Kelten bieten interessanten Sonntag für alle

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Mo, 31. Juli 2017

Efringen-Kirchen

Am Museum Alte Schule in Efringen-Kirchen drehte sich alles um unsere gewieften Vorfahren / Als "Ferrum noricum" gewissermaßen "Made in Germany" war.

EFRINGEN-KIRCHEN. Wer Feuer machen konnte, hatte vermutlich schon bei den Kelten echte Chancen bei den Frauen, schätzt Matthias Seitz, Archäologe und Anthropologe, – und einer der "Kelten", die mit der Keltengruppe Carnyx am Museum Alte Schule zu Besuch waren.

Wer Feuer machen kann, "hat bei Frauen auch heute immer noch den Schlag", wissen die Archäologen, ehrenamtliche Denkmalpfleger, Präparatoren und Hobby-Kelten von Carnyx. Nicht umsonst zieht es die Besucherinnen nämlich immer zu Russell Booth, dem Experten in Sachen "Feuermachen" – die Damenwelt zollt jedes Mal begeistert Beifall, wenn Booth mit Zunder – einem Pilz – oder trockenen Fasern sowie mit einem Feuerstein und einem Schlageisen ein Feuer entfacht. Die Carnyx – eine Gruppe aus Rottenburg, die sich nach dem Carnyx, der hornartig gebogenen Bronzetrompete, – benannt hat, war schon einmal Gast in Efringen-Kirchen und zwar vor drei Jahren in Istein. "Ein Carnyx wurde beispielsweise bei Feldzügen eingesetzt, der Ton des Horns sollte den Gegnern Furcht einjagen", so Archäologe Andreas Willmy. Die "Kelten" gaben nicht nur interessierten Erwachsenen anschaulich einen Einblick in die Lebenswelt eines bedeutenden Volkes, sondern gestalteten auch das Ferienprogramm der Gemeinde mit.

Kinder konnten unangemeldet mitmachen und taten dies mit großer Begeisterung. Ob Korn entspelzen oder mit einer Rundmühle oder einem Mahlstein zu feinem Mehl mahlen, ob beim Drechseln helfen, sich keltische Schmuckstücke zu basteln, sich beim Weben oder Wolle färben zu versuchen, ob zuzusehen, wie ein Kettenhemd entsteht oder beim Engländer Russell Booth zu lernen, wie die Kelten mit Schwertern umgingen – all das war möglich. Museumsleiterin Maren Siegmann zeigte zudem, wie dekorativer keltischer Glasschmuck entsteht. Auf großes Interesse stieß das keltische "Heiligtum" unter den alten Bäumen im Schulgarten. Kultische Gegenstände wie Skulpturen, aber auch Waffen, wie Speere, Bogen, Kettenhemd und ein großes Schild waren dort ausgestellt. Felle erbeuteter Tiere, wie von Reh, Wildschwein und einem Wolf gab es zu sehen. "Das Wolfsfell stammt aus einer Haushaltsauflösung – vermutlich ist es das Fell eines Karpatenwolfs, den man in den siebziger Jahren noch jagen durfte", berichten die Archäologen. Kurios: Als das Fell ersteigert wurde, nahmen Versteigerungsteilnehmer an, dass es von einem Schäferhund stammte. "Niemand erkannte damals die typischen Wolfsmerkmale, wie den feinen schwarzen Strich im Fell, der an den Beinen herabläuft, die typischen Wolfsohren und die typische Wolfsrute – heute, wo dem Wolf viel Aufmerksamkeit zukommt, sieht das anders aus", so Achim Lehmkuhl.

Plättchenweben, Rahmenweben, Färben von Wolle, und Farben aus Pflanzenextrakten kochen oder spinnen konnten die erwachsenen Gäste und die Kinder bei Christel Bode, Dorothee Ade und Gisela Stier ausprobieren – in einem Topf kochte ein leuchtendes Rot – "Pflanzenfarben sind teilweise sehr intensiv gewesen, wenn man es verstand, die richtigen Mischungen zu wählen", berichtete Handweberin Gisela Stier.

Wieder einmal lernte man, dass die Römer Herren waren und die Errungenschaften der von ihnen eroberten Völker durchaus zu nutzen wussten. So stammt die Erfindung des Kettenhemdes von den Kelten. Sie mit einem Pfeil oder Messer zu durchbohren, war schier unmöglich. Die Kelten waren zudem zu den Zeiten Julius Cäsars bekannt dafür, die besten, schärfsten und härtesten Schwerter zu fertigen. "Denn sie hatten eine lange Tradition darin, Eisen zu schmieden – keltische Brennöfen, die zur Gewinnung von Eisen aus Eisenerz, genutzt wurden, findet man denn auch sehr oft bei Ausgrabungen", berichtete Lehmkuhl. Julius Cäsar war es denn auch, der das keltische Volk der Noriker bewusst verschonte. Diese nämlich produzierten exzellente Waffen. "‘Ferrum noricum‘ war zur Römerzeit das, was heute ‚Made in Germany‘ bedeutet, ein echtes Qualitätsmerkmal", erläuterten die Archäologen.

Das Museum in der Alten Schule war übrigens auch geöffnet, und der Förderverein des Museums wirtete im Museumskeller. Wer sich im Keltenlager "ausgetobt" und dann auch noch typische keltische Sirupvarianten ausprobiert hatte, der begab sich ins Museum, um die Dauerausstellung in Augenschein zu nehmen. "Das war ein richtig toller Sonntag für alle", kommentierte eine Familie aus Weil am Rhein glücklich.