Mittelalterliche Präsentation mit Zugkraft

Michael Haberer

Von Michael Haberer

Mo, 08. Juli 2013

Kenzingen

Markt, Musik, Kulinarisches und Gaukelei: Tausende von Besuchern sind bei bestem Wetter zum dreitägigen historischen Stadtfest nach Kenzingen gekommen.

KENZINGEN. Dem dreitägigen historischen Altstadtfest war Kaiserwetter beschert. Deshalb war es in den frühen Nachmittagsstunden bei intensivem Sonnenschein etwas lichter auf den Straßen und Plätzen. Gerade die Mittelalter-Akteure unter Helmen und Kettenhemden kamen ins Schwitzen. Gegen Abend und in der Nacht war Kenzingen voll von Besuchern, die zu Tausenden Schauspiel, Speis und Trank suchten.

Das Signal, dass der Gerstensaft fließt, gaben die hohen Herren am Freitagabend. Schultes Matthias Guderjan führte den Hammer für das eine Fass. Beim zweiten Fass brachte Mladen Karlic, Oberbürgermeister der Partnerstadt Vinkovci, das Bier zum Sprudeln. Das dritte Fass war Aufgabe von Landrat Hanno Hurth. Dieser wusste vielleicht noch, dass seinem Stellvertreter vor zwei Jahren am gleichen Ort der Hammer brach. Also handhabte Hurth denselben etwas zaghaft.

Feuershow, flotte Sprüche und Dudelsackklänge

Das Stadtoberhaupt hatte zuvor mit Nikodemus, dem Gaukler, und Jakob, dem Puppenspieler, das Publikum auf drei Tage Mittelalter eingeschworen. Nikodemus und Jakob waren mit ihren Kollegen von Krambambule, Finisterra und Varius Coloribus während der drei Tage an allen Ecken und Enden zu sehen. Die professionellen Gaukler, Barden und Feuerkünstler gehören zu einer europaweiten Eventkultur rund um das Mittelalter. Die meisten von ihnen haben einen vollen Terminkalender, der sie über Mittelaltermärkte vom hohen Norden bis in den Süden führt. Bis in die Nacht hinein warteten sie mit flotten Sprüchen, Dudelsackklängen und Feuershows auf, und die Plätze vor ihren Aufführungen waren voll applaudierender Zuschauer.

Jakob unterhielt mit seinem Puppentheater die Kleinsten. Selbst hinter seiner kleinen Bühne vor der Kirche musste er seinem wissbegierigen jungen Publikum erläutern, wie das mit dem Drachen so geht.

An einer Vielzahl von Ständen wurde eine große Palette der für die Mittelaltermärkte typischen Waren angeboten. Gewänder, Schleier und Zierrat waren zu haben. Ledersachen, Trinkhörner und nach alten Rezepten gebrautes Gesöff gab es. Die Fans der Mittelalterszene aus nah und fern fanden auch neue Speerspitzen, Pfeil und Bogen. Wie man die historischen Gewänder und Schwerter in Szene setzt, zeigten die mittelalterlichen Laiengruppen bei der Kirche. Hier hatten die Freien Ritterschaft aus Baden und aus Weisweil wie auch die Breisgauer Ritter ihre Lager aufgeschlagen. Gleich zu Anfang war die ganze Ritterschaft, begleitet von den Edeldamen und Musikern, bewaffnet, pfeifend und trommelnd durch die Innenstadt gezogen.

An allen Ecken wurde rustikal oder mediterran Kulinarisches gereicht, von den Kenzinger Vereinen und Gastronomen, aber auch der Deutsch-Kroatischen Gesellschaft. Hin und wieder sorgten die Sänger der Gruppe "Lipa" aus Vinkovci für Stimmung. Schon bei der Feier im Regierungspräsidium, im Gottesdienst am Sonntagmorgen und an verschiedenen Orten der Altstadt warteten sie mit ihren gefühlvollen Liedern auf. Am Samstagabend ließen die Kroaten den Tag singend bei der Künstlerin Gisela Richter ausklingen.

Rekonstruktionen des früheren Kenzingen

Es gab auch Wissen über die vergangenen Zeiten, schwarz auf weiß. So wurden auf dem Markt Bücher über den Ritterkampf angeboten. Die Darstellungen waren mehr für Fans martialischer Nostalgie gedacht. Seriöser wurde es bei der Kenzinger Geschichts-AG. Die "Pforte" oder andere Geschichtsbücher liefern mehr jenen eine prosaische Kost, die sich der Regionalgeschichte verschrieben haben.

Grafisch und farbig wurde diese Kost in der Ausstellung "Civitas Kencingin" von Hans-Jürgen van Akkeren geboten. Detailreiche Rekonstruktionen des früheren Kenzingen und der Ruinen drum herum hat er in den Fluren der AWO ausgestellt. Bertram Jenisch von der Denkmalpflege nannte Akkeren bei der Eröffnung der Ausstellung einen wichtigen Botschafter der Denkmalpflege vor Ort. Akkeren sei nicht nur ein begnadeter Künstler. Er arbeitet auch mit Computer-Entwürfen der historischen Stätten, welche die Grundlagen der zeichnerischen Rekonstruktionen sind und die Burg oder das Stadtbild wissenschaftlich fundiert aus verschiedenen Blickwinkeln erscheinen lassen.