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14. Januar 2015

Interdisziplinäre Kunst

Das Kunstforum eröffnet die erste Georg-Scholz-Haus-Ausstellung 2015 / Werke von Beate Spitzmüller und Robert Würth.

WALDKIRCH. Am kommenden Sonntag, 18. Januar, startet die Ausstellungssaison 2015 des Kunstforums Waldkirch im Georg-Scholz-Haus mit einer Doppelausstellung. Die Juroren des Kunstforums haben dafür zwei Kunstschaffende ausgewählt, Beate Spitzmüller und Robert Würth, die beide interdisziplinär arbeiten. Sie nutzen die Synergie und Methoden verschiedener Fachrichtungen. Transformationen, im Sinn von Umwandlungen, sind der gemeinsame Nenner der Ausstellenden.

"Da sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht": Beate Spitzmüller fühlt sich verstanden, wenn ihre Bildbearbeitungen von Fotos, aufgenommen in irischen Wäldern, diesen Eindruck hinterlassen. "Das Wesentliche herauskristallisieren" ist ihr Ziel, wenn sie eine Transformation der Realität "Wald" angeht, im wesentlichen Schwarz, Weiß und stellenweise Grün als Farben übrigbleiben, um "die Kraft der Biomasse sichtbar zu machen", wie sie erläutert.

Aus ihrem Gesamtwerk zeigt die Künstlerin Arbeiten, die überwiegend in den letzten drei Jahren entstanden. Daher fehlen Fotoserien zum Beispiel der Ostsee, regelmäßig aufgenommen zu verschiedenen Uhr- und Jahreszeiten, um damit erlebte Zeit so zu transformieren, dass sie in ihrer Summe sichtbar wird. Mittlerweile geht sie dafür einen abstrakteren Weg, nimmt sich jeden Tag früh morgens zum Beispiel fünf stoppuhrgemessene Minuten Zeit, um frei assoziativ Bleistiftlinien zu zeichnen, wobei "Erinnerungsstrukturen" an die Zeit zwischen Wachen und Träumen entstehen.

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Zu dieser Vorgehensweise hat sie der Komponist Steve Reich inspiriert, ein Pionier der Minimal Music. Dementsprechend ist das Liniengefüge in Beate Spitzmüllers Serien von Fünfminutenzeichnungen eher fließend bis rhythmisiert, zeigt wiederkehrende Linien, wie Tonwiederholungen, und ist nicht "minimal artig". Mit den Vertretern der Minimal Music verbindet die gebürtige Offenburgerin, die in Berlin lebt, das Interesse an Zusammenhängen wie ökologischer und interkultureller Art, die sie in Kompositionen transformiert.

Technisch wie inhaltlich vielschichtig sind Robert Würths Synergien aus Literatur und Bild. Aus rund drei Metern Entfernung betrachtet, vermittelt zum Beispiel das Bild "Der gläserne Sarg" aus "Schneewittchen" einen dreidimensionalen Eindruck, wegen der jeweils mit etwas Abstand hintereinander liegenden Bildebenen.

Würth hat 2012 ein Buch mit dem schlichten Titel "Linoldruck: Motivwahl, Schneiden, Drucken" veröffentlicht, in dem er in die Hochdrucktechnik, die wie ein Stempel funktioniert, einführt. Er veranstaltet neben seiner freischaffenden, produzierenden Tätigkeit auch Workshops, unter anderem für Lehrkräfte.

Fünfminutenzeichnungen und Bilder zum

Hindurchgehen

Ein Ansatz, um seine in Waldkirch ausgestellten Werke zu verstehen, ist seine Fähigkeit, Techniken und Motive zu vermitteln, wie im Kabinett des Scholz-Hauses, einem kleinen Raum im Obergeschoss, mit einer Installation und Bildern zum Thema "Das böhmische Meer": Schiffsmotive, gestaltet als Farbholzschnitte auf Baumwolle und Gaze auf Keilrahmen, sind wie Seiten eines aufgeschlagenen Buches aufgestellt. Es besteht so die Möglichkeit in die mannshohe Installation einzusteigen, und durch eine Bildebene hindurch die nächste zu betrachten. Wie es aussieht, wenn die Farbholzschnitte aber auf eine Fläche gedruckt werden, ist auf drei Bildern an der Wand zu entdecken. Als Motiv hat er dafür Versatzstücke aus der Literatur aufgegriffen, wie "Böhmen am Meer", eine in Wirklichkeit nicht existierende Landschaft aus Shakespeares "Ein Wintermärchen".

Zu einem Meer gehören Schiffe. Folglich und um zu zeigen, dass ein in Eitempera, Alkydharztempera und Öl auf Baumwolltuch gemaltes Schiff eine ganz andere Bildwirkung hat als ein im Hochdruckverfahren aufgedrucktes Bild, hat Würth drei Bilder in die Werkliste zur Ausstellung aufgenommen, die ein Modell von Columbus’ Flaggschiff, der "Santa Maria", von verschiedenen Seiten zeigen.

Info: Ausstellung von Beate Spitzmüller und Robert Würth vom 18. Januar bis 22. Februar (Donnerstag 17 bis 20 Uhr, Freitag/Samstag 15 bis 18 Uhr, Sonntag 10 bis 13 Uhr geöffnet). Vernissage am Sonntag, 18. Januar, 11 Uhr; ein Kunstgespräch mit beiden Künstlern am Samstag, 24. Januar, 19.30 Uhr.

Mehr Infos, auch zum Begleitprogramm: http://www.georg-scholz-haus.de

Autor: Ernst H. Bilke und Katja C. Weber