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25. Mai 2009 16:21 Uhr

Jungwähler diskutieren im Kolleg St. Sebastian

"Europa ist unübersichtlicher geworden"

Über Möglichkeiten und Grenzen der Europa-Wahl diskutierten Schüler am Kolleg St.Sebastian, die in diesem Jahr zum ersten Mal wählen dürfen. Trotz Skepsis: Wählen wollen sie alle.

  1. Sie diskutierten über Politik: Schüler der 13. Klasse im Kolleg st. Sebastian mit Fachlehrer für Geschichte, Bernhard Küstner (rechts). Foto: ulrich kluge

STEGEN. Abiturienten des Kollegs St. Sebastian, die am 7. Juni erstmals zur Wahl gehen, diskutierten unter der Leitung des Fachlehrers für Geschichte, Bernhard Küstner, die Möglichkeiten und Grenzen der Europa-Wahl. Es war eine aufschlussreiche Lehrstunde für alle, die sich um ein Mandat im Europaparlament bewerben. Sie haben es mit jungen Menschen zu tun, denen die europäische Gemeinschaft viel bedeutet, die aber auch hohe Ansprüche an die politische Arbeit der Parlamentarier stellen.

Lebhaft ging es in der Diskussion um die Frage zu, wie sich ein Jugendlicher in erster Linie fühlt: als Deutscher oder als Europäer? Eine einheitliche Meinung war in diesem Punkt nicht zu erwarten. Die europäische Gemeinschaft erschien aber in der Diskussionsrunde allen als Sammlung von Nationen mit eigenen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Elementen, die bisher nicht zu einer Einheit verschmolzen sind. Aber die Entwicklung Europas, so lautete eine gemeinsame Erkenntnis, ließ auch in Politik, Gesellschaft und Kultur Schnittmengen entstehen, mit denen man sich durchaus identifizieren kann, insbesondere dann, wenn man auf Europa von jenseits der Grenzen des Kontinents blickt.

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Die Jugendlichen betonten das Dilemma, in dem sie sich persönlich bei der Europa-Wahl befinden, denn sie geben ihre Stimme jeweils einer Partei, deren Ziele ihnen ungenau erscheinen. Auch die Kandidaten entzögen sich einer genauen Kenntnisnahme. Bilder und Namen auf den Plakaten blieben in ihrer beabsichtigten Wirkung blass.

"Brüssel", auch das wurde deutlich, "ist weit", die Beschlüsse des Parlaments "kommen "unten nicht an".

Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde das Unbehagen an den Inhalten des Wahlkampfs deutlich. Die schlagwortartigen Wahlversprechen erschienen vielen in der Diskussionsrunde als unrealistisch. Die Jugendlichen bezweifelten die Durchsetzbarkeit von Programmen in der versprochenen Art und Weise in einem Parlament, das von unterschiedlichen Interessen geprägt sei.

Europa sei "unübersichtlich geworden", so dass die parlamentarische Praxis dringend reformbedürftig erscheint. Der Wahlbürger verliert, so die unbestrittene Meinung aller, nach der Wahl die Verbindung zu den Gewählten und die Übersicht über ihre Arbeit: "Man sieht immer nur das politische Produkt, kann es aber mit seiner Wahl nicht mehr in Verbindung setzen". Verantwortlich für die wachsende Distanz zwischen Wählern und Mandatsträgern seien auch die Medien mit ihrer politisch einseitigen, selektiven und wenig praxisorientierten Berichterstattung. Lebhafte Diskussion löst der Vorschlag aus, die direkten Einflussmöglichkeiten der Wähler auf die parlamentarische Praxis zu stärken. Wenn auch in diesem Punkt unterschiedliche Meinungen herrschten, waren sich die Jugendlichen in einem zentralen Punkt einig: "Nicht wählen ist keine Lösung".

Das Projekt "Jugend wählt die Politik" wird unterstützt von der Landeszentrale für politische Bildung (LpB), der Landesanstalt für Kommunikation (LfK) und dem Landesjugendring (LJR). Alle Beiträge sind unter http://www.badische-zeitung.de zu finden.

Autor: Ulrich Kluge