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29. Juni 2012

Surfen, Strand, Sonne

Kauai ist Hawaii pur

Die Insel Kauai ist touristisch erschlossen, hat sie aber sich einen entspannten Hippie-Charme bewahrt - und ist damit Hawaii pur.

  1. Traumkulisse mit Vulkanen, Steilküste und Traumstränden im Pazifischen Ozean: Kauai dient Hollywood des Öfteren als Drehort für Kinofilme. Foto: Stefan Rother

  2. Urlaub mit Hippie-Feeling: Auf Kauai machen sogar die Bewohner von Waikiki oder Honolulu Urlaub. Foto: Stefan Rother

  3. Sonnenbad am Pazifikstrand: eine Hawaii-Mönchsrobbe Foto: Stefan Rother

  4. Abenteuer Tauchen: Schildkröte auf Erkundungstour Foto: Stefan Rother

Als sich das Flugzeug der Hawaiian Airlines Kauai nähert, beginnen wir unweigerlich, nach Dinosauriern Ausschau zu halten: Zu sehr ähnelt das Panorama der bekannten Landeanflugszene aus dem Film "Jurassic Park". Die soll zwar vor der Isla Nublar vor Costa Rica spielen, tatsächlich wurden aber viele Szenen des amerikanischen Kinohits auf Kauai gedreht.

Einen Tyrannosaurus Rex oder Velociraptoren sehen wir nicht, dafür aber viele andere wundersame Kreaturen – nackte Hippies etwa an verborgenen Buchten oder die Hawaii-Mönchsrobbe, die es gerne den Touristen gleichtut und sich an den Stränden der Insel faul in der Sonne fläzt. Daneben bietet Kauai spektakuläre Küstenwanderungen, eine Variante des Grand Canyon, Möglichkeiten zum Surfen, Tauchen, Paddeln, Radfahren oder einfach auch Nichtstun – und, sozusagen als Krönung, die entspannteste Atmosphäre der ohnehin unaufgeregten Hawaii-Inseln.

Hawaii, im Pazifischen Ozean gelegen, ist nicht nur der 50. Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika, sondern auch eine Inselgruppe. Oahu mit dem berühmten Strand von Waikiki ist eine der acht Hauptinseln des Archipels. Auf Oahu liegt Honolulu, die Hauptstadt des Bundesstaates Hawaii. Die bei Surfern besonders beliebten Strände an der Nordküste mit ihren meterhohen Wellen waren Drehort der Fernsehserie "Lost". Maui war Schauplatz des Romans "Moby Dick". Die zweitgrößte Insel der Gruppe bietet kurvenreiche Küstenstraßen ebenso wie Sonnenaufgänge am Gipfel eines Vulkans. Mehr Vulkane, darunter ein aktiver, gibt es auf der eigentlichen Insel Hawaii – auch The Big Island genannt. Daneben gibt es einige kleine und teils nur beschränkt zugängliche Inseln – und eben Kauai.

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Auf der Leinwand musste Kauai oft als Ersatz für andere Orte herhalten, in letzter Zeit kommt die Insel aber immer öfter zu Kino-Ehren, ohne sich groß verstellen zu müssen. So erzählt "Soul Surfer" die Geschichte der Surferin Bethany Hamilton: Die 13-Jährige wurde beim Surfen am Tunnels Beach an der Nordküste von einem Hai attackiert und verlor dabei ihren linken Arm. Wenige Monate später stand Hamilton wieder auf dem Surfbrett und betreibt, mittlerweile 22, den Sport als Profi.

Ebenfalls einiges von Kauai zu sehen bekamen Kinogänger in der Oscar-prämierten Tragikomödie "The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten" mit Hollywoodstar George Clooney. Kauai macht dabei beste Werbung in eigener Sache – als Ort, an den die Bewohner von Honolulu und Waikiki flüchten, wenn sie Urlaub machen wollen. Auch für die Hawaiianer scheint Kauai also ein ganz besonderer Ort zu sein.

Obwohl die Insel touristisch erschlossen ist, hat sie sich einen entspannten Hippie-Charme bewahrt; wer nennenswertes Nachtleben, eine Universität oder einen Apple Store sucht, ist in Honolulu besser aufgehoben. Die 63 000 Bewohner wehren sich gegen überdimensionierte Tourismusprojekte und genießen ihre relative Abgeschiedenheit.

Für den entdeckungsfreudigen Urlauber sind das gute Nachrichten. Kauai lässt sich gut auf eigene Faust erkunden, allerdings dürften auch leidenschaftliche Befürworter des öffentlichen Personennahverkehrs ein Mietfahrzeug in Erwägung ziehen. Die Küstenstraße umrundet die Insel nur zu etwa Dreivierteln. Im Westen der Insel wird der Kreis durchbrochen: Zum einen erlaubt die Landschaft keine durchgängige Verbindung, zum anderen betreibt die US-Armee hier eine große Basis inklusive Raketentests und einem Radarsystem, das den großen Lauschangriff weit über den Pazifik ermöglicht.

Wer nicht unbedingt direkt am Strand wohnen muss und die Insel erkunden will, ist in der Hauptstadt Lihue gut aufgehoben. Von hier aus kann man effektiv Touren sowohl zur Nord- als auch zur Südküste unternehmen. In Lihue gibt es zahlreiche günstige Restaurants, die von der ethnischen Vielfalt der Insel zeugen. Bei Haimura Saimin etwa gibt es eine großartige Suppe mit hausgemachten Nudeln, für die man den schroffen Service gerne akzeptiert. Hier kann man einen bunten Mix der Ortsansässigen treffen, ebenso nebenan im Rob’s Good Time Grill, einem der wenigen Orte mit aktivem Nachtleben auf der Insel – spontane Karaoke-Einlagen sind keine Seltenheit.

In Lihue können Touristen auch schnell Bekanntschaft machen mit den heimlichen Herrschern der Insel: den Hühnern und Hähnen. Vor allem letztere scheinen sich in einem Zustand des Dauer-Jetlags zu befinden, anders ist es nicht zu erklären, dass sie gerne schon um zwei Uhr morgens wie verrückt anfangen zu krähen. Warum es soviel Federvieh auf der Insel gibt, darum ranken sich viele Geschichten. Eine davon geht so: Die Viecher gingen den Bewohnern im 19. Jahrhundert so auf die Nerven, dass 1863 ein natürlicher Feind eingeführt werden sollte: Mungos. Allerdings biss eines der Raubtiere bei der Ankunft einen Hafenarbeiter in die Hand – und dieser ließ vor Schreck den gesamten Käfig ins Wasser fallen. Seitdem lebt das Federvieh ungestört hier. Dass manche der Inselbewohner sich zudem gerne illegale Kampfhähne hielten, trug wohl nicht zu einer Verminderung der Population bei.

Frühes Aufstehen lohnt auf Kauai. Der vielleicht spektakulärste Ausflug ist eine Wanderung entlang des atemberaubenden Na Pali Coast State Parks.
Der Wanderweg erstreckt sich über elf Meilen (17,7 Kilometer), von denen allerdings nur die ersten zwei Meilen ohne Erlaubnisschein zugänglich sind. Doch schon die bieten ein unvergessliches Erlebnis auf einem schmalen Pfad entlang der Küste.

Während der Trip zu den faszinierenden Hanakoa-Wasserfällen und zurück gut an einem Tag zu bewältigen ist, sollte man sich für die volle Strecke möglichst mehrere Tage Zeit nehmen. Der Grund: Am Ende des Weges wartet das Kalalau-Tal, das Erinnerungen an den mystischen Strand aus dem Film "The Beach" weckt. Einige der Bewohner dort ernähren sich tatsächlich von den Früchten des Waldes und verzichten dafür gerne auf Kleidung – wenn auch nicht unbedingt auf die Bongo-trommeln. Die etwas saturierten Hippies haben sich dagegen im Surferparadies der Hanalei Bay niedergelassen.

Man muss von Lihue aber gar nicht so weit in den Norden der Insel, um spektakuläre Strände zu finden. Es reicht, bis zu der charmant-altmodischen Kleinstadt Kapaa zu fahren, das Auto abzustellen und sich ein Fahrrad zu mieten. Hier beginnt der asphaltierte Küstenweg Ke Ala Hele Makalae, der für nichtmotorisierte Fortbewegungsformen reserviert ist. Einige der Strände entlang des vier Meilen langen Pfads hat man fast für sich selbst. Aber Vorsicht: Die Brandung hier ist tückisch und die Lebensretter von der Lifeguard sind weit entfernt.

Wer lieber auf dem Wasser unterwegs ist, kann sich in Wailua für eine entspannte Kayak-Tour entlang des gleichnamigen Flusses entscheiden. Allerdings steht hier mittendrin eine Wanderung auf dem Programm, die zu einem weiteren beeindruckenden Wasserfall führt.

Zum Wandern und Schwimmen bietet auch die Südküste von Kauai reichlich Gelegenheit. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass mitten in einem gut besuchten Touristenstrand eine Absperrung aufgebaut wird, weil sich eine der vom Aussterben bedrohten Hawaii-Mönchsrobben in der Sonne wärmt. Die Tiere sind streng geschützt, der verbleibende Bestand wird auf nur 600 Tiere geschätzt. Anfängliche Sorgen, es handele sich bei dem riesigen Bollen Fleisch um ein totes Tier sind unbegründet – die Robbe beschränkt sich lediglich auf eine etwa halbstündliche Vierteldrehung.

In den Gewässern um Kauai schwimmen spektakuläre Tiere: Buckelwale können oft vom Land aus beobachtet werden; Taucher können Schildkröten und Rochen beobachten – und an einem besonderen Trip teilnehmen. Ab Ende Mai werden Fahrten zur "verbotenen Insel" Niihau angeboten. Die kleine Insel ist in Privatbesitz einer Familie mit dem Namen Robinson, außerdem leben rund 300 Hawaiianische Ureinwohner auf dem Eiland. Landgänge stehen bei Tauchausfahrten nicht auf dem Programm, dafür eröffnet sich eine fantastische Unterwasserlandschaft, deren Strukturen an Hochhäuser oder Brücken erinnern – und an die tiefsten Welten des surrealen Films "Inception". Wer zudem an einer Steilwand drei Rochen in Formation schwimmen sieht und dazu unter Wasser den Gesang der Wale vernimmt, fühlt sich wahrlich wie in einem mystischen "New Age" Video.

Festen Grund unter den Füßen bietet der Nationalpark des Waimea Canyon im Landesinneren, allerdings auch nicht immer, denn plötzlicher Regen kann die rote Erde schnell in eine Rutschpartie verwandeln. Wer angesichts solcher Witterungsverhältnisse lieber etwas Kultur erleben möchte, wird im nahegelegenen Hanapepe fündig: Die Kleinstadt bietet einer beachtlichen Zahl von Künstlern Heimat, jeden Freitag gibt es eine lange Nacht der Galerien, bei der Besucher von Ausstellung zu Ausstellung wandern können. Wer braucht da noch eine Großstadt wie Honolulu?

Kauai / Hawaii

Anreise: Flüge nach Hawaii führen in der Regel über das amerikanische Festland, sodass man noch einen Stopp in Los Angeles oder San Francisco auf das Programm setzen kann. Ein weiterer Halt steht in Honolulu an, dann müssen die Passagiere meist in kleinere Maschinen umsteigen. Wer mehrere Inseln besuchen will, kann auch vor Ort günstige Flüge zwischen den Inseln buchen. Flugpreise variieren enorm nach Saison und Airline; Flüge knapp unter 900 Euro sind aber möglich.
Kosten: Auch wenn die Hippies im Kalalau-Tal mit wenig auskommen, ist Kauai kein Ort für Billigtouristen; Lebensmittel sind teurer als auf dem Festland, Unterkunft und Transport schlagen ebenfalls zu Buche. Dafür kann man recht günstig essen gehen. Während die Tauchtrips ordentlich ins Geld gehen, gibt es auch viele kostengünstige Aktivitäten, Wanderungen vorneweg.

Internet: http://www.kauai.com

http://www.kauai-hawaii.com  

Autor: rot

Autor: Stefan Rother (Text und Fotos)