Klassik

Beat Furrer erhält den Ernst-von-Siemens-Musikpreis 2018

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Di, 23. Januar 2018 um 11:46 Uhr

Klassik

Mit Beat Furrer geht der Ernst-von-Siemens-Musikpreis 2018 – der "Nobelpreis der Musik" – an einen der wichtigsten Gegenwartskomponisten. Ein Porträt.

Als heißer Kandidat galt er in Fachkreisen schon seit langem, nun ist es so weit: Beat Furrer erhält den Ernst-von-Siemens-Musikpreis 2018. Damit wird die mit 250 000 Euro dotierte, oft auch Nobelpreis der Musik genannte Auszeichnung, dem aus Schaffhausen stammenden österreichischen Komponisten zu Teil, 36 Jahre, nachdem ihn die Stiftung mit einem Förderpreis bedacht hatte.

Seit den frühen 1980er Jahren hat sich Furrer als einer der vielseitigsten Gegenwartskomponisten einen Namen gemacht – in allen wichtigen Gattungen der Instrumental- und Vokalmusik. Das Kuratorium der Ernst-von-Siemens-Musikstiftung hebt noch einen anderen wichtigen Umstand hervor, der die Preiswürdigkeit des 63-Jährigen unterstreicht: "Seiner eigenen Klangsprache stets unverkennbar treu bleibend, reproduziert Furrer niemals Erprobtes sondern führt musikalische Ideen mit jedem neuen Werk einen Schritt weiter und erkundet unbekanntes ästhetisches Terrain."

Damit ist eigentlich alles gesagt: Furrer, der zwischen 1975 und 1983 Dirigieren bei Otmar Suitner und Komposition bei Roman Haubenstock-Ramati in Wien studiert hat, ist ein gleichermaßen Unangepasster wie Neugieriger. Auch wenn es Werke in seinem Schaffen für großes Orchester gibt, wie "face de la chaleur" (1991), ist ihm alles Gigantomanische, Überdimensionierte eher fremd. Er gehört zu jenen, die bevorzugt hineinhören in die Materie, deren Tonsprache oft genug intim, leise, ja zerbrechlich ist. Und die Wert legen auf strukturelle Prozesse, wie in seinem 2012 in Donaueschingen aufgeführten "linea d’orizzonte".

Häufiger Interpret und Partner: das Freiburger ensemble recherche

Dieses leise Spielen mit den Formen und ihren Schatten hat ihn im Musiktheater immer wieder zusammengebracht mit Regisseur Christoph Marthaler. So bei den Uraufführungen von "Invocation" (Zürich 2003) oder bei "Wüstenbuch" (Basel 2010). Furrer instrumentiert mit Vorliebe für Ensembles, wie im zweiten Fall dem auf seine Initiative 1985 gegründeten Klangforum Wien, das er auch lange künstlerisch leitete; wichtiger Interpret seiner Musik und gleichermaßen Partner ist auch immer wieder das Freiburger ensemble recherche gewesen.

Dass der Wahl-Österreicher, seit 1992 Kompositionsprofessor in Graz, in seiner Musik so gerne in Farbschattierungen und Nuancen denkt, könnte auch mit seiner dezidierten Naturbezogenheit zu tun haben. Seit vielen Jahren hat er seinen Hauptwohnsitz im Gesäuse, einer wildromantischen Landschaft in der Steiermark, in der sich die Enns ihren Weg durch die Kalkalpen bahnt. Der Rückzug in die Konzentration eines "Komponierhäusls" im Grünen erinnert entfernt an Gustav Mahler. Man sollte ihn aber nicht mit neoromantischer Aussteigeridylle verwechseln. Dahinter Eskapismus zu vermuten, hieße weit gefehlt. Das zentrale Motiv in Furrers Schaffen ist nicht fliehen, sondern suchen. Am 3. Mai darf er im Münchner Prinzregententheater den Siemens Musikpreis entgegennehmen – als Akt des Findens.