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01. Juni 2017

"Am Wichtigsten: Es macht Spaß"

BZ-INTERVIEW mit Dreisamtäler Teilnehmern von "Jugend musiziert" am Bundeswettbewerb, der heute beginnt.

  1. Nathalie und Nicolas Schanz aus Oberried sind ein Duo. Foto: Anja Kunz

  2. Muriel Amadea Müller aus St. Peter Foto: Anja Kunz

  3. Nikolaus Bauer aus Kirchzarten spielt Naturhorn. Foto: Anja Kunz

KIRCHZARTEN/ OBERRIED/ ST. PETER. Heute startet der Bundeswettbewerb von "Jugend musiziert" in Paderborn. Junge Musiker aus dem Dreisamtal haben sich dafür qualifiziert. Über die Disziplin beim Üben, die Motivation gelungener Auftritte und ihre musikbegeisterten Familien hat sich Anja Kunz mit Nikolaus Bauer, Muriel Amadea Müller und den Geschwistern Nicolas und Nathalie Schanz unterhalten.

BZ: Wenn man so erfolgreich bei "Jugend musiziert" teilnimmt, bleibt da überhaupt Zeit für andere Hobbys?

Bauer: Auf alle Fälle, das wäre ja sonst schade. Ich fahre Mountainbike, bin Fußball-Schiedsrichter, jobbe im Fahrradladen und mache bei Veranstaltungen in der Waldorfschule das Licht und den Ton. Und mit Freunden Fußball spiele ich natürlich auch.

Müller: Wir bewirtschaften einen Hof, da gibt es mit den Tieren immer jede Menge zu tun. Außerdem lese ich sehr gerne. Aber eigentlich brauche ich die freie Zeit für die Instrumente.

Nicolas Schanz: Nathalie und ich machen beide viel Sport. Das ist ein guter Ausgleich zur Musik. Wir turnen, schwimmen, spielen Tischtennis, machen Leichtathletik und eigentlich wollen wir jetzt auch noch mit Tennis anfangen.

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BZ: Ihr musiziert alle auf hohem Niveau. Wie viel Zeit plant ihr täglich fürs Üben ein?

Müller: Ich versuche jede Minute zu nutzen. Wenn ich irgendwo warte, mache ich schon mal meine Hausaufgaben. Zweimal die Woche habe ich Schlagzeug-Unterricht, und dreimal die Woche bin ich für Bratsche und Theorie an der Musikhochschule. Und dann kommt noch das Üben zu Hause dazu. Ich versuche, mindestens zwei Stunden täglich Bratsche und außerdem noch Schlagzeug zu üben, was nicht einfach ist, wenn ich Nachmittagsunterricht habe.

Nathalie Schanz: Unter der Woche üben wir normalerweise eine Stunde am Tag, am Wochenende ist es mehr.

Bauer: Es gibt einfach Phasen, in denen man weniger Lust hat. Das ist, denke ich, aber natürlich. Ansonsten sollten 30 Minuten am Tag schon drin sein in den Wochen vor dem Auftritt.

BZ: Welchen Auftritt habt ihr in besonders guter Erinnerung?

Müller: Im Februar bin ich mit dem Landesjugendensemble für Neue Musik aufgetreten. Das war ziemlich cool. Für mich war es das erste Mal, dass ich mit dem Schlagzeug in einem größeren Ensemble gespielt habe.

"Bei uns spielt

eigentlich jeder

ein Instrument."

Nikolaus Bauer
Bauer: Vor eineinhalb Jahren war ich mit dem Bläser-Ensemble in Israel, wo wir in Gastfamilien gewohnt haben und dort aufgetreten sind. Das war natürlich sehr cool. Aber auch der Auftritt mit dem Landesjugendbarockorchester war etwas Besonders. Die brauchten einen Hornisten und haben mich angefragt. Daraus wurde dann eine dreitägige Arbeitsphase mit anschließendem Konzert in Schömberg bei Calw.

Nathalie Schanz: Wir haben ein Violinduo von Charles de Beriot in der voll besetzten Kirche in Stegen aufgeführt, in der auch das Weihnachtsoratorium gespielt wurde. In der Kirche war eine wunderschöne Akustik und feierliche Atmosphäre. Dies hat uns sehr berührt. Auch unseren solistischen Auftritt mit dem Orchester des Kammermusikkreises Tübingen fanden wir sehr schön.

BZ: Sind eure Familien auch so musikbegeistert wie ihr?

Bauer: Bei uns spielt eigentlich jeder ein Instrument, aber alle nehmen es locker. Meine Mutter spielt Geige, mein Vater Klavier und Orgel. Da wollten meine Eltern schon gerne, dass wir fünf Kinder auch ein Instrument erlernen. Meine Schwester Eva hat sich auch für Paderborn qualifiziert. Sie spielt Fagott und Flöte.

Nicolas Schanz: Mein Opa spielt Geige, und das hat mir von klein auf gut gefallen. Ich war oft bei Auftritten dabei, und irgendwann wollte ich selbst auch Geige spielen. Nathalie hat dann zwei Jahre nach mir damit begonnen. Unsere Eltern sind aber ebenso musikbegeistert, lieben klassische Musik und spielen selbst Instrumente.

Müller: Mein Vater ist Musiker und Komponist, und so war das bei uns immer schon Thema. Anfangs hat er mit mir geübt, denn da hatte ich nicht immer Lust dazu, doch irgendwann wurde es zur Gewohnheit. Schön ist natürlich, dass wir auch gemeinsam Musik machen können.

BZ: Wie schätzt ihr eure Chancen beim Bundeswettbewerb ein?

Nicolas Schanz: Dadurch, dass Nathalie und ich uns so gut kennen und auch super verstehen, klappt es mit dem Musizieren sehr gut. Ich könnte mir schon vorstellen, dass wir Chancen auf einen der ersten Preise haben.

Müller: Ich glaube, insgesamt wird es gut für uns laufen. Ich trete einmal mit dem Streichquartett und am anderen Tag mit meinem Trio auf. Da spielt jeder von uns sogar auf zwei Instrumenten. In dem einen von zwei Stücken, mit denen wir beim Wettbewerb antreten, ist für jeden eine Solokadenz eingebaut, so dass die anderen die Instrumente wechseln können.

Bauer: Das hängt natürlich von der Jury ab. Aber ich mache mich da nicht verrückt, sonst ist man hinterher nur enttäuscht. Es gibt bestimmt Leute, die sind viel ehrgeiziger als ich. Mir ist am Wichtigsten, dass es Spaß macht.

Nikolaus Bauer

Der 15-Jährige besucht die neunte Klasse der Waldorfschule in Freiburg-St. Georgen und spielt seit neun Jahren Horn. Derzeit absolviert er sein landwirtschaftliches Praktikum auf einem Hof bei St. Märgen.

Muriel Amadea Müller

Die 15-Jährige hat bereits zweimal den zweiten Preis beim Bundeswettbewerb von "Jugend musiziert" gewonnen. Sie spielt Bratsche und Schlagzeug und besucht die neunte Klasse des Kollegs St. Sebastian in Stegen.

Nathalie und Nicolas Schanz

Die Elfjährige und ihr 14-jähriger Bruder spielen beide Violine und treten als Duo auf. Die sportbegeisterten Geschwister, die im Winter Skirennen fahren, gehen auf das Kolleg St. Sebastian in Stegen.

 

Autor: unz

Autor: unz