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08. Mai 2009 11:06 Uhr

BZ-Jugendredaktion unterwegs in Breisach, Ihringen und Vogtsburg

Auf der Suche nach Europa

Europa – dieser Name steht für eine geografische, politische und wirtschaftliche Einheit. Doch woran merkt man in Breisach, Ihringen und Vogtsburg, dass wir ein Teil dieser Gemeinschaft sind? Die BZ-Jugendredaktion hat sich auf die Suche nach Spuren begeben.

  1. Die Jugendredaktion nahm bei ihrer Suche nach Europa auch Breisach genau unter die Lupe. Foto: Benjamin Bohn

  2. Yelka Mielack beschäftige sich genauer mit der Statue auf dem Breisacher Münsterberg. Foto: Benjamin Bohn

  3. Christine Aniol informierte sich bei Stadtarchivar Uwe Fahrer. Foto: Benjamin Bohn

  4. Bei der Suche der BZ-Jugendredaktion zog es die neugierigen Nachwuchsreporter auch auf die andere Seite des Rheins. Foto: privat

  5. Kevin Engist befasste sich bei Infobest mit dem Beratungsangebot für Grenzgänger. Foto: Christine Aniol

  6. Die Nachwuchsreporter der BZ-Jugendredaktion suchten auch im Weinkeller der Familie Keller nach Weinboten aus Europa. Foto: privat

  7. Benjamin Bohn kostete einen edlen Tropfen aus dem Weinkeller der Familie Keller in Oberbergen. Foto: Christine Aniol

  8. Ines Süßle (links) und Julia Liebermann entdeckten das in Wasenweiler das Wattwiller Brünnele. Foto: Christine Aniol

  9. Auch in Schelingen wurde die Bz-Jugendredaktion fündig. Die „Gongolfquelle“ erzählt von einem europäischen Heiligen. Foto: Christine Aniol

  10. Da drüben auf dem Eckartsberg in Breisach steht das Europalicht und die Europafahne weht im Wind. Foto: Benjamin Bohn

Wo ist denn nun Europa? Auf den ersten Blick ist nichts zu entdecken. Doch es hilft, die Informationstafel in der Breisacher Innenstadt genau unter die Lupe zu nehmen. Plötzlich erkennen wir unter dem Vergrößerungsglas Hinweise auf einen ganz besonderen Weg. Kleine, blaue Schilder mit einem gelben Symbol darauf markieren die Route – ein Zeichen für Europa. Das Symbol hat die Form einer Jakobsmuschel und sieht auf seinem blauen Hintergrund aus wie eine kleine europäische Flagge. Zu Hauf sind die Schildchen in Breisach und auch in Burkheim zu entdecken, denn wir sind auf dem Badischen Jakobsweg, einem der zahlreichen Pilgerpfade. Würde man den Wegweisern quer durch Frankreich und Spanien folgen, käme man irgendwann in Santiago de Compostela an.

Mehr als eine göttliche Skulptur beim Rathaus

Da steht er am Rande des Breisacher Marktplatzes, der Europabrunnen. Erbaut wurde er 1962 als Zeichen grenzenloser Verbundenheit der Menschen. Die Skulptur am Brunnen stellt ein Paar dar, das gemeinsam nach Europa schreitet. Mühsam geht es dann die lange Schänzletreppe hinauf. Zwischen Rathaus und Münster steht dort eine Statue: Ein großer Stier mit einer Frau auf dem Rücken. Die Tafeln daneben verraten, dass der Stier den verwandelten Göttervater Zeus darstellt. Die Frau auf seinem Rücken ist eine Königstochter, Europa, nach der auch der Kontinent benannt wurde. Bevor wir uns auf den Weg zurück in die Unterstadt machen, schauen wir noch vom Münsterplatz zum Eckartsberg hinüber. Dort standen früher eine Burg und ein Kloster. Heute sieht man von weitem die Europafahne im Wind wehen. Diese Fahne und das Europalicht erinnern an die Breisacher Europaabstimmung im Jahr 1950. Besonders freundschaftlich verbunden ist Breisach mit Saint Louis und Neuf-Brisach. Auch Ihringen und Vogtsburg haben Partnerschaften mit europäischen Gemeinden. Sehr engen Kontakt pflegen auch Burkheim und Sigolsheim. Das kleine Städtchen ist mit der Gemeinde im Elsass schon seit über 40 Jahren verschwistert.

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"Engagement für etwas Neues zahlt sich aus!"

Wie wurde Breisach zur Europastadt? Die beste Adresse, um Antworten auf diese Frage zu finden, ist Stadtarchivar Uwe Fahrer. Vor Jahren organisierte er sogar eine Ausstellung zum Thema Europa im Stadtmuseum. "Die Grenze zwischen Breisach und Frankreich war anfangs eine kleine Hütte", berichtet er und kramt verstaubte Aufnahmen aus vergangenen Zeiten hervor. Auch Fotos von der Europaabstimmung aus dem Jahr 1950 sind dabei. "Wie stehen Sie zum Zusammenschluss aller europäischer Völker zu einem europäischen Bundeststaat?", beantworteten die Bürger der Münsterstadt damals mit einer überwältigenden Mehrheit mit "Ja!" Von da an war Breisach, die sogenannte Europastadt, in aller Munde. "Nach dem Krieg haben die Menschen verstanden, dass nur ein friedliches Miteinander wirklich Zukunft hat", betont Fahrer, und zeigt Zitate, die dies belegen. Eines wird uns bei all den Dokumenten, alten Zeitungsartikeln und Bildern in Fahrers Archiv schnell deutlich: Viele setzten sich mit Begeisterung für etwas Neues, für einen Staatenbund, ein. Und das hat sich bis heute wahrlich bewährt.

Wo der Blick aufs Münster am Schönsten ist

Die Nähe Breisachs zu Frankreich fordert uns regelrecht auf, "la République française" zu besuchen. Mit einem echt britischen Auto fahren wir über die Rheinbrücke und lassen Deutschland hinter uns. Wir betreten französischen Boden. Das ist es also, das Land des Baguettes und des Rotweins. Zunächst sehen wir nicht mehr als Autos und eine Baustelle. Aber das ist nicht alles. Schwäne tummeln sich am Rheinufer, die Sonne strahlt freundlich vom Himmel, Bäume, Blumen und Sträucher blühen und alles scheint uns entgegen rufen zu wollen: "Bienvenue chers membres de la rédaction jeune! Vive la France!" Ja, das ist es, wonach wir gesucht haben. Der Weg über die Grenze hat sich schon jetzt gelohnt. Denn eines gibt es trotz der Grenzenlosigkeit Europas eben doch nur am französischen Rheinufer: Den Blick nach Deutschland und auf das Breisacher Münster.

Was heißt "Personalausweis" auf Französisch?

Täglich überqueren viele Menschen den Rhein, um im Nachbarland zu arbeiten. Das ist natürlich auch mit dem ein oder anderen Problem verbunden. Hilfe gibt es dann bei Infobest Vogelgrun-Breisach. Die Beratungsstelle hat seit kurzem ein neues Büro auf der Rheininsel bezogen und hilft Grenzgängern beispielsweise bei Fragen zu Steuersystem, Krankenversicherung und Rente. "Die makaberste Anfrage war, als jemand seine Oma in Frankreich einäschern wollte", erzählt die deutsche Referentin Anette Fuhr. Gemeinsam mit 4 weiteren Frauen, darunter auch Projektleiterin Carmen Becker, bearbeitet sie die Anfragen. Besonders viel zu tun gibt es meist, wenn die Steuererklärung fällig wird. Dreimal pro Woche bietet Infobest Sprechstunden an. Aber auch per Mail oder Telefon werden Fragen beantwortet. Neben dem bürgernahen Büro betreut das Team auch grenzüberschreitende Projekte oder ist bei Messen mit einem Werbestand vertreten. Außerdem hat das Team ein Glossar für Grenzgänger erarbeitet. Darin kann beispielsweise nachgelesen werden, was "Saison-Kurzarbeitergeld" auf französisch oder "carte nationale d’identité" auf deutsch heißt, nämlich Personalausweis.

Wein verbindet die Menschen über Grenzen hinweg

Kühl wird es im Bergkeller des Schwarzen Adlers in Oberbergen. Hier, wo die Weine lagern, bleibt die Temperatur das ganze Jahr über konstant bei 12 Grad Celsius. Auch hier werden wir fündig. Bis unter die Decke stapeln sich unzählige Weinkisten, beispielsweise mit edlen Tropfen aus dem Burgund. Nicht schlecht staunen wir über eine echte Weinrarität – ein Chateau Margaux aus dem Jahre 1901. Bei einer kleinen Weinprobe überzeugen wir uns selbst von der Spitzenqualität der Burgunder. Die Kunden des Schwarzen Adlers kommen aus ganz Europa und auch viele Grenzgänger arbeiten in dem Betrieb. Einen ganz besonderen Burgunder haben wir auch in Schelingen gefunden. Der Brunnen im Dorf trägt den Namen "Gangolfquelle" und verweist auf den Märtyrer aus dem Burgund. Im 8. Jahrhundert brachte er eine versiegte Quelle wieder zum Sprudeln. Als Heiliger aus dem Frankenreich wird er in ganz Europa verehrt.

Planschen im eiskalten Nass der Freundschaft

Gibt es auch in dem kleinen, beschaulichen Ort Wasenweiler Spuren Europas zu entdecken? Schnell erregt ein idyllisches Plätzchen mitten im Dorf unsere Aufmerksamkeit. "Am Wattwiller Brünnele – A la fontaine de Wattwiller", verkündet ein Schild. Das muss er sein, der Sandsteinbrunnen, Symbol der Freundschaft zweier Gemeinden: auf der deutschen Seite Wasenweiler, auf der französischen Wattwiller. Heute ist das Dorf eher ruhig. Alte Villen und die verfallenen Anlagen eines Kurbades lassen allerdings darauf schließen, dass dort einst viel los war. Seit mehr als 40 Jahren besteht diese Partnerschaft und anlässlich des Jubiläums vor vier Jahren überreichte Jacques Muller, der Bürgermeister von Wattwiller, der Gemeinde Wasenweiler einen Brunnenkopf. Dieser hat die Form von Händen, die sich vereinigen, um Wasser zu spenden. Wir lassen es uns nicht nehmen, uns am kühlen Nass zu erfrischen und in dem eiskalten Wasser den Geist von Europa und grenzüberschreitender Freundschaft zu spüren.

Autor: Christine Aniol, Benjamin Bohn, Ines Süßle, Julia Liebermann, Kevin Engist, Yelka Mielack