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05. Juli 2016 00:00 Uhr

BZ-Porträt

25-jähriger Kirchzartener gewinnt Jugendfilmpreis

Der Regisseur Simon Schneckenburger kommt aus Kirchzarten und studierte in Offenburg. Sein jüngster Film "Der Regen im Blick" ist gerade ausgezeichnet worden.

  1. Simon Schneckenburger Foto: Dominik Sackmann

Ursprünglich wollte er Kameramann werden. Als Simon Schneckenburger 2012 an der Hochschule Offenburg sein Studium begann, tat er das noch mit der Absicht, eines Tages bei großen Produktionen hinter der Kamera zu stehen. Doch dann entdeckte er seine Liebe zur Regie und drehte im Laufe der letzten drei Jahre sechs Filme. Sein jüngster, "Der Regen im Blick", wurde kürzlich auf dem Bundes.Festival.Film mit dem deutschen Jugendvideopreis ausgezeichnet.

"Der Preis bedeutet uns viel, gerade weil man eine Bestätigung bekommt, dass man nicht irgendwelchen Mist gemacht hat, sondern was Schönes auf die Beine gestellt hat." Simon Schneckenburger
Mit einem Hobby hat alles angefangen: Mit zwölf Jahren bekam Simon Schneckenburger seine erste Digitalkamera und drehte fortan Schulvideos für seine Klasse und kleine Actionfilme. Einer seiner ersten Filme hatte den Titel "Angriff der Kung-Fu-Ritter", er drehte ihn auf dem Dachboden des Elternhauses in Kirchzarten. Damals hätte er nie gedacht, dass daraus mal sein Beruf werden würde. "Es war ein Prozess", sagt er, der damit anfing, dass er Bücher las und Filme schaute. "Irgendwann wusste ich dann, ich möchte Geschichten erzählen." Und das tut er. Heute ist Schneckenburger 25, lebt in Freiburg und studiert im 9. Semester Regie und Drehbuch in Offenburg. In einem seiner ersten Filme, "Herr Olsson und die Einsamkeit", erzählt er die Geschichte des traurigen Herrn Olsson, der nach dem Tod seiner Frau allein auf "Norwegens einsamstem Leuchtturm" lebt. Herr Olsson ist ein mit Stop-Motion-Technik zum Leben erwecktes Lego-Figürchen, dessen verlorener Gesichtsausdruck allein schon Mitgefühl weckt.

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In "Last Boy" wird in drei Minuten mittels Fotomontagen die Geschichte eines Jungen erzählt, der sich als Einziger in Freiburg bewegen kann – die Umgebung ist wie eingefroren. "Den Regen im Blick" schließlich ist die Geschichte des jungen Felix, der ziellos in seiner Welt umherirrt und in seinen eigenen Gefühlen und Gedanken gefangen ist. Für diesen 28-minütigen Kurzspielfilm bekam Simon Schneckenburger beim Bundes.Festival.Film den Jugendvideopreis seiner Altersgruppe, der mit einem Preisgeld von 1000 Euro verbunden ist. Das Geld fließt in die neue Filmproduktion. "Der Preis bedeutet uns viel, gerade weil man eine Bestätigung bekommt, dass man nicht irgendwelchen Mist gemacht hat, sondern was Schönes auf die Beine gestellt hat." Das nächste angestrebte Ziel ist eine Teilnahme beim Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken, das bedeutendste Nachwuchsfilmfestival in Deutschland.

Fürs Erste aber schaut Simon Schneckenburger nur auf die kommenden Wochen. Derzeit steht die Vorproduktion für seinen 45-minütigen Hochschul-Abschlussfilm "Am Tag die Sterne" an, den er in Kirchzarten drehen wird. Das Drehbuch dazu hat er selbst geschrieben, in Ruhe zu Hause und meist nachts. "Ich habe es ganz lange im Kopf gehabt und immer wieder im Kopf umgesetzt. Und dann ging’s zwei, drei Wochen lang, und die Geschichte war runtergeschrieben." Ideen und Inspiration zu seinen Filmen findet er überall. "Ich mag es, nah am Menschen zu sein und Geschichten zu erzählen, die auch nah am Menschen sind. Die kann man in der Straßenbahn aufschnappen, am Tresen, in der Zeitung." Wenn er solche Geschichten findet, schreibt er sie auf und verwahrt sie, um irgendwann vielleicht eine Szene oder sogar ein Drehbuch daraus zu machen.

Dabei fällt auf, dass der Student sich oft düstere Themen wie Einsamkeit, Verlorensein oder Orientierungslosigkeit aussucht. Ist das nicht ungewöhnlich für einen so offenen, freundlichen und sichtbar lebensfrohen jungen Mann? "Ich bin für jeden Witz zu haben", sagt Schneckenburger, "aber ich mag Filme, über die man danach unbedingt mit Leuten reden muss oder die man erst mal sacken lassen muss. Ich mag lieber den Menschen mit Filmen berühren als unterhalten." Deshalb macht er auch keine Komödien, sondern konzentriert sich auf die eher dunklen, schweren Themen, aus denen, wie er sagt, die größte Literatur, Musik und Kunst entstanden ist. Sein Vorbild ist der norwegische Regisseur Joachim Trier, sein Lieblingsfilm dessen Drama "Oslo, 31. August" von 2011, weil auch Triers Filme nah beim Protagonisten bleiben und eine Geschichte natürlich erzählen. "Dieser Film und ,Blue Valentine’ von dem amerikanischen Regisseur Derek Cianfrance haben mir gezeigt, wie unglaublich berührend Filme sein können."

Ein zum Leben erwecktes Lego-Männchen

Bei seiner Arbeit als Regisseur ist es ihm wichtig, sich selbst und der Kreativität seiner Filmcrew keine Schranken zu setzen. Natürlich hat er viele Dinge schon im Vorfeld klar im Kopf, aber ohne Offenheit für Anregungen des Teams geht es nicht. "Wenn man am Set ist, passiert immer irgendwas Unvorhergesehenes. Für diese Momente muss man wach sein."

Sein Team setzt sich zusammen aus Hochschulstudenten und freischaffenden Künstlern. "Das Team ist so ziemlich das Wichtigste – alleine kann man keinen Film machen", sagt Schneckenburger. "Es ist nicht selbstverständlich, so tolle Leute zu haben." Dazu gehören neben seinem Kameramann Marcus Hafner auch der Produktionsleiter Fabian Linder und der Cutter Alexander Schröder.

Mit Hafner und Schröder zusammen verfolgt Simon Schneckenburger ehrgeizige Pläne: Sie wollen sich mit "Am Tag die Sterne" bei den Filmakademien in Ludwigsburg und Wien bewerben. "Das ist unser Traum. Dafür geben wir gerade alles!" Demnächst wird er sein Studium in Offenburg beenden, den Traum von einer Karriere als hauptberuflicher Regisseur träumt er weiter. "Ich weiß natürlich, wie unfassbar hart das ist, in die Filmbranche reinzukommen."

"Den Regen im Blick" kann man sich voraussichtlich ab Herbst auf seiner Homepage ansehen, "Am Tag die Sterne" wird noch etwas länger auf sich warten lassen. Da eine Veröffentlichung der Filme immer mit den Einreichungen bei Festivals zusammenhängt, hofft Schneckenburger, dass es noch sehr lange dauern wird, bis man auch "Am Tag die Sterne" online sehen kann. Je länger es dauert, auf umso mehr Festivals läuft der Film.


Mehr Infos unter: www.simon-schneckenburger.de

Autor: Nina Herrmann