Die Schutter – von der Quelle bis zur Mündung (5)

Wo die Wiesen weit sind

Julia Trauden

Von Julia Trauden

Sa, 04. August 2018 um 20:00 Uhr

Neuried

In der Schutterniederung und im Fluss selbst tummeln sich seltene, teilweise bedrohte Tierarten und Insekten.

Ein Greifvogel steigt aus einer Baumkrone auf, breitet seine Flügel aus und gleitet durch die Luft. Nur wenige Meter weiter durchkämmen Störche das grüne Gras der Wiese. Ein Schwarzmilan lässt den Rest seiner Beute während des Fluges aus dem Schnabel fallen. Was sich auf den Wiesen im Umland von Müllen zeigt, ist bezeichnend für das Gebiet an der Schutter. Gleich zwei Vogelschutzgebiete wurden im Abschnitt zwischen Schutterzell und der Mündung in die Kinzig bei Kehl ausgewiesen: die Schutter-Kinzig-Niederung und Gottswald. Ungefähr deckungsgleich ist der Bereich, der nach den europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien als Schutzgebiet "Unter Schutter und Unditz" ausgewiesen wurde.

Für Zugvögel und Wintergäste sind die weiten, offenen Flächen an der Schutter ein wichtiges Rastgebiet: Sie machen hier Halt, um auf Beutejagd zu gehen. Auf dem Speiseplan stehen etwa Würmer, Mäuse und Heuschrecken. Überregional bedeutsam ist das Brutvorkommen des Großen Brachvogels, der die Böden mit seinem langen, gebogenen Schnabel nach Insekten und Würmern absucht. Aber auch einzelne Paare von Kiebitz, Weißstorch, Wachtel, Wachtelkönig, und Rohrweihe haben hier ihre Brutstätten oder Nahrungsgründe. In den Wäldern brüten Vogelarten wie Schwarzmilan, Rotmilan, Wespenbussard und Hohltaube. Sie finden ihre Nahrung ebenfalls im Offenland.

In jedem Frühjahr werden die Wiesen gewässert

Aber nicht nur Vögel sind eine Besonderheit in der Flussniederung. Auch Insekten wie Wildbienen, Falter und Libellen kommen hier in großen Mengen vor. Das ist der Blütenvielfalt in den Wiesen, aber auch der reichen Vegetation im Fluss selbst und am Ufer geschuldet: Flussgras durchzieht vielerorts das Wasser, das Ufer säumen Schilf sowie Auenwälder mit Erle und Esche. Am Flussübergang bei Müllen schwirren zahlreiche, blau schimmernde Libellen umher, lassen sich auf den grünen Blättern im Fluss nieder, Schmetterlinge flattern durch die Uferböschung. Etwas weiter nördlich, bei Kittersburg, lassen sich von einer Brücke aus Wasserläufer beobachten, die sanfte Wellen schlagen.

Hier an der Brücke in Kittersburg befindet sich eines der Regulierungswehre, mit Hilfe derer die Wiesen im Umfeld der Schutter jedes Jahr im Frühjahr für eine Woche geflutet werden. Die gezielten, ökologischen Flutungen dienen als Ausgleich zum Hochwasserschutz. In Kittersburg und etwas weiter nördlich, in Eckartsweier, wurden sie den 2000er-Jahren eingeführt. Pflanzen und Tieren profitieren gleichermaßen von den Flutungen. Die Vögel etwa, weil sie in den gewässerten Flächen leicht Beute finden, die Pflanzen, weil sie so genügend Nährstoffe bekommen. Gerade in einer lang anhaltenden Trockenperiode wie in diesem Sommer ist dies von großer Bedeutung.

Auch das Wasser ist Lebensraum für einige seltene Arten. Das zeigt sich etwas weiter flussabwärts, bei Sundheim, nahe der Mündung in die Kinzig, wo das Flussgras verschwindet und die Fische sichtbar werden. Selten gewordene Arten wie Bitterlinge, Aale und Lachse kommen in der Schutter vor. Und für eine Art ist das Gewässer besonders bekannt: Die gemeine Flussmuschel, auch Bachmuschel genannt, kommt an keinem anderen Ort in Deutschland so oft vor wie in der Schutter. Einst eine der häufigsten Muschelarten in Bächen, ist die Population in Deutschland in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen. Um auf das Problem aufmerksam zu machen, wurde die Bachmuschel 2006 zum "Weichtier des Jahres" gekürt. Durch sie hat der Fluss europaweite Bedeutung gewonnen und steht heute nach den europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien (FFH) unter Schutz.
Die fünfte Etappe

Der fünfte Abschnitt der Schutter-Tour beginnt in Müllen bei Schutterwald und führt bis zur Mündung der Schutter in die Kinzig bei Kehl. Auf der Tour gibt es Einkehrmöglichkeiten in der Kittersburger Mühle sowie in einer Gaststätte in Eckartsweier. Flugzeugfans dürften sich außerdem am Anblick Flieger am Flugplatz in Sundheim, freuen. Von der Schutterstraße in Müllen geht es geradeaus bis zur Landstraße 98. Nachdem diese überquert wurde, führt der Weg weiter bis zur Kittersburger Mühle. Dort biegt die Tour ab nach rechts in Richtung Eckartsweier, führt an der Feldschutter entlang bis zur Einmündung in die L 91. Wir biegen nach rechts ab, passieren die Gaststätte Linde und biegen nach links auf die Kehler Straße ab. Dieser folgen wir bis rechts die Kreisstraße 5423 abbiegt. Wir folgen ihr bis zu Einmündung, biegen rechts in die Willstätter Straße ein und folgen ihr bis zur Weggabelung in der Vogesenallee, wo Informationstafeln auf die Schuttermündung hinweisen.
Länge der Etappe:
circa 13 Kilometer


Die Serie ist beendet. Alle Teile finden sich im Online-Dossier unter http://mehr.bz/schutterserie