Aqua – Team

Derber Humor würzte das Heringsessen in Inzlingen

Maja Tolsdorf

Von Maja Tolsdorf

Mo, 12. Februar 2018 um 18:01 Uhr

Inzlingen

Eher derb zur Sache ging es traditionell beim Heringsessen in Inzlingen am Rosenmontag. Dabei verabschiedete sich ein Urgestein standesgemäß.

Der Montagmorgen ist zur Inzlinger Fasnacht gefühlt eine Fortsetzung des freitäglichen Dorfobe. Es scheint denkbar, dass die Inzlinger Narren in den zwei Tagen dazwischen nichts anderes gemacht haben, als die Fasnacht zu feiern. Erstaunlich, dass ihnen darüber die Energie nicht ausgegangen ist. Trotz deutlicher Zeichen der Müdigkeit in vielen Gesichtern wird umso fröhlicher und lauter gefeiert.

Als Symbol für diese grenzenlose Feierlaune könnten die Narrenrufe gelten, die seit Freitagabend um ein Vielfaches angewachsen sind. Am Montagmorgen wird sich alles Mögliche zugebrüllt. Zur Kaffi-Waie, gesellt sich der Ruf "Aqua – Team" und natürlich funktioniert das Spiel mit dem Vorsprecher und der zurückrufenden Meute auch mit Vor- und Nachnamen, wie die der beiden Musiker Helmut Ritter (Gitarre) und Heinz Rüsch (Akkordeon).

Nichts für Menschen, die morgens Ruhe brauchen

Dazu schallen die Namen der Cliquen durch den Raum wie Schlurbi – Clique und Dännle – Hexe. Definitiv nichts für Menschen, die morgens Ruhe brauchen, um langsam wach zu werden. Und nichts für solche mit empfindlichem Magen, denn die Schnitzelbänke führten an diesem Morgen auch in die Tiefen des Verdauungssystems.

Ein Meister dieses Fachs ist Ludwig Muchenberger. Kollektiver aber ganz und gar zugewandter Ekel, der für tosendes Gelächter und ebensolchen Applaus sorgte, erntet er für seine Reime über den Weg des Herings, ob er nun den über vorne oder hinten raus nimmt. Es gehört eben dazu beim Heringsessen und das ist gut so.

Doch bevor Ludwig Muchenberger die Lachmuskeln strapazieren konnte, waren Harold Stern als "Eiermann Guschti" sowie der "Nachtwächter und sein Sohn", Sven und Marlon Andris dran. Fast hofft der Zuschauer, dass der elfjährige Junge eine lange Karriere auf der Bütt vor sich hat.

Eine gelungene Nachwuchsarbeit ist besonders wichtig

Denn eine gelungene Nachwuchsarbeit sei laut Harold Stern besonders für die traditionellen Elemente der Fasnacht wichtig, wie die Schnitzelbänke und das Schmieden von Sketchen und Reimen. "Sonst wird es das in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr geben, was ich sehr schade fände", sagt Stern.

Der junge Andris jedenfalls ist freudig und selbstbewusst bei der Sache und beim Publikum beliebt. Lacher und lauten Applaus bekommt er für die Präsentation seiner Verse über das "Porzellansyndrom", mit dem eine Frau beim Arzt vorstellig wird. Dieser meint zum Ehemann: "Gesund isch ihri Frau Gott sei Dank, es fehle ihr nur e paar Tasse im Schrank".

Dichterpreis 2018 geht an Harold Stern

Gewohnt in Form zeigte sich Harold Stern, wobei der Zuschauer beim Heringsessen etwas geneigter war, die Verse des Eiermanns Guschti zweideutig zu betrachten. Stern verzieht keine Miene, obwohl schon das Wort "Eier" so oder so verstanden werden kann. Frau Müller und Frau Maier sollen gesagt haben: "Guschti, ich stand uf dini Eier" und Stern reimt dazu: "Meine Damen Sie müssen scherzen, weil was macht denn das für Schmerzen".

Für sein Engagement wurde Stern bei diesem besonderen, weil 20. Heringsessen im Aquarianerheim geehrt. Er bekam von Ernst Kramer, dem Zweiten Vorsitzenden des Aquarianer-Teams, den Dichterpreis 2018 verliehen. Auf charmante Art nahm Wagner Sterns Gedichte im Gemeindeblatt aufs Korn, so dass auch der Autor selbst nur laut lachen konnte.

Der Heringsbändiger zum letzten Mal in der Bütt

Doch zum 20-jährigen Bestehen des Heringsessens im Heim der Aquarianer gab es auch eine schlechte Nachricht, denn Ludwig Muchenberger sagte, dass er zum letzten Mal als Schnitzelbänkler dabei sei. Die Besucher sollten ihren Hering genießen, anstatt sich bei seinen Vorträgen zu ekeln, meinte Muchenberger.

Und trotzdem gab es zum Abschluss noch einen kollektiven Ekel-Moment: Beim Shake-Hands mit Fisch dazwischen, zum Dank für einen gelungenen Vortrag von Ernst Kramer wurde schlagartig klar, dass der Hering am Band um den Hals von Ludwig Muchenberger keine Attrappe aus Plastik war. Situationskomik dann bei der Verleihung der Plakette zum 20. Heringsessen im Aquarianer-Heim: Der Hering am Band löst sich.

Muchenberger hatte ihn auf seinen Rücken geschoben, um am Hals Platz für die hölzerne Plakette zu machen. Dabei fällt der tote Hering zu Boden. Tosendes Gelächter und Applaus seitens des Publikums. Als der Applaus abebbt, sagt Muchenberger: "Jetz isch er mir hintenuse ab" und die Zuschauer lachen aus voller Kehle. Ein Heringsessen ohne den "Heringsbändiger" ist nur schwer vorstellbar, zumindest wird es anders sein, das 21. Heringsessen im kommenden Jahr.