Filialschließungen

In den Freiburger Stadtvierteln sind die Bankfilialen weiter auf Rückzug

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Fr, 09. November 2018

Freiburg

Das Angebot an Bankdienstleistungen in der Stadt schrumpft weiter. Besonders spürbar wird diese Entwicklung nun in Littenweiler. Dort schließt zum 14. Dezember die mit drei Mitarbeitern besetzte Filiale der BB-Bank – nach mehr als vier Jahrzehnten Präsenz im Stadtteil.

Außerdem schränkt die Volksbank Freiburg die Öffnungszeiten ihrer Filiale im Stadtteil ein, nämlich von 30,5 auf 15 Stunden pro Woche, mit Wirkung vom 3. Dezember an. Auch an anderen Standorten schraubt die Volksbank ihre Servicezeiten deutlich zurück.

"Ich habe geschluckt, als ich auf den Aushängen gelesen habe, dass die BB-Bank schließt und dann auch noch die Volksbank die Öffnungszeiten halbiert", sagt ein Volksbank-Kunde aus Littenweiler, der lieber anonym bleiben will. "Das heißt: Anstatt zweimal 100 Prozent Service nur noch einmal 50 Prozent Service und anstatt dreier Geldautomaten nur noch ein Geldautomat, denn bei der BB-Bank fallen zwei Geräte weg." In seinem Umfeld erlebe er, dass viele Kontoinhaber wütend und sauer seien.

Die BB-Bank indes sieht in der Schließung sogar einen Gewinn für die Kundschaft. "Die besagte Filiale fassen wir mit unserer Filiale am Kartoffelmarkt zusammen. Dadurch entsteht dort ein modernes Beratungscenter mit umfassenden Serviceleistungen, indem wir künftig eine Beratung auf Private-Banking-Niveau anbieten werden", so BB-Bank-Sprecherin Sandra Krismeyer auf BZ-Anfrage.

Die drei Mitarbeiter in Littenweiler, wo die genossenschaftliche BB-Bank mit Hauptsitz in Karlsruhe seit 1974 mit einer eigenen Filiale vertreten war, würden künftig ebenfalls in der Filiale am Kartoffelmarkt eingesetzt. Weitere Filialen hat die BB-Bank in der Carl-Kistner-Straße 21 (Haslach) und der Günterstalstraße 17-19 (Wiehre). Insgesamt beschäftige man 43 Mitarbeiter in Freiburg. Was aus den Filialräumen in der Kappler Straße 4 nach dem Auszug wird, kann Sandra Krismeyer nicht sagen. Die BB-Bank-Automaten dort würden entfernt.

Nicht erwähnt hat die BB-Bank-Sprecherin die diffizile wirtschaftliche Situation der Branche, die zum Hintergrund der Maßnahme gehört. Da ist der Vorstand der Volksbank Freiburg offener. Wegen des anhaltend niedrigen Zinsniveaus verdiene man weniger mit der Zinsdifferenz zwischen Einlagen und vergebenen Krediten, so der Vorstandsvorsitzende Uwe Barth.

Dies trifft alle Institute – daher treten sie auf die Kostenbremse. Die Volksbank hatte im Februar bekanntgegeben, dass neun von 31 Filialen in der Region geschlossen werden. In Freiburg wurde Anfang April die Filiale in Weingarten dichtgemacht. Nun reduziert die Genossenschaftsbank bei etlichen Filialen die Öffnungszeiten. Littenweiler ist am 3. Dezember dran. In Haslach, St. Georgen, Merzhausen, Wolfenweiler und in Rieselfeld wurde bereits Anfang September gekürzt. In der Wiehre, Zähringen, Herdern und Gundelfingen gelten die Kürzungen seit diesem Monat. Künftig ist dort überall der Schalter nur noch halbtags offen – teils vor-, teils nachmittags.

"Die Frequentierung dieser Filialen hat erheblich abgenommen", führt Volksbank-Sprecher Martin Lorenz als weiteren Grund für die Servicereduzierung an. Beratung sei auf Anfrage jedoch überall weiterhin von 9 bis 19 Uhr möglich.

Die Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau hat in den vergangenen Jahren das Filialnetz ebenfalls deutlich ausgedünnt und 24 von zuvor 71 Standorten in der Region geschlossen.