheinander und ein bisschen Glück" (Bastians) schießt Schuster jedenfalls Wolfsburgs Abwehrchef Kjaer an und Cissé staubt zu seinem sechsten Treffer im sechsten Spiel ab.

"Es wäre mir lieber gewesen, wenn er daneben schießt, wenn es nicht spielentscheidend ist." Dutt über Cissé
Wer jetzt denkt, dass sei die zweite Schlüsselszene gewesen, der täuscht sich. Die kommt erst noch. Der für den angeschlagenen Yano gekommene Daniel Caligiuri stürmt auf VfL-Torhüter Diego Benaglio zu, der stürmt auf ihn zu, weswegen der Freiburger auf den mitgelaufenen und denkbar frei stehenden Cissé rüberlegt. Es ist eigentlich unmöglich, neben das Tor zu schießen, aber Cissé tut’s trotzdem. "Es wäre mir lieber gewesen, wenn er daneben schießt, wenn es nicht spielentscheidend ist", sagt Dutt dazu nur. Es ist die Phase, in welcher der Sportclub im Aufwind ist, doch dann kippt das Spiel zusehends und mit dem 2:1 der Wolfsburger – wieder nach einem Freistoß von Diego, wieder durch einen Kopfball von Grafite – ist die Entscheidung gefallen.

Dutt: "Richtig gutes Spiel"

Der Brasilianer ist selbst erstaunt ("Ich glaube, ich habe noch nie in einem Spiel zwei Kopfballtore erzielt, das ist eigentlich nicht so meine Stärke"). Und Dutt muss sich nicht nur darüber ärgern, dass Schiedsrichter Markus Schmidt den Freistoß seiner Ansicht nach fünf Meter zu weit innen geschehen ließ, sondern auch darüber, dass Mannschaftskapitän Heiko Butscher Grafite bei dem Freistoß viel zu sehr sich selbst überließ. Butscher musste später mit einer Bänderdehnung im Knie ausgewechselt werden.

Der VfL feiert den dritten Sieg in Folge, befindet sich im Aufwärtstrend – auch wenn "souverän ein bisschen anders aussieht", wie Manager Dieter Hoeneß findet. Auf der anderen Seite hat Robin Dutt ein "richtig gutes Spiel" seiner Mannschaft gesehen, die mit 51 Prozent knapp mehr Ballbesitz hatte als die Heimelf. "Kaum zu glauben, dass wir aus den Spielen gegen Schalke und Wolfsburg keinen Punkt geholt haben", so Dutt. Nächste Gelegenheit: am Samstag gegen Köln.

Wolfsburg: Benaglio, Pekarik, Kjaer (86. Madlung), Barzagli, Schäfer, Josue, Hasebe, Kahlenberg (80. Dejagah), Diego (89. Johnson), Grafite, Dzeko. Freiburg: Pouplin, Mujdza, Barth, Butscher (67. Toprak), Bastians, Schuster, Abdessadki, Putsila (74. Rosenthal), Makiadi, Yano (46. Daniel Caligiuri), Cisse. Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart). Tore: 1:0 Grafite (25.), 1:1 Cisse (36.), 2:1 Grafite (64.). Zuschauer: 26 204. Gelbe Karten: Josue (2) / Butscher, Mujdza.

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Autor: Martina Philipp