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07. September 2010

Ein textsicheres Publikum auch bei hebräischen Liedern

Die israelische Sängerin Odelia Silbermann gastierte zum Europatag der jüdischen Kultur mit ihrer Band in der ehemaligen Synagoge in Kippenheim.

  1. Odelia Silbermann (zweite von rechts) mit ihrer Band. Foto: Sandra DEcoux-Kone

KIPPENHEIM (iko). Ein Hörerlebnis der besonderen Art erwartete die Besucher in der ehemaligen Synagoge Kippenheim am Sonntag, dem Europatag der Jüdischen Kultur. Die aus Israel stammende Sängerin Odelia Silbermann stellte mit ihrer Band Musik aus ihrem Heimatland vor. Der musikalische Mix aus modern-mediterranem Akustik-Pop sowie abendländischen und orientalischen Einflüssen begeisterte die Zuhörer. Der Andrang war enorm. Viele Besucher fanden keinen Sitzgelegenheit mehr und erlebten das Konzert im Stehen.

Die Musikfreunde zeigten darüber hinaus auch reges Interesse für die bewegte Geschichte der Synagoge, über die man sich anhand eines vor Ort ausgestellten Zeitstrahls informieren konnte. Auch die oberen Ränge – ehemals Frauenemporen – waren für die Besucher geöffnet.

Odelia Silbermann, in Tel Aviv geboren und aufgewachsen, begann mit ihrer Band den Abend in flottem Tempo mit lebhaften, eingängigen Melodien und dem Rahmen der sakralen Örtlichkeit entsprechend mit "Dodi li", einer vertonten Version des Hohelieds Salomos. Das abwechslungsreiche Programm bot jedoch nicht nur religiöse Stücke, sondern auch viele Volkslieder, Liebesballaden und kulturellen Crossover aus Tango und Walzer, Melancholie und Beschwingtheit sowie Orient und Okzident.

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Silbermann sang und unterstützte einige Stücke mit Schellen oder diversen Handtrommeln. Marion Dyremose begeisterte am Akkordeon, Klaus Lauer spielte den Kontrabass und Daniel Schays Perkussion rundete das melodiöse Programm ab. Die erste Hälfte des Konzerts gestaltete das Quartett abwechslungsreich mit mal langsamen, melancholisch-getragenen Melodien, dann wieder rhythmisch-beschwingten und ausgelassenen Tonfolgen. Den Höhepunkt des ersten Teils markierte eindeutig der Kanon "Hineh ma tow", ein religiöses Lied über die Freude, gemeinsam beisammen zu sitzen. Dieses Gefühl übertrug sich auch auf das Publikum, welches von Odelia Silbermann zum Mitsingen aufgefordert wurde.

Bei dem anspruchsvollen hebräischen Lied zeigten sich überraschend viele Konzertbesucher bemerkenswert textsicher. Kann man ein Programm mit solch frommen Liedern als jüdisch-religiös bezeichnen? "Man kann religiöse und Volkslieder im Jüdischen nicht strikt voneinander trennen. Die Übergänge sind da recht fließend", erklärte Dyremose in der Pause. Daniel Schay ergänzte: "Das kann man wirklich nicht so genau unterscheiden. Wo fängt Gott an und wo hört er auf?"

Nach der Pause ging es schwungvoll und vom Tango inspiriert weiter. Es folgten ein paar jiddische Lieder sowie einige Duette, die Odelia Silbermann und Marion Dyremose bestritten. Auch das klassische Lied der jüdischen Bar Mizwa "Mazeltow" durfte natürlich nicht fehlen, fiel aber etwas kurz aus.

Von der Freude, gemeinsam zu feiern und zu singen

Bei "Reach tapuach", einem orientalisch-sphärischen Lied über den Duft der Äpfel, zeigte das Quartett dann noch einmal sein ganzes musikalisches Talent: Eine Ouvertüre aus durch den Blasebalg des Akkordeons erzeugten Windgeräuschen mit anfänglich zarter Perkussion steigerte sich mit langsam einsteigendem Kontrabass und der sphärischen Stimme Odelia Silbermanns bis zum kraftvoll-runden Höhepunkt des Stückes. Das Konzert beschloss "Schalom alechem", ein Segensgebet für Samstage. Der furiose Schlussapplaus des begeisterten Publikums ermunterte Odelia Silbermann und Marion Dyremose noch einmal zu einer Zugabe.

Autor: iko