Im Internet radikalisiert

Jugendlicher wegen Terrorplanungen im Rhein-Main-Gebiet gefasst

dpa

Von dpa

Do, 13. September 2018 um 17:45 Uhr

Deutschland

Er hatte schon Chemikalien zum Bau eines Sprengsatzes: Spezialkräfte der Polizei haben in der Wetterau einen 17-jährigen mutmaßlichen Islamisten festgenommen. Er soll sich im Internet radikalisiert haben.

Wegen des Verdachts auf Vorbereitung eines islamistischen Terroranschlags im Rhein-Main-Gebiet ist ein 17-Jähriger festgenommen worden. Der Jugendliche mit deutscher und türkischer Staatsangehörigkeit sei am 1. September in Florstadt im Wetteraukreis in der Nähe seines Elternhauses gefasst worden, teilte die Frankfurter Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Der geständige Jugendliche sitze in Untersuchungshaft. Zu Einzelheiten der Planung wollte sich die Ermittlungsbehörde nicht äußern.

Der Jugendliche soll einen Anschlag mit hochexplosivem Sprengstoff geplant und bereits mit dessen Vorbereitung begonnen haben, teilte ein Sprecher mit. Bei Durchsuchungen seien bei ihm geringe Mengen von Chemikalien sichergestellt worden, mit denen ein Sprengsatz hätte gebaut werden können. Den bisherigen Erkenntnissen zufolge soll sich der 17-Jährige im Internet eine Anleitung zum Bau einer Sprengvorrichtung verschafft und versucht haben, Chemikalien über einen Internet-Versandhandel zu erwerben. Damit hätte der Sprengstoff Triacetontriperoxid (TATP) hergestellt werden können.

Was war sein Ziel?

Die bei ihm zuhause entdeckten Chemikalien hätten den Angaben zufolge aber nicht ausgereicht, einen Sprengsatz zu bauen. Der Jugendliche habe sich im Internet radikalisiert, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur.

Nicht kommentieren wollte dieser einen Online-Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach der 17-Jährige eine Schwulenbar oder Moschee in Frankfurt im Visier gehabt habe und als psychisch labil gelte. Er habe erzählt, vor drei Wochen von mehreren Männern vergewaltigt worden zu sein. Sein Motiv sei Rache gewesen. Die Staatsanwaltschaft sprach dagegen von einem islamistischen Motiv.

Den Ermittlungen lag den Angaben zufolge ein Hinweis des Bundesamts für Verfassungsschutz zugrunde. Die Festnahme erfolgte demnach durch Spezialeinheiten des Landeskriminalamts, das auch die weiteren Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat führt. Dass die Festnahme erst jetzt bekannt gegeben wurde, begründete der Sprecher der Staatsanwaltschaft mit ermittlungstaktischen Gründen.

Viele sehr junge Anhänger

Der Verfassungsschutz geht derzeit von 4170 Islamisten in Hessen aus, die Zahl ist demnach seit einigen Jahren in etwa gleich. "Extremistische Gruppierungen zielen bei der Anwerbung von Mitgliedern vor allem auf Jugendliche und Heranwachsende ab, weil diese in der Regel noch eher beeinflussbar und der Gefahr einer Radikalisierung deshalb stärker ausgesetzt sind als Erwachsene", erklärte ein Sprecher des hessischen Verfassungsschutzes am Donnerstag.

Auch nach Angaben der Frankfurter Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter gibt es bei Salafisten, aber auch gewaltbereiten Dschihadisten eine hohe Zahl sehr junger Anhänger. Diese seien leichter zu beeinflussen, sagte die Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Goethe-Universität der Deutschen Presse-Agentur. Die Propaganda sei "relativ einfach gestrickt" mit klarer Einteilung in Gut und Böse, Gläubige und Ungläubige. "Es gibt da wenig Grautöne."

Viele Jugendliche hätten während der Pubertät Probleme mit den Eltern oder der Schule und steckten in einer Krise. "Das macht sie zusätzlich anfällig für Radikalisierung." Meist werde in einer Gruppe gehandelt, sagte Schröter. "Dass jemand ganz für sich alleine einen Anschlag plant und auch durchführt halte ich für eher unwahrscheinlich."