Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. Juli 2010

Aus dem Dornröschenschlaf aufgeweckt

400 JAHRE SCHLOSS SCHMIEHEIM: Von 1958 bis 1961 wurde das vom Verfall bedrohte Schloss grundlegend saniert und für die Nachwelt gerettet.

  1. und heute Foto: Heidi Foessel

  2. Damals Foto: Heidi Foessel

  3. und heute Foto: fotos/repros: heidi fössel

  4. Damals Foto: Heidi Foessel

  5. und heute Foto: Heidi Foessel

  6. Damals Foto: Heidi Foessel

  7. und heute Foto: Heidi Foessel

  8. Damals Foto: Heidi Foessel

KIPPENHEIM-SCHMIEHEIM. Manchmal ist es besser, man weiß nicht so genau, auf was man sich einlässt. Hätten die Schmieheimer Gemeinderäte gewusst, dass die Sanierung des Schlosses nicht 78 000 Mark (39 000 Euro), sondern schließlich mehr als 322 000 Mark (161 000 Euro) kostet, wer weiß, wie die Entscheidung zwischen Sanieren oder Abreißen gefallen wäre. So aber ist das Wahrzeichen der damals noch selbstständigen Gemeinde in den Jahren 1958 bis 1961 eben grundlegend saniert worden. Und damit können die Schmieheimer – und nicht nur sie – von Freitag bis Sonntag 400 Jahre Schloss Schmieheim feiern.

Mit einer Stimme Mehrheit sollen sich die Gemeinderäte für die Sanierung ausgesprochen haben, erzählt Hans Kölle. Das genaue Abstimmungsergebnis geht aus den Sitzungsprotokollen nicht hervor. Hans Kölle gehörte damals noch nicht dem Gemeinderat an, er wurde erst 1968 in das Gremium gewählt. Sein Vater Wilhelm war indes von 1948 bis 1966 Bürgermeister in Schmieheim. Und der, so Kölle im Gespräch mit der Badischen Zeitung, hat es ihm erzählt.

Werbung


Doch zurück zu den Anfängen: In den Jahren 1607 bis 1610 ist das Schloss erbaut worden vom Freiherrn Bock von Gerstheim. Letzte Besitzerfamilie waren die Waldner von 1711 an. Das Schloss blieb weitgehend unbewohnt. Wenn die Besitzer zur Jagd nach Schmieheim kamen, hielten sie sich in einem Nebengebäude auf, das nicht mehr steht. Der Erhalt des Gebäudes interessierte sie nicht, auch wenn von 1847 an der Schmieheimer Kindergarten bis zum Bau des neuen im Schloss untergebracht war. Entsprechend verfiel die Bausubstanz immer mehr.

Graf Eduard von Waldner und Freudstein hatte einen elf Hektar großen Wald in Schmieheim, den Herrschaftswald. Die Gemeinde hatte Interesse daran. Der Besitzer machte den Verkauf davon abhängig, dass die Gemeinde auch das Schloss sowie den dazu gehörenden Garten mit knapp 100 Ar ebenfalls erwarb. Am 2. Dezember 1925 wurde der Kauf des Schlosses und des Schlossgartens für 10 000 Goldmark perfekt gemacht. Gemeinderat und Bürgerausschuss segneten Anfang 1926 den Kauf ab.

Dass der Erhalt des Wahrzeichens die Gemeinde teuer kommen würde, war damals schon klar. Oberbaurat Schlippe aus Freiburg, Sachverständiger für Heimatschutz und Denkmalspflege, hatte 1932 eine Bestandsaufnahme gemacht und dabei geschrieben: "Leider hat der Landesverein Badische Heimat keine Mittel, um den Zerfall aufzuhalten oder eine würdige Instandsetzung zu ermöglichen". Zwei Jahre später schrieb der Ortspfarrer Ludwig Adolf in einem Aufsatz im Heft 34 des Historischen Vereins für Mittelbaden: "Der weitere Zerfall des einst so schönen Baus ist nicht aufzuhalten. (...) Ob der Bau wieder erstehen wird? Weder Gemeinde, noch Staat, noch Verein haben die Mittel hierzu." Um das Schloss nicht gänzlich verfallen zu lassen, hat die Gemeinde als neuer Besitzer dennoch immer wieder Geld aufbringen müssen. Der Freiburger Hans Arno Fuchs schrieb in der Broschüre "Mein Heimatland": "Das Schmieheimer Schloss hält heute noch in märchenhafter Verwahrlosung seinen Dornröschenschlaf und träumt einer Zeit entgegen, wo es vielleicht von tatkräftiger Hand zu alter Schönheit hergerichtet werden wird". Mehr als 30 Jahre sollten bis dahin noch vergehen.

"Das Schmieheimer Schloss träumt einer Zeit entgegen, wo es vielleicht von tatkräftiger Hand zu alter Schönheit hergerichtet werden wird."

Hans Arno Fuchs
Ein Weg schien sich um 1950 aufzutun. Das Schulhaus war zu klein und auch nicht mehr zeitgemäß. Die Gemeinde wollte nun das Schloss zur Schule umbauen und ließ Pläne anfertigen. Landratsamt und Kreisschulamt lehnten die Pläne jedoch wegen des baulichen Zustands und des mangelhaften Lichteinfalls ab. So bauten die Schmieheimer eben 1955 neben dem Schloss ein neues Schulhaus.

Ein neues Rathaus bauen, da das alte den Erfordernissen nicht mehr entsprach, oder das Schloss sanieren und die Gemeindeverwaltung dorthin verlegen, war die Frage, die Verwaltung und Gemeinderat in der Folge beschäftigte. Im Wissen, dass ein Neubau eigentlich wesentlich billiger wäre, entschied sich der Gemeinderat im Februar 1958 schließlich dennoch für die Sanierung des Schlosses. Die Planung wurde dem Freiburger Architekten Herbert Kasper übertragen. Der legte am 5. Mai einen Kostenvoranschlag über 78 000 Mark (knapp 40 000 Euro) vor. Eine viel zu geringen Summe, wie sich schnell herausstellen sollte. Die wurde bald auf 180 000 Mark (90 000 Euro) erhöht. Auch das war immer noch viel zu wenig . Abgerechnet wurden schließlich 323 000 Mark (160 000 Euro). Zuschüsse gab es vom Amt für Denkmalpflege, das 95 000 Mark (48 000 Euro) beisteuerte, vom Landkreis Lahr 15 000 Mark (7500 Euro), vom Ausgleichsstock 11 000 Mark (5500 Euro), vom Verein zur Erhaltung der Burgruine Hohengeroldseck 2500 Mark (1250 Euro). Aus einer Sammlung zum Tag der Heimat kamen 1200 Mark (600 Euro). Der große Rest von gut 200 000 Mark (100 000 Euro blieb an der Gemeinde hängen. Ein gewaltiger Brocken, den Schmieheim mit seinen damals gerade 760 Einwohnern parallel zum Bau der Schule zu stemmen hatte.

Die Sanierungsarbeiten begannen im Juli 1958 mit der Erneuerung der Wendeltreppe im Turm mit ihren 72 Stufen. Schnell zeigte sich, dass die schönen Pläne Makulatur waren. Der Turm wurde nach dem Hauptbau errichtet und war mit ihm nicht verbunden. Nachdem die beschädigten Treppenstufen entfernt waren, verlor der Turm den Halt in sich und drohte einzustürzen. Er musste abgestützt und mit zwei Stahlmantelgürteln mit dem Hauptgebäude verankert werden. Erst dann konnten die Treppenstufen eingebaut, der Turm in sich wieder stabilisiert werden.

Marode war auch das Mauerwerk. Es hielt nicht mehr zusammen. Die ganze Südseite war einsturzgefährdet. Das Mauerwerk bröckelte, musste teilweise bis auf den Boden abgetragen und wieder aufgemauert werden. Ähnlich war auch der Zustand des Dachstuhls. Die Verzapfungen waren marode, zudem hatten Käferbefall und Fäulnis dem Holz zugesetzt und, und, und...

Schließlich konnten die dreijährigen Sanierungsarbeiten doch mit dem Außenputz abgeschlossen werden. "Mit der abschließenden Erneuerung des Außenputzes entstand aus dem alten, beinahe ruinenhaften Schlossgebäude ein Kleinod von überregionaler Bedeutung", schreibt Kurt Huck in seiner 1991 erschienenen "Geschichte des Schlosses Schmieheim". Doch auch im Innern war das Gebäude saniert. Die Räume des Kindergartens im Erdgeschoss waren ausgebaut und modernisiert. Die Gemeindeverwaltung hatte im ersten Obergeschoss ihre neuen Räume und im Dachgeschoss ist Wohnraum entstanden. Am 20. November 1961 konnte die Gemeinde Schmieheim den Abschluss der Sanierung ihres Wahrzeichens groß feiern. Auch Regierungspräsident Anton Dichtel war eigens zu der Feier aus Freiburg gekommen.

Mit dieser grundlegenden Sanierung war der Erhalt des Schmieheimer Wahrzeichens zunächst einmal dauerhaft gesichert. Das heißt jedoch nicht, dass nicht immer wieder Arbeiten zum Erhalt nötig waren: 1982 beispielsweise Reparaturen am Dach, ein Jahr später musste eine neue Heizungsanlage eingebaut werden. 1985 mussten erneut das Dach und Teile der Außenmauer instand gesetzt werden. 200 000 Mark (100 000 Euro) hat Kippenheim, dessen Ortsteil Schmieheim heute ist, in das Schloss gesteckt.

Dennoch, dass übers Wochenende der 400. Geburtstag des Schlosses gefeiert werden kann, das ist den Gemeinderäten und Bürgermeister Wilhelm Kölle zu veranken, die in den 1950er Jahren für die Sanierung und gegen den Abriss gestimmt haben.

Ein Fotoalbum zum Schloss Schmieheim unter http://www.badische-zeitung.de

Autor: Theo Weber