Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. November 2016

Dokumentarfilm

"Winna": Wanderwege der Seelen

DOKUMENTARFILM: "Winna".

  1. Martin Nellen Foto: mindjazz

Natürlich könnte man es auf den Landstrich schieben, auf die karge, majestätische Bergwelt im Schweizer Kanton Wallis. Dort, wo Nebelschwaden jagen um schroffe, schneebedeckte Gipfel, wo in uralten Holzhäusern das Gebälk knackt, wo der Wind jault und das elektrische Licht schon mal unvermittelt angeht oder aus, scheint der Boden besonders fruchtbar zu sein für Geisterglauben und unheimliche Mythen. Vom Gratzug, bei dem die "Armen Seelen" in einer langen Prozession über Berg und Tal wandern, um für ihre Sünden zu büßen, erzählen die Alten bis heute. Sie sollten sich mal umhören, welche Geschichten in der Gegend noch kursieren, sagt der Lehrer, und wir begleiten Schülerin Sarina auf der Suche nach dem Sagenschatz ihrer Heimat.

Kein schlechter Regieeinfall, den Fabienne Mathier da hatte: Das moderne, skeptische Mädchen ist über jeden Mystifizierungsverdacht erhaben und sorgt für einen neugierg-nüchternen Zugang zu den übersinnlichen Erfahrungen, von denen die Doku "Winna – Weg der Seelen" berichtet. Da gibt es den Kuss durch einen unsichtbaren Toten, die sogenannte Winna, die einen Ausschlag verursachen oder gar den eigenen Tod ankündigen kann. Da gibt es die wandernden Büßer, die in Spalten des Aletschgletschers verschwinden, wie Bergwanderer Martin Nellen Sarina erzählt. Da gibt es die Sterbenden, die sich von ihren Lieben verabschieden, postmortale Kontakte, lärmende Poltergeister und eine Omnipräsenz der Verstorbenen, wie sie eine junge Frau erlebt, die sich als Medium begreift.

Werbung


Gerade diese Conny Giammarresi, die so liebevoll und unaufgeregt über ihre Begegnungen mit dem Jenseits spricht, unterstreicht die Gangart dieses gelungenen Dokumentarfilms: Er schielt nicht auf den Gruseleffekt, sondern erinnert, dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als unsere Schulweisheit sich erträumen lässt. (Läuft in Freiburg im Friedrichsbau, am Sonntag um 17 Uhr in Anwesenheit der Regisseurin.)

Autor: Gabriele Schoder