Leserbriefe

Reinhard Molter

Von Reinhard Molter (Kandern)

Mi, 12. September 2018

Kandern

SUTTER UND SACRAMENTO
Der Sohn war der Stadtgründer
Zum Artikel "Verbinden, was zusammen gehört", BZ vom 8. September.
In dem Artikel wird behauptet Johann August Sutter sei "maßgeblich verantwortlich für die Gründung der Stadt Sacramento".

Das entspricht nicht der Quellenlage. Johann August Sutter hatte schon vor 1848 einen Plan anfertigen lassen zur Gründung einer Stadt namens "Sutterville" etwa drei Meilen südlich von seinem Fort. Während seiner Abwesenheit im Winter 48/49, eingeschneit in Coloma, nutzte Sam Brannan, ein ehemaliger Mormone und jetzt betrügerischer Geschäftsmann in Neu Helvetien die Gelegenheit zu seinem eigenen Vorteil, August Sutter Junior und dessen Mitarbeiter, den Glarner Heinrich Lienhard, von einen anderen Plan zu überzeugen: Nämlich, das Land nahe beim Fort zu parzellieren und Sacramento City zu nennen.

Der Junior hatte zu diesem Zeitpunkt die volle Verfügungsgewalt über das gesamte Eigentum des Seniors und verkaufte die Baugrundstücke, um die immensen Schulden seines Vaters abzutragen. Man kann also diese drei Personen, Brannan, Sutter Junior und Lienhard als die maßgeblich Verantwortlichen für die Gründung von Sacramento City ansehen, auch wenn sie aus ganz unterschiedlichen Beweggründen handelten.

Johann August Sutter Senior war wegen dieses Vorgehens erbost, besonders über seinen Sohn, weil dieser seinen Lieblingsplan "Sutterville" zunichte gemacht hatte. Das zerrüttete Vater-Sohn Verhältnis konnte danach nicht wieder geheilt werden.

Dieses ist nachzulesen in Heinrich Lienhards Erinnerungen und wurde sicherlich nicht ohne Prüfung von den beiden anderen Sutter-Biografen James Peter Zollinger und Bernhard R. Bachmann so übernommen. Der Mythos der Gründung von Sacramento City durch Johann August Sutter geistert zwar durch das Netz. wird aber deshalb genau so wenig wahr wie die Beschönigung, er habe "1834 den Entschluss gefasst, nach Amerika auszuwandern". Er ist vielmehr vor seinen Gläubigern und dem Schuldenturm geflohen und hat Frau und fünf Kinder der öffentlichen Fürsorge überlassen.

Reinhard Molter, Kandern