Innenstadt

Tipps von Downtown-Teams: Spikeys schützen vor K.O.-Tropfen

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Mo, 27. Januar 2014 um 11:24 Uhr

Freiburg

Freitagnachts sind häufig die Teams vom Downtown-Street-Projekt in der Innenstadt unterwegs und informieren junge Partygänger. BZ-Redakteurin Julia Littmann hat eines von ihnen begleitet.

Es geht auf Mitternacht, ein eiskalter Wind pfeift durch die Kaiser-Josef-Straße und im nächtlichen Strom der Partygänger bibbern bei zwei Grad Minus auch drei, die in ihren knallroten Westen auffallen: Johann Sening, Gerson Kern und Regina Becker sind Freitagabends als "Downtown-Street-Team" von zehn Uhr abends bis zwei Uhr morgens in der Innenstadt unterwegs, um junge Leute zwischen 14 und 23 auf die Gefahren der sogenannten K.O.-Tropfen (siehe Infobox am Fuß der Seite) aufmerksam und Hilfsangebote bekannt zu machen.

"Ey, cool", findet auch gleich schon einer, der mit Freunden unterwegs ist, "das wissen irgendwie immer noch zu wenige, wie krass das Zeug ist!" Die Freunde nicken. Die Resonanz auf die Downtown-Teams sei immer positiv, erzählt Johann Sening. Der 24-jährige Sozialarbeit-Student war schon oft im Einsatz, seit kurzem ist er zusammen mit Gerson Kern, 23, Projektleiter. Beide sind auch Teamleiter in Zehner-Teams. Zu denen gehört auch die 21-jährige Regina Becker.

Horrorerlebnis in einem Club in Berlin

Seit gut drei Jahren gibt es das Downtown-Street-Projekt, das als "diakonische Suchtprävention und Lebenshilfe für Jugendliche und junge Erwachsene im Disco-Milieu" beschrieben wird. Fast 1000 junge Menschen sprachen die Projektleute 2013 an. Dass an diesem Abend gleich drei Studierende unterwegs sind, sei Zufall, erklärt Gerson Kern: "Wir ehrenamtlichen Teamer kommen aus den verschiedensten Bereichen – einer ist zum Beispiel Hotelier."

Eine kleine Gruppe begegnet den Downtown-Street-Leuten: Drei auf Partytour. Als Gerson Kern sie anspricht, reagieren sie mit Zustimmung. "K.O.-Tropfen sind ein Riesenmist", bestätigt June Bug. Regina Becker fragt nach: "Hast du selber da schon Erfahrung mit gemacht?" Tatsächlich berichtet die junge Frau von einem Horrorerlebnis in einem Club in Berlin: "Ein Typ hatte mich auf einen Drink eingeladen. Zuerst dachte ich, es kommt vom Alkohol, dass mir schlagartig schwindlig wurde und ich sofort keine Peilung mehr hatte. Dann wurde mir klar, dass es K.O.-Tropfen gewesen waren." Sie habe keine Panik bekommen, habe einer Freundin Bescheid gesagt – und sei am Ende mit heiler Haut aus der bedrohlichen Situation herausgekommen.

Spikey schützt vor K.O.-Tropfen

Johann Sening hat schon viele solcher Berichte bei den freitäglichen Team-Touren durch die Innenstadt gehört. "Und doch hören wir oft, mir wird schon keiner was in mein Getränk tun", betont Norbert Aufrecht als einer der beteiligten Träger-Leiter, der Evangelischen Gemeinde Dreisam 3. Als sehr tauglich hätten sich die kleinen Plastikstöpsel "Spikey" erwiesen, die die Teams im Gespräch den Jugendlichen geben – zusammen mit Notfallnummern und praktischen Hinweisen. Dank Spikeys kann keiner im Vorbeigehen Tropfen in die Flasche füllen. June Bug nimmt welche mit und lobt: "Das ist so was von wichtig, was ihr hier macht."
Stichwort: K.O.-Tropfen

Die sogenannten Knockout-Tropfen sind üblicherweise Chemikalien oder Medikamente, die narkotisch wirken. Häufig kommen sie im Zusammenhang mit Sexualdelikten oder Raub zum Einsatz – und oft lösen sie einen Filmriss aus, so dass sich die Opfer nicht mehr an den Tathergang erinnern können. Dazu kommt, dass die Substanzen oft schon nach wenigen Stunden nicht mehr im Körper nachweisbar sind.

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