Kandern

Feinstaub-Klage gegen Kandertalbahn: Bürgermeister setzt auf Entscheidung des Gerichts

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Di, 03. Juli 2018 um 20:17 Uhr

Kandern

Kanderns Bürgermeister Renkert wehrt sich gegen die Vorwürfe der Bürgerinitiative, er habe nach dem Gutachten zu den Luftschadstoffen durch die Kandertalbahn Gesprächsangebote abgelehnt.

"So ein fast 200 Seiten starkes Gutachten kann man doch nicht innerhalb weniger Tage durcharbeiten und dann mit den Betroffenen diskutieren. So etwas muss man vorbereiten", kommentiert Bürgermeister Christian Renkert den Vorwurf der Bürgerinitiative Zukunftsfähige Kandertalbahn, er sei auf deren Gesprächsangebote nicht eingegangen. Erst Ende März habe die BI ihn von den Messungen und dem Gutachten informiert. Dann habe es noch einige Zeit gedauert, bis ihm das Gutachten überhaupt vorlag.

Der Versuch, die Daten zu interpretieren, sei keinesfalls einfach, so Renkert. Allein schon der Abgleich der Messungen mit den Fahrtagen und dem Fahrplan der Kandertalbahn sei aufwendig gewesen. Dabei habe sich aber für ihn auch gezeigt, dass die Spitzenwerte aus der Feinstaubmessung keineswegs immer mit den Fahrten der Dampflokomotive korrelierten.

Feinstaub konnte nicht immer gemessen werden

Dass die Interpretation der Daten nicht ganz einfach ist, bestätigt auch Hanspeter Lais, der Sprecher der Bürgerinitiative. In dem fünfwöchigen Zeitraum der Messung durch die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg fallen sechs Fahrtage. An vier der Fahrtage habe es gewindet und teils auch geregnet, sodass Feinstaub nicht nachgewiesen werden konnte. An einem Fahrtag sei eine Wolke mit Saharastaub über das Markgräflerland hinweggezogen, sodass die Auswertung auch nicht repräsentativ sei. Nur an einem der Fahrtage herrschten für die Messung optimale Bedingungen, was sich dann auch in den punktuell erhöhten Messwerten niedergeschlagen habe. Die LUBW habe daraus gefolgert, dass der Feinstaub "wahrscheinlich" auch von der Dampflokomotive stammen könne.

Zu der Anzeige hält sich Renkert bedeckt. "Nun warten wir ab, was das Gericht zu den Vorwürfen sagt", kommentiert er das schwebende Verfahren – seit Montag liegt die Anzeige nun der Staatsanwaltschaft Lörrach vor. Der erste Vorstoß der BI am 18. Juni war fehlgeschlagen, da der Brief nicht angekommen war.
Als Feinstaub, Schwebstaub oder englisch "Particulate Matter" (PM) bezeichnet man Teilchen in der Luft, die nicht sofort zu Boden sinken, sondern eine gewisse Zeit in der Atmosphäre verweilen. Es ist erwiesen, dass das Einatmen von Feinstaub negativ auf den Gesundheitszustand des Menschen wirkt. Je kleiner die Staubpartikel sind, desto größer ist das Risiko zu erkranken. Kleine Partikel dringen nämlich tiefer in die Atemwege ein als größere. (Quelle: Umweltbundesamt)

Grenzwerte für Feinstaub laut Umweltbundesamt: Im Mitteilungszeitraum von 24 Stunden dürfen 50 µg/m³ PM10 nicht öfter als 35-mal im Jahr überschritten werden, im Mitteilungszeitraum eines Kalenderjahres dürfen 40 µg/m³ PM 10 und 25 µg/m³ PM 2,5 nicht überschritten werden. Als PM 10 beziehungsweise PM 2,5 (PM = Particulate Matter) wird dabei die Massenkonzentration aller Schwebstaubpartikel mit aerodynamischen Durchmessern unter 10 Mikrometer (µm) beziehungsweise 2,5 µm bezeichnet.

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