"Superscar"

Kenzinger Band Bail legt Debütalbum vor - und will hoch hinaus

Hanno Müller

Von Hanno Müller

Mo, 05. September 2016

Kenzingen

"Wir spielen gerne schwere Brocken": Die Band Bail, die ihr erstes Album "Superscar" herausgebracht hat, möchte vor allem vor einem großen Publikum spielen.

KENZINGEN. Die Band Bail, die sich um Frontsänger Klaus Biehler aus Kenzingen formiert, hat ihr erstes Album "Superscar" herausgebracht. Geld und Berühmtheit sind für die Musiker zweitrangig – sie wollen vor einem großen Publikum spielen und glauben an Zuhörer, die mehr von Musik erwarten, als eingängige Texte.

Klaus Biehler pocht mit der Faust gegen The Cure, gegen The Beatles und tritt die anderen musikalischen Vorbilder der Band, die sich auf Fußhöhe befinden. Die Vorbilder sind auf der Eingangstüre zu Bails Probenraum gegenüber Biehlers Haus aufgemalt. In der unteren rechten Ecke der Türe klafft eine quadratische Aussparung für die Hauskatze. Die betritt den Probenraum nicht, wenn die Band spielt, sondern in den Pausen, um zu fressen. Im Probenraum hängen Gemälde von Audrey Hepburn, von Jesus Christus und von nackten Frauen, Kabel schlängeln sich über den Boden und ineinander, hinter dem Schlagzeug steht ein Sofa im Leopardenmuster. Hier sind die Lieder des neuen Albums "Superscar" gereift.

Ein Lied entsteht. Den Einfall dazu hat der 45-jährige Biehler. Dann bespricht er ihn mit dem 32-jährigen E-Gitarristen Tobias Holderer aus Mahlberg. Der trägt eine Basecap, ein Lippenpiercing, Armtattoos. Er lässt sich die passenden Riffs einfallen. Seine musikalischen Wurzeln liegen im Punkrock, er spielt aber auch den Blues.

Klaus Biehler hat vor seinem Mund das Mikrofon, zu seinen Füßen ein Brett mit mehreren Pedalen und abgehenden Kabeln. Häufig verarbeitet er in den Texten Autobiographisches: Die Trauer darüber, seinen Kindern sagen zu müssen, dass die Welt nicht heil sei, der Verdruss über die Menschheit und die Gräuel, die sie begeht. Dann zählt er ein: "Eins, zwei, drei, vier" und die beiden Musiker schlagen die Saiten ihrer Gitarren an.

Biehler und Ventura sind der Kopf der Band. Sie erarbeiten die Liedkonzepte, um die die restliche Band ihre Musik baut: Jürgen Spänle aus Mahlberg trommelt am Schlagzeug, Bertram Hensle aus Nordweil spielt das Keybord und Kai Escher aus Altdorf zupft den Bass. Die drei hatten beim BZ-Besuch keine Zeit zum Proben. Biehler und Ventura stört das jedoch nicht, dann machen sie jetzt eben "Lagerfeuermusik" mit zwei Gitarren, sagt Frontmann Biehler. Ist die Besetzung vollzählig, erinnert Bail an eine Rockband, aber in ein Genrekorsett möchte der Sänger die Formation nicht stecken. "Was heißt das eigentlich, Rockmusik?", fragt er. Er will seine Lieder als "Hymnen und Abgründe" verstanden wissen. "Mal genießt man, dass man die Welt nicht versteht, ein anderes Mal dreht man durch".

Bails Musik lässt sich nicht nur schwer einer Stilrichtung zuordnen, sie fordert die Zuhörer auch heraus – vor allem textlich. "Bail ist keine Band, bei der man sich einen Song anhört und gleich mitsingen kann", sagt Biehler, "Wir spielen gerne schwere Brocken." Allerdings würden heutzutage viele Menschen eine einfache, eingängige Musik bevorzugen. Bail möchte sich dennoch treu bleiben, auch wenn die Band sich für die Aufnahmen zum ersten Album verschuldet hat und sich mit populärer Musik vielleicht mehr Einnahmen erzielen ließen. "Wir sind Idealisten", sagt Biehler. Und Ventura ergänzt: "Ich mache zwar keine Musik, um bekannt zu werden, aber es wäre schon schön, wenn ich davon leben könnte." Der Gitarrist ist gelernter Medienoperator, hat das Booklet von "Superscar" mitgestaltet und verwaltet die Webseite von Bail. Dass Coverbands oder DJs, die einfach nur ein Set abspielten, eine höhere Gage für ihre Auftritte bekämen, stößt bei Biehler und Ventura auf Unverständnis.

Geld ist für Bail aber nur Beiwerk. Die Band möchte vor allem vor einem großen Publikum spielen. Immerhin stand die Band auch schon auf der Zeltbühne des Freiburger Zeltmusikfestivals (ZMF). Das nächste Konzert steht im Oktober im Rockcafé Altdorf in Ettenheim an. Bis dahin sind verschiedene Promotionsaktionen geplant. Eine "Ochsentour" (Biehler), also eine Deutschlandtour ohne Gage vor kleinem Publikum, um die Bekanntheit zu steigern, stellt für Bail jedoch keine Option dar. Die Musiker haben alle noch einen Beruf und Familie. Biehler selbst hat drei Kinder und lehrt Englisch und bildende Kunst am Max-Planck-Gymnasium in Lahr. Wie Ventura grenzt er allerdings sein berufliches und sein künstlerisches Leben voneinander ab – auch wenn Ventura während seines Referendariats einmal sein Schüler war.

Biehler singt jetzt mit geschlossenen Augen. Seine Stimme hallt im Probenraum wie in einem leeren Gewölbe. Venturas Lippen bewegen sich auch. Er spricht den Text still für sich mit. Audrey Hepburn schaut den Musikern über die Schulter, Jesus hängt an der Wand und betet mit gefalteten Händen. "In unseren Liedern geht es viel um den Kampf um Glauben", sagt Biehler später. "Ich bin ungeduldig. Am liebsten würde ich direkt das zweite Album herausbringen."