Stich für Stich entstehen neue Welten

Ines Bode

Von Ines Bode

Do, 13. September 2018

Kandern

Seit über 30 Jahren schafft Kurt Klein mit Nadeln, Garnen und Stickmuster schmucke Bilder.

KANDERN-TANNENKIRCH (inbo). Kurt Klein aus Tannenkirch hat ein – zumindest für Männer – doch eher seltenes Hobby: Seit über 30 Jahren fasziniert ihn die Stickkunst. Seine Wohnung hat sich seither fast in eine richtige Galerie verwandelt. Seit seinem Rentnerdasein reift der Gedanke, wieder einmal eine Hobbyausstellung mit Gleichgesinnten in der Halle in Tannenkirch zu organisieren.

Ein Mann, konkret ein 1,85 Meter großer Hüne, der sich in der Welt der Nadeln, Garne und Stickmuster bewegt? Da liegen Anekdoten quasi auf der Hand. Etwa die von seinem ersten Besuch in einem Handarbeitsgeschäft. Als Mittzwanziger betrat er ein Lörracher Lädele und der Blick der Verkäuferin sprach Bände. Entsprechend fiel die Frage aus, "ob er denn meine, dass die ausgesuchten Dinge der Angetrauten gefallen werden?" Oder die erste Begegnung seiner Liebsten mit ihrer späteren Schwiegermutter. Sie habe am Kaffeetisch gesessen und die gestickte Decke gelobt, erinnert sich Bärbel Klein. Erstaunt erfuhr sie, dass ihr Schwarm das akkurate Werk fabrizierte.

Kurt Klein wuchs zwar mit drei Brüdern auf, doch deren – typisch männliche – Freizeitbeschäftigung sagte ihm nicht zu. Dafür "gumpte mir eines Tages Mutters Stickerei ins Aug". Sein Interesse wuchs, er besorgte sich Rahmen und Vorlagen, begann unspektakuläre Muster zu sticken. Die Premiere mündete in einem Blumenbild, aus heutiger Sicht ein nostalgisches Glanzstück, das man einem Burschen wie ihm eben nicht unbedingt zugetraut hätte.

"In der Anfangszeit gab’s keine feste Richtung, los ging’s mit Blumen, Vögeln, Bauernhof", lacht er. Mit wachsender Erfahrung wurde die Arbeit aufwändiger. Hinzu kamen Favoriten, etwa maritime Motive wie Leuchttürme und Schiffe. Letztere schaukeln so authentisch in hoher See, dass man um den Untergang fürchtet. Angetan hat es ihm aber auch die Figur des Indianers. "Das erklärt sich mit jahrelangem Lesestoff". Die Inspiration nährten zudem Ausstellungen in Karlsruhe und Zürich, an seiner Seite Beraterin Bärbel.

Sie wisse meist, was ihn begeistern könnte, machte ihm gar das "Blaue Pferd" von Franz Marc schmackhaft, heute ein Hingucker im Wohnzimmer. Den auswärtigen Besuchen folgten stets Taten, heraus kamen etwa die imposante Abbildung des geschichtsträchtigen Häuptlings Mato-tope oder auch ein überdimensionales Schachbrett. Das in Lilatönen gehaltene Mammutwerk im extrem feinen Spannstich hat einen Ehrenplatz über dem Sofa.

Hauptsache für ihn, der beruflich einen Posten bei der Lörracher "Milka" hatte, sei das Runterkommen. "Nach einer Viertelstunde bin ich die Ruhe selbst". Irgendwann habe er aufgehört, seine Exponate zu zählen, aber Bärbel Klein ist sicher, dass zwei Zentner Garn im Haus hängen. 364 Nuancen gebe es heute, das Sticken sei nach wie vor angesagt, und auch Klein habe noch viele Ideen. Wenn er im Garten sitze und seine Pfeife rauche, dann ging ihm schon oft ein Licht auf. So wie bei seinem jüngsten Vorhaben. "Mit der Perspektive befinde ich mich in Phase drei", schildert er. Stickvorlagen entwerfe er inzwischen selber und aktuell sei nicht absehbar, wie die "Perspektive" endet – wer ihn kennt, der weiß aber, es kann sich nur um ein neues Meisterwerk handeln.