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27. April 2010
Krach Salomon - Kirchbach
Kein Ziel: Friede-Freude-Eierkuchen
Können sich die ehemaligen Kontrahenten wieder zusammenraufen? Julia Littmann sprach darüber mit der Mediatorin Lis Ripke.
Kaum war OB Salomon im Amt bestätigt, kam schon die Frage, wie der Wahlsieger und sein unterlegener Kontrahent, Bürgermeister Ulrich von Kirchbach, in Zukunft zusammenarbeiten können. Beide trugen im Wahlkampf mehr oder weniger ernste Blessuren davon – werden diese Konflikte fortgeschrieben oder lassen sie sich lösen? Julia Littmann sprach darüber mit der Mediatorin (Bundesverband Mediation) Lis Ripke, Leiterin des Heidelberger Instituts für Mediation.
BZ: Müssen sich Freiburgerinnen und Freiburger für die acht Jahre Amtszeit der beiden Kontrahenten jetzt auf was gefasst machen? Oder gibt es realistische Chancen, dass ein pragmatischer guter Ton gefunden werden kann?Lis Ripke: Ganz klar – es muss bei beiden eine echte Motivation da sein, ein gutes Auskommen erreichen zu wollen. Damit steht und fällt ein Miteinander – und auch das Gelingen einer Mediation.
BZ: Würden Sie denn den beiden zu einer Mediation raten?
Lis Ripke: Das kann ich aus dieser Entfernung und ohne die gesamte Geschichte wirklich auch im Detail zu kennen gar nicht sagen. Es wäre auf jeden Fall auch denkbar, dass jemand auf eher freundschaftlicher Basis, der den beiden wohlgesonnen ist, zunächst mal jedem von ihnen ein offenes Gespräch anbietet. Dort würde er, ohne irgendeinen Druck auszuüben, beispielsweise fragen: "Wäre die Bereinigung der erlebten Wahlkampfbeschädigungen nötig, um in Zukunft um gut für die Freiburger arbeiten zu können?" Und natürlich wäre entlastend, wenn sich aus den Einzelgesprächen ergäbe, dass man auch zu dritt ein Gespräch führen möchte.
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Lis Ripke: Im Sinne der Mediation wäre es wichtig, dass sich beide Kontrahenten in einer solchen Begegnung mit ihren Stärken zeigen können. Das heißt, trotz Sieg und Niederlage müssen sich beide auf gleicher Augenhöhe begegnen können. Dieser methodische Schritt heißt "empowerment" und bedeutet, dass beide ihre Bedürfnisse und Interessen klar äußern. Der nächste Schritt wäre die sogenannte "recognition", das heißt, die Anerkennung der Bedürfnisse und Interessen des Konfliktpartners.
BZ: Liefe eine Konfliktbearbeitung im Sinne einer Mediatorin auf eine Art Friede-Freude-Eierkuchen hinaus?
Lis Ripke: Nein, genau das nicht. Eine Mediatorin würde Konfliktpartner darin unterstützen, sich auf konkrete Handlungen und Umgangsformen zu verständigen, gemeinsam neue Lösungswege zu gehen. Vielleicht gelingt ihnen sogar, dann ein gemeinsames Projekt zu entwickeln. Es geht auf keinen Fall um ein oberflächliches "Befrieden".
BZ: Bezogen auf Freiburg – worauf könnten die beiden Widersacher sinnigerweise hinarbeiten?
Lis Ripke: Ich betone das noch einmal: Die Methode der Mediation setzt unbedingt den Willen beider Beteiligter voraus, überhaupt Lösungen finden zu wollen – das gleiche gilt für ein freundschaftliches Gespräch, das weiterhelfen soll. Es funktioniert nur, wenn die beiden Konfliktpartner sich darin einig sind, gemeinsame Ideen entwickeln zu wollen. Die inhaltliche Ausgestaltung liegt dann in der Hand der Gesprächspartner. Ziel der beiden könnte sein, eine neue entlastende Gesprächskultur miteinander zu finden.
Autor: lit
