Direkt in die Zielgruppe

Ute Schöler

Von Ute Schöler

So, 01. Juli 2018

Kenzingen

Der Sonntag Die Familien-App des Kenzingers Alexander Feldberger wird mit 100 000 Euro gefördert.

Mit "Famigo" will Alexander Feldberger aus Kenzingen eine Infowebsite speziell für Familien schaffen, auf der Gemeinden sich familienfreundlich präsentieren können. Beim Ideenwettbewerb "Tourismus digital" der Landesregierung Baden-Württemberg hat er den ersten Preis gewonnen.

Gibt es eigentlich schon Smartphonehalter für den Kinderwagen? In Zukunft könnte so etwas praktisch sein. Man stelle sich vor: Nach einem langen Jobtag holt eine junge Mutter ihren Einjährigen aus der Kita, der fordert: "Eselbaby gehn!" Vor einigen Tagen war im Streichelzoo eine Geburt angekündigt – ist das Eselchen wohl endlich da? Die Mutter loggt sich beim Loslaufen in ihr Smartphone ein. "Juhuu, der kleine Esel ist da", hat jemand gepostet und dazu gleich ein Foto gestellt. Der Bub lacht erwartungsvoll und Mama schaut schnell noch, wie das Babyturnen von anderen Usern bewertet wird. Im städtischen Bauhof tippt zur selben Zeit ein Mitarbeiter in sein Diensthandy: "Schaukel repariert, Wasser am Sandkasten läuft wieder." So könnte das sein, wenn es nach Alexander Feldberger geht.

"Das muss ganz intuitiv zu bedienen sein – dass es keine 30 Sekunden geht, wenn jemand etwas posten will, direkt in die Zielgruppe hinein", sagt Feldberger auf dem Kenzinger Spielplatz "Im alten Grün" neben dem Lieblingsspielgerät seines knapp dreijährigen Sohnes Theo. "Das Schadensmeldungsprotokoll wäre eine Optimierung für die Kommunen, die Alternative ist ein Shitstorm", führt er aus.

Zwölf Jahre in Kundenpflege und Marketing von Touristikunternehmen haben den studierten Betriebswirt, zuletzt Geschäftsführungsmitglied beim Reiseportal HLX in Baden-Baden, fit für sein Start-Up "Famigo" gemacht. Nach der Geburt seines zweiten Kindes hat er die Elternzeit zum beruflichen Neustart genutzt. "Offen gesagt hatte ich das unterschätzt: Wenn man Kinder hat, entstehen täglich Fragen", sagt der 44-Jährige und nennt Beispiele wie dieses: "80 Prozent der Familien gehen spazieren. Aber ein Portal für schöne Spaziergänge mit Kindern verschiedener Altersgruppen gibt es nicht.”

Für die Teilnahme sollen Kommunen einen Grundbetrag und eine monatliche Gebühr zahlen. Dann können sie Inhalte wie Angebote von Einrichtungen, Vereinen und Initiativen veröffentlichen. Der Bedarf ist da, wie der Unternehmer weiß: "Die drucken Flyer, machen ein Inserat – und dann sind sie nicht mehr sichtbar." Eingaben der Eltern sollen eine laufend aktuelle, sich ständig erweiternde und genau an der Zielgruppe ausgerichtete kostenlose Informationsquelle schaffen. Wer das Alter seiner Kinder und bestimmte Interessen angibt, erhält maßgeschneiderte Infos. Wer das nicht möchte, sucht mit optionalen Filtern oder lässt sich von der nach Wetterlage und Tageszeit variierenden interaktiven Websiteoberfläche inspirieren.

Zur Verleihung des mit 100 000 Euro dotierten Preises urteilte die Jury: "Durch die benutzerorientierte Aufbereitung des Inhalts bietet die Famigo-IT- Lösung als Progressive Web App nicht nur Gästen, sondern auch Einheimischen einen Mehrwert und treibt zusätzlich die Digitalisierung in den Städten und Gemeinden voran."

Derzeit läuft die Entwicklung mit einem neu eingestellten technischen Direktor und zwei Programmierern auf Hochtouren. Die Pilotphase soll 2019 in Gengenbach, Offenburg und Willstätt starten, die Feldberger über das Netzwerk der Wirtschaftsregion Ortenau gewonnen hat. Nach dem Testlauf soll der Softwarebaukasten in die Websites von Kommunen integriert werden können.

Einer der ersten Anwender könnte Kenzingen werden: "Die Stadt freut sich natürlich, den Innovationspreisträger in Kenzingen zu haben. Sie ist mit Herrn Feldberger im Gespräch und wartet derzeit auf das Angebot", sagt Bürgermeister Matthias Guderjan auf Nachfrage. "Das Angebot an die Gemeinde ist gestern rausgegangen und wir konnten vorab klären, dass es förderfähig ist", berichtet Feldberger, der seit zwei Jahren mit seiner Familie in Kenzingen lebt. Bis zu 50 Prozent beträgt die Förderung im Zuge der Digitalisierungsstrategie Baden-Württemberg für die Kommunen.
Info: famigo.info