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10. September 2010

Bald läuft die Turbine am Osterbach

Der Bau der Wasserkraftanlage in Kirchzarten hat begonnen / Im Dezember sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

  1. Die Arbeit kann beginnen: Spatenstich zum Bau der Wasserkraftanlage am Osterbach Foto: Lukas Wiesenhütter

  2. Dirk Maier zeigt das Gelände: Hier entsteht das Einlaufbauwerk der Anlage. Foto: Lukas Wiesenhütter

KIRCHZARTEN. Wasser marsch: mit dem ersten Spatenstich begann der Bau der Wasserkraftanlage am Osterbach. Nach Kirchzarten geladen hatten Freiherr Nikolaus von Gayling-Westphal und die Brüder Herbert und Bernhard Kaiser. Ersterem gehören die Grundstücke, auf denen gebaut wird; letztere verwirklichen mit ihrer Kraftwerke Kaiser GdbR das Projekt. Zahlreiche Gäste gratulierten am Fluss nahe dem Segelflugplatz.

Das Wetter bekennt sich eindrucksvoll zur Wasserkraft: Es regnet in Strömen. Nicht im Freien, sondern in der Kirchzartener Segelflughalle begrüßt Nikolaus von Gayling-Westphal die Gäste. Die Jagdhornbläser seiner Forstverwaltung trotzen der Witterung und spielen zur Eröffnung. "Die Geschichte des Dreisamtals ist auch eine Geschichte des Wassers", sagt der Freiherr. Es bereitet ihm sichtlich Freude, durch das Vormittagsprogramm zu führen.

Kein Wunder, war es doch kein leichter Weg bis zur Genehmigung des Wasserkraftwerks, das am Osterbach nun gebaut wird. Herbert Kaiser weiß davon ein Lied zu singen. "Die Politiker wollen es, die Beamten nicht", sagt er über die letzten sechs Jahre, in denen Verhandlungen geführt und Auflagen erfüllt werden mussten. "Es ging hin und her und her und hin." Der 67- Jährige ist die Bürokratie inzwischen gewohnt, er betreibt zusammen mit seinem Bruder noch andere Kraftwerke. Das im Höllental weihte 1994 die damalige Umweltministerin Angela Merkel ein.

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Auch sie ist heute das Thema. Das Votum der Berliner Koalition für die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken ärgert viele der Gäste. Der FDP- Landtagsabgeordnete Dieter Ehret widerspricht der Kanzlerin in seinem Grußwort. "Die Entscheidung ist verkehrt", sagt er, "die erneuerbaren Energien sind die Zukunft." Ehret ist seit Jahren erklärter Gegner der Atomenergie.

Bürgermeister Andreas Hall freut sich umso mehr, dass in Kirchzarten die Wasserkraft weiter gefördert wird. "Das Ziel ist klar", sagt er. "Wir streben 100 Prozent erneuerbare Energiequellen an." Die geplante Wasserkraftanlage am Osterbach zeige, dass es funktionieren könne. "Es braucht allerdings einen langen Atem", ergänzt er.

Zum langen Atem gratulieren auch der CDU- Landtagsabgeordnete Klaus Schüle und der ehemalige Grünen-Abgeordnete Hans-Dieter Stürmer. Bevor es an den Spatenstich geht, erläutert Dirk Maier von der Hydro-Energie Roth GmbH Lage und technische Details der Anlage. Am Osterbach, hinter dem Segelfluggelände, wird das Einlaufbauwerk stehen. Hier wird dem Fluss Wasser entnommen – bis zu 1400 Liter pro Sekunde.

Herbert Kaiser weist auf den Fischaufstieg hin. Der soll es den Fischen erleichtern, flussaufwärts zu schwimmen. "Wir schützen die Umwelt", sagt er.

Das Wasser wird gesäubert, Äste und Laub entfernt. Anschließend legt es in Rohren eine Strecke von 830 Metern zurück. Es fließt, wo andere abheben: entlang der Start- und Landebahn des Flugplatzes. Der Betrieb werde aber nicht gestört, versichert Gerd Schütt, der Vorsitzende des Segelflugvereins. "Überhaupt sind wir Segelflieger ökologisch bewusste Menschen", sagt er.

Ein Rohr wird einen Durchmesser von 1,3 Metern haben und sechs Meter lang sein. "So schwer sind die nicht. Das Verlegen wird recht schnell gehen", sagt Maier. Im Bereich der Buswendeschleife, in Richtung des Schulzentrums, entsteht das Krafthaus. Dort befinden sich Turbine und Generator. Von hier aus wird das Wasser wieder in den Fluss geleitet.

Es folgen die kleinen Spatenstiche mit großer Symbolkraft. "Natürlich ist das ein besonderer Tag", sagt Herbert Kaiser. Er erzählt, wie er von Gayling-Westphal kennenlernte. "Über die Musik", sagt er. Ein Streichquartett solle er dem Freiherrn schreiben, dann bekäme er dessen Genehmigung zum Bau. "In drei Wochen war ich fertig damit", sagt der passionierte Musiker Kaiser und lacht. Er hofft, dass er sich bald wieder freuen kann: In Stuttgart liegen bereits die Anträge für weitere Kraftwerke. Wie viel Energie die Wasserkraftanlage am Osterbach bringt? Angestrebt sind 600 000 Kilowattstunden im Jahr. Das entspricht dem Energiebedarf von 150 Dreipersonenhaushalten.

Die Spaten stecken im Schlamm, die Gäste ziehen weiter ins Gasthaus zum Schützen. Dieter Ehret hält einen Vortrag zum Thema erneuerbare Energien. "Wenn die Anlage fertig ist, feiern wir noch ein größeres Fest", sagt von Gayling-Westphal. Jetzt wünscht er für die Bauarbeiten gutes Gelingen und dem Osterbach viel Regen. Es sieht so aus, als könnten die Wünsche in Erfüllung gehen.







Autor: Lukas Wiesenhütter