Trotz Ausbau

In Freiburg fehlen bis Ende 2018 mehr als 170 Kita-Plätze

Anita Rüffer

Von Anita Rüffer

Mi, 12. Juli 2017

Freiburg

Es wird neu gebaut, erweitert, aufgestockt auf Teufel komm raus, aber es wird dennoch nicht reichen: Bis Ende 2018 werden für Kinder bis drei Jahre immer noch 173 Betreuungsplätze fehlen.

Für Drei- bis Sechsjährige bleibt ein Defizit von 81 Plätzen, wie Bildungsbürgermeisterin Gerda Stuchlik und Beatus Kamenzin, stellvertretender Leiter des Amtes für Kinder, Jugend und Familie (AKI) gestern bekannt gaben. Aber auch darauf wollen sie sich nicht festlegen: Seit der Prognose von 2014 waren alle Bedarfsplanungen immer wieder von der Wirklichkeit überholt worden.

Aktuell haben 304 Kinder bis drei Jahre und 222 Kinder von drei bis sechs Jahren, die bis zum 31. Dezember in einer Freiburger Kita unterkommen wollen, noch keinen Platz. Eigentlich soll es für 50 Prozent aller Krippenkinder einen Betreuungsplatz geben. Der Bedarf war bei einer Elternbefragung ermittelt worden. Auf etwa 45 Prozent hatte es das Amt auch schon geschafft. Aber gemessen an der gesteigerten Nachfrage sei die Quote trotz stetiger Platzvermehrung mittlerweile wieder auf 43 Prozent gesunken, sagt die Bürgermeisterin. Um die 50-Prozent-Marke zu knacken, braucht die Stadt bis 2019 insgesamt 3476 Plätze für Kinder bis drei Jahre und damit rund vierzig neue Gruppen mit 395 Plätzen.

Zehn neue Gruppen sollen noch in diesem Jahr geschaffen werden. Unter anderem sollen die Glückskinder in Haslach, der katholische Kindergarten St. Martin in der Altstadt und das Mütter- und Familienzentrum Klara im Stühlinger erweitert werden und zwei Kitas auf dem Güterbahnhof, eine an der Habsburgerstraße und eine in Littenweiler neu in Betrieb gehen. Im kommenden Jahr sollen sich weitere zwölf Gruppen mit 120 Plätzen anschließen in Landwasser, Gutleutmatten, Mooswald und Binzengrün. Im Mooswald (Versorgungsquote 22 Prozent), Herdern-Nord/Zähringen (23) und Oberau/Wiehre (30) sind Krippenplätze besonders knapp. Altstadt (86 Prozent), Vauban (67) oder Brühl (74) haben besonders viele.

Bei den Drei-bis Sechsjährigen wird eine 100-Prozent-Versorgung angestrebt. Aktuell liegt sie bei 97 Prozent. Bis Ende 2019 braucht es 34 zusätzliche Gruppen mit 684 Plätzen. Davon sollen 13 mit 260 Plätzen neu eingerichtet werden, zum Teil in den oben erwähnten neuen Kitas und durch Erweiterung einer bestehenden in der Bissierstraße. Im kommenden Jahr sollen sich weitere zehn Gruppen mit 204 Plätzen anschließen. Die Versorgungsquoten schwanken auch in dieser Altersgruppe: zwischen 187 Prozent etwa in der Altstadt und 67 Prozent im Mooswald.

Erschwerend sei im laufenden Jahr hinzugekommen, sagt Kamenzin, dass sich "Bauprojekte, die wir eigentlich schon vor zwei Jahren eröffnen wollten, massiv verzögert haben". Auch aktuell haben die Planer noch diverse Projekte in Petto, die angedacht werden. "Bestehende Kitas zu erweitern ist einfacher, aber auch nur begrenzt möglich", erklärt er. Etwa für die städtische Kita Landwasser erwartet die Verwaltung noch vor der Sommerpause einen Grundsatzbeschluss des Gemeinderats für eine Erweiterung um zwei Gruppen.

Geprüft werden Erweiterungen auch in Waltershofen oder Tiengen. Nach Kita-tauglichen Gewerbeflächen wird gefahndet. Eventuell sollen weitere Waldkindergärten eingerichtet werden. Mit Bauverwaltung, Freiburger Stadtbau und verschiedenen Bauträgern sei man in ständigem Kontakt, um "alles zu mobilisieren, was möglich ist". Aber Bauen sei schwierig, weil die Baufirmen allesamt ausgebucht seien. Selbst ein städtischer Hort im Sandfangweg, der eigentlich schon für abrissreif befunden worden war, soll kurzfristig für zwei Kita- und eine Gruppe für unter Dreijährige nutzbar gemacht werden.

Der Wunsch der Eltern nach Wohnortnähe soll möglichst bei der Platzvergabe berücksichtigt werden. "Aber das wird uns nicht in jedem Fall gelingen", sagt Beatus Kamenzin. "Manchen werden wir längere Wegstrecken zumuten müssen." Dem Kita-Ausbau, sagt Stuchlik, habe der Oberbürgermeister Priorität zugesichert. Aber dafür brauche es genügend qualifizierte Fachkräfte. Die würden auch in Freiburg rar. Wie viele fehlen, war nicht zu erfahren. Manche Kitas mussten aber schon Öffnungszeiten einschränken, weil Erzieherinnen krank oder schwanger wurden.